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Der Israelit · 1890-09-01 · Heft 69 (1.9.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 69 (1.9.1890)
Date
1890-09-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1274 Trier. Am 5. August feierte der hiesige israelitische Frauenverein sein hundertjähriges Stiftungsfest. Aus dem Rabbinate Fulda. Die segensreiche Wirksamkeit, die unser hochverehrter Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn '"j seit Beginn seiner Amtsthätigkeit bis zum heutigen Tage entfaltet, sein rastloses Streben min p’:nr6 zu sein und Institute zu fördern, deren Ausgabe es ist, Jünger heranzubilden, die das Volk in den göttlichen Gesetzen unterweisen sollen, find weit über die Grenzen unserer ehemaligen Provinz hinaus bekannt. Es ist geradezu rührend, zu beobachten, mit welch physischer und psychischer Kraftaufwendung unser Herr Rabbiner um das materielle Emporblühen des Berliner Rabbiner-Seminars, dem er selbst als Hörer angehörte und um das Lehrer-Seminar in Köln sich bemüht. Es würde zu weit führen, wollte man in ausführlicher Schilderung über das Wirken und Schaffen des Herrn Rabbiner Dr. Cahn sich ergehen. Zweck dieser Zeilen ist, die Aufmerksamkeit der geschätzten Leser Ihres Blattes ans einen Verein zu lenken, dessen Mitglieder es sich zur Aufgabe gemacht, min zu lernen, um mit dem auch das zu verbinden. Mehrere Lehrer des hiesigen Rabbinats wie der Kreise Eschwege und Rotenburg hatten sich mit der Bitte an Herrn Dr. Cahn gewandt, ihnen Unterricht in nrjtwa und später in vnm zu ertheilen. Daß dieser Bitte ein williges Ohr geliehen werden würde, war man sicher. Unser Herr Rabbiner '"i erklärte sich mit sichtbarer Freude bereit allwöchentlich einen tijm in Hersfeld abzuhalten. Die That folgte dem Worte.- Jeden Donnerstag versammeln sich 12—15 Lehrer in dem genannten Städtchen, um unter der bewährten Leitung des Herrn Dr. Cahn n zu lernen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Kreis der Lernenden sich bald erweitern wird. Unser Herr Provinzialrabbiner »"i veranlaßte einen edlen Menschenfreund, Herrn S. St. in C., der in heiliger Begeisterung erglüht ist für unsere rrn, für jeden der theilnehmenden Lehrer ein Mischnaexemplar mit dem wn's mNDn zu stiften. Herr Dr. Cahn '"2 that noch mehr. Die den Lehrern erwachsenden Reisekosten sind nicht unerheblich. In Würdigung der Verhältnisse hat Herr Dr. Cahn '"j Fürsorge getroffen, daß den Lehrern ein Zuschuß zu den qu. Kosten gewährt werde. Ob dies in der Folge für immer geschehen kann, ist bei den vielen Opfern, die an den Herrn Rabbiner '"3 gefordert werden, wohl zweifelhaft. Wir, die wir so glücklich sind, uns an den betreffenden nyv betheiligen zu können, rufen unserem allverehrten Rabbi und Lehrer ein pBNi pin zu, verbunden mit dem Wunsche 'rt obw nnbw htoivd »nni und dem heiligen Versprechen, daß wir in unserem Streben nun zu lernen nicht erlahmen werden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 26. August. Ein Akt unerhörter Roheit wurde gestern Nachmittags in der Kohlmcssergasse, Ecke der Rothenthurmstraße, begangen. Drei polnische Inden in ihrer bekannten Tracht kamen des Weges, in der Mitte ein Mann ehrwürdigen Alters niit weißem Bart- und Haupthaar. Da trat an ihre Seite ein Soldat, ein Feldwebel des 86. Infanterie-Regiments, und nachdem er sie zuerst geringschätzig gemustert hatte, stellte er sich ihnen in den Weg und fragte den Alten: „Bist Du ein Jud'?" Der Alte, etwas konsternirt, antwortete lächelnd, mit fast unterwürfiger Freundlichkeit: „Jawohl mein Herri" Auf diese Worte hin hob der Feldwebel die Hand und versetzte dem Greise zwei Schläge in das Gesicht. Der Alte taumelte zurück und preßte die Hände gegen die Augen . . . Diese Szene spielte sich so rasch und so unerwartet ab, daß die wenigen Zuseher aus der Straße im Augenblicke nicht daran dachten, den Feldwebel, der sich entfernen wollte, anzuhalten. Ein Herr jedoch, der zufällig von einer Trafik aus den kurzen Wortwechsel und die folgende Handlung des Soldaten beobachtet hatte, stürzte auf diesen zu und faßte ihn in größter Erregung über deffen Brutalität an der Gurgel. „Wie können Sie es wagen, der Sie des Kaisers Rock tragen, eine solche Niederträchtigkeit zu begehen?" rief ihm der Frcmde zu, ein Berliner, der erst kurze Zeit hier weilt. Der Soldat anwortete ihm mit Grobheit; er wurde jedoch festgehalten und einem Wachmann übergeben. Der Wachmann fragte den Feldwebel um sein Nationale und wollte ihn dann freigebeu. Der Berliner, Herr Ch. S. Silz, jedoch sagte zu dem Wachmann: „Ein Mann, der eine so schändliche Handlung begeht und einen alten Mann schlägt, kann auch einen falschen Namen angeben. Bringen Sie ihn zur Wache, ich gehe mit!" In der That gab der Feldwebel erst aus das zweite dringende Befragen des Wachmannes seinen richtigen Namen an. Um die handelnden Personen hatte sich mittlerweile ein Ring von hunderten Menschen geschlossen. Der Wachmann Fischer erklärte gemäß der Aufforderung des Herrn Silz, daß der Soldat, der mißhandelte Alte und die Augenzeugen ihm zum Polizei-Kommissariat zu folgen hätten. Der ganze aufsehenerregende Zug begab sich nun nach dem Schotteuring, zum Stadttommifsariat. Innerhalb der Räume desselben kam es noch zu einem Zwischenfalle. Die Parteien mußten einige Zeit aus dem Korridore warten, bevor sie vor den Kommissär geführt wurden. Da riß der Feldwebel seine Mütze vom Kopf, warf sie auf den Boden hin und rief dem Alten zu:

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