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Der Israelit · 1890-08-28 · Heft 68 (28.8.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 68 (28.8.1890)
Date
1890-08-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1250 obgleich all dies im Verhältnisse zu seiner Große nur ein verschwindender Sandkorn, warum sollte er den noch kleineren Sandkorn, den Menschen, nicht für würdig erachten, um seine Lebensgeschicke zu leiten? In der strengen Religiosität des Dahingeschiedenen liegt aber auch der beste Trost für die Zurückgebliebenen. Wer so gelebt, der ist reif zur Seligkeit, ausgekämpft hat er den Kampf des Lebens und ist eingegangen zum ewigen Frieden bei seinem himmlischen Vater. Nicht ein blindes Geschick hat ihn weggeführt, der himmlische Vater hat ihn zur Seligkeit berufen, in deren Vollgenuß er ewig lebt. Und Ihnen, den Zurückbleibenden hat er ein theueres Vermächtniß zurückgelaffen, das Vermächtniß seiner Frömmigkeit. Handeln Sie pietätvoll gegen ihn! Ich meine nicht jene Pietät, die im Niederlegen schöner Blumenkränze auf das Grab des Entschlummerten besteht, nicht jene, die wähnt im Errichten einer schönen rnSD das Höchste geleistet zu haben. Ach nein! Die Blumen verwelken, die Marmorsteine vermögen auch nicht ewig dem nagenden Zahne der Zeit Widerstand zu leisten. Und wenn auch der Dahillgeschiedene bei Lebzeiten Gefallen an solch' Aeutzerlichleiten gehabt hätte, jetzt, da sein irdischer Theil zum Staube wird und nur sein Geist fortlebt in den höheren Regionen der Wahrheit, würde er sicherlich tief enttäuscht und tief erröthct sein Antlitz von seinen Theueren hinweg wenden, sollten diese ihn durch vergängliche Nichtigkeiten ehren wollen. Handeln Sie pietätsvoll gegen den Dahingeschiedenen, indem Sie in seinem Geiste wandeln. Heute noch, bevor der Schmerz, den Sie ob seines Verlustes empfinden, gelindert, fassen Sie den Entschluß, geloben Sie es sich, bei Ihren künftigen Unternehmungen sich stets die Frage vorzulegei», was würde unser theurer frommer Vater dazu gesagt haben, und nur wenn >Lie mit ruhigem Gewissen diese Frage bejahen können, nur dann thuen Sie es, sonst aber, im Hinblick auf ihn, den Sie auch nach dem Tode zu verehren verpflichtet sind — unterlassen Sie es. Errichten Sie ihm ein Denkmal, das dauernder ist als von Stein und Erz, ein Denkmal in der Tiefe Ihres Herzens und prägen Sie ihm die Inschriften echter Frömmigkeit und strenger Religiosität auf. Was würden Sie nicht gegeben haben, um den theueren Dahingeschiedenen am Leben zu erhalten? Alles, Alles. Nun es steht noch heute in Ihrer Macht, Sie sind sein Fleisch und Blut, durchdringt Sie auch sei» Geist, er ist dann nicht gestorben, er lebt in Ihrer Mitte fort und es erfüllen sich an ihm die Worte des Psalmisten: HNT 7'N 7>i-r bvD dS P’iD tw. Die Frommen gehen von einer Kraftwirkuug zur andern über, selbst wenn sie schon vor Gott im himmlischen Zion erschienen sind. Amen. Rabbiner Dr. Jung. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 9. Aug. Der kürzlich verstorbene Herr I. L. Weinberg hat mit einem Kapital von 20,000 fl. drei Stiftungen zu Gunsten jüdischer Studircnder au der hiesigen Universität lctztwillig hinterlassen. Wien, am 20. August. Anläßlich des großen SöngersesteS wurden namentlich einige Ausländer besonders bejubelt. Es waren meistens unsere Glaubensgenossen, so z. B. Herr Fischer, Vorstand des „Philadelphia-Gesangvereines", ein geborener Wiener, Herr Löw aus Chicago, Herr N e u ln a n n aus Lodz in Rußland Auch die Sänger aus Petersburg, Bukarest, Constantinopel, New- Orleans waren jüdischer Confessiou und haben sich durch ihre Leistungen besonders ausgezeichnet. Wien. Die destructiven Tendenzen der Antisemiten fanien in einer der letzten Sitzungen des Wieuer.Gemeindcrathes zu derart frivolem Ausdruck, daß angesichts dieser beschämenden Thalsache ein jeder, deni das Gedeihen und die Entwicklung der Stadt Wien am Herzen liegt, vom tiefsten Bedauern erfüllt wird. Einem diesbezüglichen Berichte des „Neuen Wiener Tagblalt" entnehmen wir folgende bezeichnende Stelle: Die hinlänglich bekannte inhumane Gesinnung der Antisemiten hat sich wieder durch einen für diese Herren bezeichnenden Vorfall erwiesen. Herr Dr. Coeu will einen Curs für arme stotternde .Kinder unentgeltlich entrichten und ist zu diesem Behufe bei dem Gemeinderathe um Zuweisung eines Zimmers in einem städtischen Schulgebäude eingeschritten. Statt Dank und Anerkennung zu finden, wird Dr. Coen schon im Vorhinein, nur aus dem Gruude, weil er ein Jude ist, mit Verdächtigungen begeifert und geradezu beschimpft. Einer der antisemitischen Redner bezeichnet den Arzt, der ein humanes Werk beginnen will, als „Streber", ein Gesinnungsgenosse unterschiebt ihm direkt „ordinäre Reclame" und ein durch seinen Fanatismus bekannter antisemitischer Wortführer macht den confusen Witz, daß die Kinder nach Besuch dieses Curses vielleicht nicht mehr stottern, aber gewiß mauscheln würden. Die Majorität des Gemcinderathcs hat zwar trotz des Widerspruches der Antisemiten dem genannten Arzte ein Schnlzimmer überwiesen, aber es bleibt immerhin unsäglich traurig und beschämen^ für den Gemeinderath, daß eine Agende, welche lMt- Humanitären Standpunkt benrtheilt zu werden ver--. dient, zu derartigen Ausbrüchen stupiden HassA Veranlassung geben kann. Welche Meinung wird man im Auslande von dem Bildungsgrade der Wiener Stadtväter erhalten! Prestburg, 25. Aug. Nach mehrmonatlicher, in Wien, Malerka und Preßburg geführten Untersuchung hat Staatsanwalt Otto v. Devan vor wenigen Tagen in Angelegenheit der bei der Marchbrücke nächst Dürnkrut erfolgten Ermordung des siebzigjährigen Landhaustrers Salomon Böhm ans Gairing, seine Anklage erhoben. Die Anklage richtet sich gegen die Gairinger Insassen Michael Schwabenszky, Stefan Dojcsük und Michael Walk und lautet auf Raub und Todtschlag. Die Untersuchung hat feftgestellt,daß Walk derjenige gewesen, der den a lt en Mann mit dessen eigenen Taschentuch erdrosselte und dann mit Steinen beschwert in die March versenkte, während ihm die beiden anderen hierbei behilflich waren. Die

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