Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 69 (1.9.1890)
- Date
- 1890-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1275 „Heb' auf, Jud!" Herr Silz zwang den Feldwebel, seine Mütze sofort selbst anfzilheben. Vor dem Kommissär Schild wurde der Feldwebel Namens Alois Denk, 32 Jahre alt, Rechuungsunterofsizier beim 86. Infanterie-Regiment, 7. Kompagnie, derzeit Rndolfskaserne wohnhaft, befragt, was ihn zu dieser Handlung bewogen. Der Feldwebel erwiederte gleichmüthig, er habe eine Affaire mit einem Juden gehabt und seither könne er Jedem etwas anthun. Der Mißhandelte ist der über 60 Jahre alte, bekannte jüdische Literat M. Weiß mann, ein tüchtiger Orientalist. Der Polizei-Kommissär verhörte alle Zeugen. Herr Silz gab hier noch einmal seinem Bedauern Ausdruck, daß dieser brutale Mensch den Ehrenrock des Kaisers trage und höchstens Trunkenheit oder Geistesstörung wären in diesem Falle eine Entschuldigung gewesen. Leider wäre keines von beiden hier der Fall. Der Feldwebel wurde von einem Zivilwachmann in die Rndolfskaserne begleitet und seinem Rcgimente übergeben, welchem gleichzeitig der polizeiliche Akr zugestcllt wurde. — Selbst in unserem arg verhetzten Wien ist dieser Akt von Roheit und Frechheit noch ohne Beispiel; cs ist eine traurige Erscheinung, wenn auch im Militärstand schon sich solche Auswüchse zeigen. Der „muthige" Feldwebel wird zweifellos strenge bestraft werden; werdet! auch die Leute, welche tagaus tagein die Moral predigen, nach welcher dieser Mensch gehandelt hat, ihr Handwerk weitertreiben, ohne daß ihnen ein Haar gekrümmt würde? Preßburg, 26. August. Der hiesige königl. Gerichtshof hat heute den Rabbinatsverweser von Ungaweiden, Emannel Winter, unter Cassirung eines früher gegen ihn erflossenen, auf sechs M onate lautenden Urtheils, blos zu einer einmonatlichen Arrcststrafe verurtheilt. Herr Winter hat nämlich ans Unkenntniß des Gesetzes einen in Wien zum israelitischen Glauben übergetretenen katholischen Staatsbürger mit einer ungarischen Staatsbürgerin ohne Aufgebot getraut. Tokaj. Melde Ihnen in aller Kürze, daß unsere Stadt mit ihren zahlreichen jüdischen Häusern und Geschäftsläden ein Raub der Flammen geworden ist. Das Elend hier unter der armen jüd. Bevölkerung ist unsagbar. Unsere Synagoge ist auch abgebrannt. Nähere Nachrichten folgen. Gr«ß Surärry, 11. August. Unsere Nachbargemeinde Neuhäusel hat einen herben Verlust durch das Hinscheiden ihres allverehrten Oberlehrers Herrn Wolf Lichtenstern yo am vergangenen Samstag 't erlitten. Der Verblichene, ein Enkel, des großen bn w"h '-> pwn, Verfasser des allberühmten Werkes „btnitr nmp" wirkte weit über 40 Jahre mit vieler Anerkennung als Mischer Lehrer. Erst fungirte er in dieser Eigenschaft in der Gemeinde Bnän, Ober-Ungarn', wo er mehrere Dezennien thätig war; vor etwa 18 Jahren wurde er von der Neuhäusler auth. orth. Gemeinde an ihre isr. Volksschule berufen, wo er in gleicher Eigenschaft in stiller Bescheidenheit zur größten Zufriedenheit wirkte, bis er seine ersprießliche Laufbahn, zum tiefen Bedauern seiner Gemeinde vergangenen tcmp ros? abschloß. — Der Heimgegangene, Schüler der alt jüdischen Schule des großen Lehrers ^x"t rpn pwn, war von alt-jüdischer Gesinnungstüchtigkeit durchdrungen, durch hervorragende Geistesgaben, durch die Rechtschaffenheit seines Charakters ausgezeichnet, war er ein vorzüglicher nun p und schrieb einen ausgezeichneten hebräischen Stil, sein ganzes Leben und Streben war dahin gerichtet, daß in der ihm anvertrauten Schule der Geist des wahren Judenthums herrsche. Der.mH, welche Sonntag 9 Uhr, Vormittags unter ungewöhnlicher Theilnahme der ganzen Gemeinde von Groß bis Klein stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten. — Die große Schaar der Freunde und Verehrer des Dahingegangenen, seine sämmtlichen Schüler hatten sich im Trauerhanse eiugefunden, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. — An der Bahre des Verblichenen hielten ergreifende Nachrufe: Die Herren Jacob Lichtenstern, Präses der auth. orth. Gemeinde zu Neuhäufel ältester Sohn des Verstorbenen, Ad. Graf, Lehrer in Bojua, Schwiegersohn des Verstorbenen, Ehrw. Herr I. T i e g e r m a u n, Rabbinats - Verweser in der orth. Gemeinde Neuhäusel. Zum Schluffe sprach (wegen Verspätung) Sr. Hoch würden der hiesige Oberrabbiner ’*j cn^s mo pnsn pwn, welcher ein treues Bild vom segensreichen Leben und den bedeutenden Leistungen des Verblichenen entwarf, am Ende drückte der verehrte Redner den Wunsch aus, daß die Gemeinde Herrn Graf, Schwiegersohn des Verstorbenen, als Nachfolger einsetzen möge. — Verstorbener hinterließ eine Wittwe und eine unversorgte Tochter; hoffentlich wird die wackere Gemeinde den Hinterbliebenen ihres sehr gewissenhaften Lehrers gegenüber ihre Pflicht voll und ganz erfüllen. — Möge das Andenken eines Mannes, der für die Entfaltung und das Aufblühen der Neuhäusler orth. Schule mit ganzer Hingebung strebte, für immer ein gesegnetes bleiben — wir rufen dem Heimgegangenen aus vollem Herzen crnn -»nsn mns wejj nn. L. E e n t r a l - A s i e n. Bokhara, 11. August. Der neue russische Gesandte am hiesigen Hofe, Ingenieur Lessar, ist hier cingetroffen und wurde auch schon von unserem