Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 70 (4.9.1890)
- Date
- 1890-09-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1280 I Vor wenigen Wochen übergab man seine treue > I Mutter der kühlen Erde, und schon folgt, in der I Vollkraft seines Lebens, der Sohn, im tiefsten i I Schmerze seine junge Gattin, seine noch unversorgi > ten Kinder zurücklassend. Der Verblichene Pflegte i I allabendlich die Stätte, an welcher seine Mutter I die letzten Stunden verbracht, zu besuchen, erneuerte , I das Jahreslichtlein und widmete hierbei eine kurze I Zeit der stillen Andacht. Bei einem solchen Be- . I suche war es, wo ein Schlaganfall seinem Leben I ein Ende machte. I Vergebens erwarteten die Seinigen seine Heim- I kunft, nach langem, langem Harren und Forschen I I fand man ihn in der einsamen, verlassenen Wohnung > seiner verstorbenen Mutter in einem Sessel sitzend I zum ewigen Schlafe entschlummert. Wir beklagen > in ihm ein treues Mitglied unserer Religionsgescll- I schüft, einen Mann mit einem edlen, guten Herzen, ’ I stets freudig bereit mit vollen Händen Gaben auszu- I streuen. Früh Morgens und Abends spät traf man ' I ikm trotz seines anstrengenden Berufes beim Gottes- | dienst und auch die anderen Pflichten unserer hei- I ligen Religion erfüllte er auf's Pünktlichste. I Daß ferner jedes Ungemach von der schwerge- I prüften Familie, sowie von unserer Gemeinde und I ganz Israel abgewendet werden möge, das wollen > wir in den kommenden Tagen, die ja dem Gebete, > der Rückkehr und Einkehr in uns selbst gewidmet I sind, vom Allgütigen erflehen. I Berlin, 24. August. Der Frauenverein der I isr. Synagogen-Gemeinde „Adaß-Jisroel" hat heute > die Vorsteherin Frau Fanny Timendorfer I zu Grabe getragen. An der Bahre dieser trefflichen I Frau trauern außer der Familie und dem genann- I ten Verein, viele Arme und Kranke unserer Ge- I meinde, denen die Verblichene hilfreiche Stütze war. I Herr Dr. A. Berliner entwickelte in formvollende- » ter Rede ein Lebensbild der Dahingeschiedenen und I gab dem tiefen Schmerz Ausdruck, der die Seelen I Aller, die das biedere Weib kannten, ergriffen hatte. | „nBnnV mm t*v Energie im Anstreben ihrer I Ziele und Anm uth in der Ausübuug ihres schwe- I ren Berufes, zeichneten ihr Erdenwallen, pntpni, I pinx dv6, darum schauet sie mit einem lieblichen I Lächeln auf die letzte Stunde, die sie mit dem All- » Vater der Liebe vereinte." — Möge die allgemeine I Theilnahme den tiefgebeugten Gatten wiederauf- I richten. I Altona, 29. Aug. Für die Anhänglichkeit i unserer Glaubensgenossen an unser deutsches Bater- > land wird durch die folgende Notiz, die durch die I hiesigen Blätter gegangen, ein neuer Beweis ge- I liefert: I Daß es auch Deutsche gab und gibt, die schon | immer darauf bedacht waren, Helgoland für Deutschland zu gewinnen, geht jetzt aus einer bis dahin nur sehr Wenigen bekannten Thatsache hervor. Es war im Jahre 1886, als der bekannte Kaufmann Ludwig Löwenstein in Altona sich an den damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, späteren Kaiser Friedrich, mit der ergebensten Bitte wandte: Helgoland auf dem Wege des Kaufes für eine bestimmte Summe von England zu erwerben und dem Kaiser Wilhelm I. zu seinem 90-jährigen Geburtstage zu geben. Herr Löwenstein wollte den Kaufpreis durch freiwillige Beiträge in ganz Deutschland sammeln, der damalige Kronprinz sollte das Protektorat übernehmen und die Erwerbung (gestützt auf seine nahe Verwandtschaft) perfekt machen. Zum Zeichen, daß Herr Löwenstein die Sache sehr ernst nahm, sandte er eine für seine damaligen Verhältnisse namhafte Summe in dem an den Kronprinzen gerichteten Schreiben mit und bedauerte, keine größere Summe beifügen zu können. Dieses Geld kam nach einigen Wochen an den Altonaer Oberbürgermeister mit dem höflichen Ersuchen zurück, Herrn L. für sein gutes Wollen bestens zu danken, aber ihm zu sagen, daß auf diese Weise Helgoland nicht zu erwerben sei, worüber Herr L. recht untröstlich war, zumal er seinen Traum, Helgoland für Deutschland zu erwerben, nicht in Erfüllung gehen sah. Herr L., der mehrere Jahre Soldat war, glaubte, daß Helgoland als deutsche Seefeste unbezahlbar wäre und jedes Landen einer feindlichen Flotte auf deutschem Boden unmöglich mache. Herr L. schickte damals den Brief an den Kronprinzen anonym und seine Person wurde durch den Altonaer Stadtsekretär Thode entdeckt. Das Geld, welches dem Briefe beigefügt war, hat Herr L. durch den Herrn Oberbürgermeister zwei Wohlthätigkeitsanstalten überweisen lassen. B. Emden. Unter dem Vorsitze des Hauptlehrers Herrn Levy-Norden tagte am 26. und 27. d. M. im Hotel Nordheimer die Konferenz der isr. Lehrer des Landrabbinatsbezirks Emden. Es erfreuten uns durch Vorträge, die lebhafte Besprechung und großen Beifall fanden: Herr Landrabbiner Dr. Bucbholz, Herr Hauptlehrer Levy und die Herren Apt-Emden. Ausführlichen Bericht werden wir in den pädagogischen Blättern bringen. B. Osnabrück. In der Nacht vom 24. zum 25. d. M. brannte hier das Geschäfts- und Wohnhaus des Produktenhändlers Heß total nieder; das Feuer wurde aber G. L. auf seinen Heerd beschränkt. Leider hat das Feuer indirekt zwei Opfer gefordert. Es starb nämlich vor Schrecken eine christliche Nachbarin und ein Spritzenmeister, der in Ausübung treuester Pflichterfüllung vor Ueberanstrengung plötzlich todt niedersank. Ehre dem Andenken dieses braven Mannes, dessen edle That