Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 72-73 (11.9.1890)
- Date
- 1890-09-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1326 sein werden, so wirst Du zurückkehren zu Gott Deinem Gott, und Gott wird sich Dir wieder zuwenden und Dich sammeln k. Groß ist die Teschuba, führt sie doch den Menschen der Herrlichkeit Gottes nahe, wie es gesagt ist: Kehre um Israel zu Gott Deinem Gotte. Teschuba führt die Fern- und Fremdgewordenen wieder zusammen. Gestern kann Jemand gehaßt, verworfen, verabscheut und Gott entfremdet sein und heute ist er bei Gott beliebt, Ihm nahe, theuer und verbunden. Gestern noch von Gott geschieden durch die Scheidewand, welche jede Sünde bildet, rief er zu Gott, ohne erhört zu werden, und selbst seine guten Handlungen wurden ihm zurückgewiesen, und heute! Er hat den Anschluß an Gottes Herrlichkeit und damit Erhörung seines Gebets und freudige Entgegennahme seiner guten Werke gefunden! Deßhalb sind es nicht so sehr Wünsche als Vorsätze für die Zukunft, durch welche das neue Jahr neue Menschen aus uns machen möchte. Wenn sein Schofarruf uns zurück zu unserem himmlischen Vater ruft und wir diesem Ruf folgend, uns zur Rückkehr entschließen, so ist diese Rückkehr der glänzendste, leuchtendste Fortschritt, dessen wir fähig sind. Dann werden alle Tage des uns neu geschenkten Jahres für die alte Wahrheit zeugen: „Glücklich das Volk, das die Theruah versteht, Gott, sie wandeln im Lichte Deines Antlitzes." Antisemitische Ketzereien gegen die Werkiner Schulverwaltung. Unter dem Titel „Der Verzweiflungskampf der arischen Völker mit dem Judenthum von Hermann Ahlwardt, Rektor in Berlin" ist eine 250 Druckseiten umfassende Schrift erschienen, welche ein eigenartiges Aufsehen besonders in der Berliner Lehrerschaft macht, weil sie, ausgehend von dem Rektor einer Berliner Gemeindeschule, sich in den gehässigsten Angriffen gegen die Berliner Schulverwaltung und viele in dieser thätige, einflußreiche Personen ergeht. Der Verfasser scheut sich nicht, seine eigenen delikatesten Privatverhältniffe vor der Oeffentlichkeit zu entschleiern, um gegen die Schulverwaltung Berlins unerhörte Beschuldigungen erheben zu können. „Ist der Verfasser im Stande, auch nur das Meiste von dem, was er der Schulverwaltung vorwirft, auch an maßgebender Stelle zu vertreten, so wird sein Buch auch des weitergehenden, sachlichen Erfolges sicher sein. Die bloße Taktik des Todtschweigens ist ihm gegenüber nicht möglich." Mit diesen Worten schließt die antisemitische „Kreuzzettung" eine Besprechung des Buches, welchem sie eine Bedeutung nur beilegt wegen der willkommenen Angriffe gegen die Berliner Schulverwaltung, nicht wegen des sonstigen Inhaltes, der wesentlich nur die abgedroschenen, in allen antisemitischen Versammlungen und Schriften wiederholten Phrasen enthält. Es würde nicht der Mühe lohnen, nur ein Wort zu verlieren über das ebenso traurige wie geistlose Machwerk, wenn dasselbe nicht in dem Theil, der die Lebensgeschichte des Verfassers enthält, eine solche Fülle von Angriffen gegen die Berliner Schulverwaltung brächte, daß dem harmlosen Leser der Verdacht aufsteigen muß, etwas Wahres müsse doch wohl an allen diesen Beschuldigungen sein. Der Verfasser hat seinem Buch das Motto vorausgeschickt: „Greif niemals in ein Wespennest, doch wenn Du greifst, so greife fest!" — Passender wäre der Sinnspruch gewesen: „Kühn verleumden, Etwas bleibt immer hängen!" Welche Beschuldigungen erhebt nun der Verfasser gegen die Schul- und Stadtverwaltung? — Die Berliner Volksschule sei zu einer Dienstmagd des Judenthums herabgewürdigt. Liberale Rektotoren und Lehrer würden ungerecht begünstigt, überall bevorzugt, besonders bet der Anstellung, der ein politisches Examen vorhergehe; diejenigen Lehrer, welche sich antisemitischer Tendenzen schuldig gemacht hätten, würden mit erbittertem Haß verfolgt, ja zu Grunde gerichtet, selbst die Mittel der schmählichsten Spionage, der Verführung zum Meineide u. s. w. würden zu diesem Zweck nicht verschmäht. Die Berliner Gemeindeverwaltung sei ganz und gar in Judenhände gefallen, ihre großen Einkünfte bildeten daher nur einen einzigen großen Agitationsfonds für jüdische Interessen. Sämmtliche Lehrer und städtische Beamten seien von den Juden abhängig. Wie viele Millionen bei Grundstückankäufen und Verkäufen nebenher geflossen seien, lasse sich schwer sagen; auffallend aber sei es, daß anzukaufende Grundstücke vorher häufig in die Hände von Stadtverordneten oder deren Angehörigen gerathen und dann mit ungeheurem Nutzen an die Stadt verkauft würden. Dies sei der Fall gewesen bei Osdorf, dem städtischen Viehhof, der Markthalle in der Dorotheenstraße, der Margarethenschule, dem Durchbruch der Zimmerstraße u. s. w. Welche Beweise bringt der Verfasser für seine aus der Luft gegriffenen Behauptungen? — Nicht die geringsten! Er beschränkt sich auf seine dreisten Behauptungen und auf die Erfahrungen, die er selbst und an sich selbst während seiner Amtsthätigkeit gemacht haben will; er erzählt mit einer bewundernswürdigen Unverfrorenheit die Geschichte seines Lebens und Leidens, aus der allerdings für die Berliner Schulverwaltung ein recht gewichtiger Vorwurf hervorgeht, aber nicht der von dem Verfasser gerügte, sondernder, daß die Schuldeputatton mit einer nicht zu rechtfertigenden Milde und Nachsicht dem Verfasser das Rektorat einer Gemeindeschule anvertraut hat, obgleich gegen ihn die ge-