Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 69 (1.9.1890)
- Date
- 1890-09-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Emir in feierlicher Audienz empfangen. Für die Juden Bokhara's ist es nämlich von grober Wichtigkeit, wer hier russischer Gesandter wird, da derselbe der eigentliche Regent unseres Khanats ist, indem unser Emir und dessen Minister willig alles das thun, was man in St. Petersburg wünscht. Zu unserem Glücke ist Herr Lessar ein anix, und so haben wir in ihm einen neuen -ittm am Hofe unseres Emirs gewonnen. Unsere Jeschibah, die schon auf ein Dasein von einigen hundert Jahren zurückblicken kann, hat durch die Cholera, die im vergangenen Jahre b"-> hier geherrscht, starke Einbußen erlitten und sind dadurch auch mehrere Lücken in derselben entstanden. Dieselben beginnen jedoch sich wieder auszufüllen, da nicht nur aus unserer Gemeinde, sondern auch aus unseren benachbarten Gemeinden Karschi, Taschkend, Samarkand und Khokand einige neue Bachurim eingetreten sind. Von unserer Stadt heißt es daher noch immer min nsp a-waiao h, „von Bokhara strömt das Licht der Thora aus, das allen jüdischen Gemeinden Mittelasiens die Erleuchtung bringt." Sogar aus Persien sind unlängst einige Bachurim in die hiesige Jeschibah eingetreten. Die Jeschibah ist aber auch nicht wenig stolz auf ihr Oberhaupt, unseren Muley-Azim (Oberrabbiner), Rabbi Chajim Hakohen, nmp Nöty der heule die erste talmudische Autorität Mittelasiens ist, an die man sich sogar aus Persien, Indien, Afghanistan und dem Kaukasus mit Anfragen weuoet. Von ihm kann man wirklich ohne Uebertreibuug sagen: rnrüo rroiB pvv *6, da er von zeitlich Morgens an bis in die späte Nacht »—iTinn poij/i apr ist. Gleich nach dem Schacharitgebete hält er in der hiesigen inan d"p einen Vortrag, während sich Abends die D'o^rt und sonstigen min hoi!? bei ihm versammeln, worauf er dann in der Nacht bis spät in dieselbe hinein seinen Bachurim Vorträge bält. Dabei muß er noch jeden Vormittag als Richter fungiren, während er am Nachmittag wieder über nmn und -hd'm zu entscheiden hat, die tramp prüfen muß, vnTpi r&vi zu geben hat rc. Das Oberrabbinat von Bokhara ist daher kein Ehrenamt, sondern eine wahre Bürde, mit der ein nur kärgliches Gehalt verbunden ist. Dagegen sind die Nebeneinkünfte bedeutend. Sei zwei Jahren haben wir hier fast alle Segnungen der europäischen Cultur und Civilisation. Wir haben eine Eisenbahn, eine regelmäßig fungirende Post, Kutschen, Omnibusse, eine Bank (dieselbe ist eine Filiale der St. Petersburger Bank), den Telegraph, eine Apotheke rc. Nur eine Sache fehlt uns, und das ist eine jüdische Buchdruckerei. Wir sind daher noch weiter gezwungen, unsere Chumoschim, Sidurim und sonstigen jüdischen Bücher aus Rußland zu beziehen, so daß der Preis dieser Bücher, für unsere Geldverhältnifse wenigstens, noch immer ein enormer genannt werden muß. Wer daher hier ein vollständiges d"p besitzt, wird noch heute zu den wohlhabenden Männern gezählt. Die Behörden wollen uns noch immer nicht gestatten, eine neue, große Synagoge zu bauen, und so müssen wir uns noch weiter mit den drei kleinen Bethäusern, die wir besitzen, forthelfen. Selbstverständlich genügen diese Bethäuser nicht sür unsere zahlreiche Gemeinde, die sich mit einer Menge von Minjamtm, und dies noch dazu an den hohen und höchsten Feiertagen, begnügen muß. Amerika. New-Aork, 15. August. Der „American Hebrew" schreibt: Der in Mainz erscheinende „Israelit und Jeschurun" enthält in seiner Nr. vom 24. Juli einen geistreichen redactionellen Artikel über das Wachsthum und die Wiederbelebung der Orthodoxie in Amerika, der eine Vertrautheit mit den jüdischen Verhältnissen dieses Landes bekundet, wie sie in ausländischen Blättern noch nie vorgekowmen ist. Es gibt sicherlich genug Beweise, um den aufmerksamen Beobachtern zu zeigen, daß die Orthodoxie in Amerika immer mehr an Kraft und hauptsächlich an Einsicht gewinnt. Während vieler Jahre begnügten sich die Orthodoxen mit der Bildung einzelner Chewroth, deren Gottesdienst in traurigen unangenehmen und ungeeigneten Räumen abgehalten wurde. Jetzt haben sie gelernt, wie man schöne Synagogen erbaut, um den Gottesdienst würdig abzuhalten und Rabbiner einzusetzen, die nicht nur geschätzt werden wegen ihres talmudischen Wissens, sondern sich auch allgemeinster Achtung erfreuen wegen ihrer Befähigung, religiösen Sinn zu verbreiten und auf Herz und Gemüth einzuwirken. Feuilleton. (Eitte bekannte itftelobie. Eine Erzählung von B. Hause. (Fortsetzung.) Meseritzer erhielt früh Morgens den Brief Elisens zuerst und eine halbe Stunde später auch den Carlisle's. Der letztere blieb lange uneröffnet auf seinem Tische liegen; der Brief Eliseu's ließ ihn den Inhalt desselben ahnen. Er vermochte in diesem Augenblicke seine Neugierde um so weniger rege zu machen, als die Mittheilung Eliseu's einen Sturm der Gefühle in ihm hervorgerufen hatte, welchen er bis jetzt noch nicht beschwichtigen ge-