Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 68 (28.8.1890)
- Date
- 1890-08-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. Erste Beilage?»M 68 des Israelit & 3eftf|itrun“ Litterarischer Wericht. inp wipD, Festreden für Israeliten auf alle Feste des Jahres von S a l o m o n P1 e ß n e r, herausgcgeben von Dr. Elias Pleßner, Frankfurt a. M. Ka uff mann. Man kann dem Sohne des verewigten N. Salomou Pleßner V'sn nur Dank zollen, daß er den Nachlaß seines großen Vaters der Mit- und Nachwelt zugängig macht. Zählt doch Salomon Pleßner zu den hervorragendsten Männern der allerjüngsteu Vergangenheit, die zur Erhaltung und Förderung echt jüdischen Geistes und jüdischen Lebens Bedeutendes geleistet. Salomon Pleßner war der wahre Volkslcyrcr und Volksredner. Er verzichtet auf das Amt eines Rabbiners und suchte und fand eine reiche gesegnete Wirksamkeit lediglich durch das Wort der Lehre, Ermahnung und Anregung. Er war der Ersten Einer, die dieses Wort in rein deutscher Sprache zum Volke redeten, vielleicht der Allererste, der als Repräsentant der modernen orthodoxen Kauzelberedfamkeit zu gelten hat. Seine Reden zeichnen sich vor Allem durch die innige Erfassung der heiligen Schrift, des Talmud und des Juden rhums überhaupt aus. Sie verschmähen die Phrase und bieten überall reiche wissenschaftliche Erkenntuiß. Einfachen, ungekünstelten Ausdrucks sich befleißigend, führen sie in die Tiefe des Gottesworts und der rabbinischen Lehren, vermitteln sie das Verständniß für die Gebote, Satzungen und religiösen Gebräuche des Judeuthums und wissen zur Erfüllung der jüdischen Pflichten Herz und Gemüth zu begeistern. Die Construction der Reden ist durchweg klar und correct, mit vieler Sorgfalt entworfen. Mag auch Manches uns etwas veraltet erscheinen, Pleßner darf dennoch als ein Meister den Kanzelrednern der Gegenwart zum eifrigen Studium dringend empfohlen werden; sie können an seinem Beispiel sowohl den Aufbau einer Rede ftudiren, wie inbesondere die Behandlung des Stoffs. Der vorliegende Band enthält 20 Reden über die Feste und reihen sich den von dem Herausgeber früher veröffentlichten würdig au. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mannheim, 26. Aug. Vergangene Woche schied Herr Herrmann Stern, ein streng religiöser Mann, aus diesem Leben. Ich widmete demselben einen Nachruf, in welchem ich unter Zugrundelegung der Worte und der vorwöchcutlichcn Siorah: yxb p p? p p mb ni p "an *]oo Nb2’ *3 n '-! -m "«sw DipDn 78 rv7j?i nDpi *pj?tsa nnn nsi ungefähr Folgendes aussührte: Der Glaube, daß Gott nicht bloß onnn ’pi^N ein Gott der Berge, der epochemachenden Erscheinungen des Lebens ist, sondern auch ein Gott, der sich um die in der Niederung des Lebens vollziehenden Geschehnisse bekümmert, ist eine starke Schutzmauer unseres Lebens. Neißen wir diese Schutzmauer ein, unser Dasein zerfließt im reißenden Strom der Vergänglichkeit. Besonders in Momenten trüber Stimmung, wo die Erinnerung an die frohe und glückliche Vergangenheit völlig erloschen ist und der Mensch nur das denkt und fühlt, was ihn augenblicklich drückt, wirkt dieser Glaube ganz wunderbar auf unser Gemüth. Wohl besieht häufig scheinbar ein Widerspruch zwischen den Lebensgeschicken so mancher Menschen und der Lehre von einer gütigen Vorsehung und läßt sich der Lebensgang der Menschen nicht immer in Einklang bringen mit der Lehre von der liebevollen nruitfn rrcne Gottes, dies ist jedoch nur scheinbar, denn mit dieser Lehre verhält es sich so wie mit allen Lehren der Wahrheit, sie haften nicht an der Oberfläche, sie müsien in der Tiefe gesucht werden. Um einen Ausgleich zwischen dem Lebenslauf eines Menschen und der Lehre von der liebenden Fürsorge Gottes zu finden, muß man in das Innere des Lebens schauen und mit einem Blicke alle seine Segnungen und Aeußerungen überblicken können, was die Natur des menschlichen Wissens übersteigt. „Wenn Dir im Gerichtsverfahren Gottes, in Seiner Lenkung der menschlichen Geschicke Manches auffallend erscheinen sollte, mag sich dies auf das allzufrühe Absterben, die rapide Verschlechterung der Vermögensverhältnisse eines streng religiösen Mannes oder die Schicksalsschläge, von welchen dessen Haus betroffen wurde, beziehen, so gibt es gegen Verzweiflung nur ein bewährtes Mittel, stehe auf und erhebe Dich zu jener Höhe, die Gott erwählt, erhebe Dich auf den Standpunkt wahren Glaubens und Du findest Trost und blickest hoffnungsvoll der Zukunft entgegen." Wir sollen es glauben, daß Gott unsere Geschicke leite, aber wir können es auch begreifen und verstehen, run ’3 nc’y ntsny irr» nn d~n7 tjdi nn tom onn "irrr niioy '1 pN T1Ö3 by "Om. „Siehe", ruft der Prophet: „Gott erschuf die Berge und den Wind, verkündete dem Menschen, was er spricht, macht Morgen- und Abenddämmerung, schreitet einher auf den Höhen der Erde msos '“i ist sein Name." In den gewaltigen und großartigen Naturerscheinungen erkennen wir die Allmacht Gottes, da leuchtet es unserem Verstände ein, daß im Hintergründe der Erscheinungen die göttliche Urkraft stehe, das Entstehen der Berge, der Morgen- und Abenddämmerung nöthigt uns eine Huldigung Gottes ab. Warum nun die göttliche Leitung in den Geschicken der Menschen nicht anerkennen wollen? Sollte etwa die Natur würdiger eines Gottes sein, als.der Mensch, dessen Geist die ganze Natur durchdringt? DipD P3 .inurojy nrw otsr rrnpn i>w ipru nsid niw In maä)ÜQen Naturerscheinungen oder in epochemachenden geschichtlichen Umwälzungen erblickst Du die Größe Gottes, merkst, daß solch' Großes eines Gottes würdig sei. Du bist im Jrrthum, dieses Große ist nur für Dich groß, in den Augen Gottes ist es klein und es bedurfte auch hierzu eine Herablassung Gottes, und wenn der unendliche Gott die Natur und die ganze Menschheit seiner Aufmerksamkeit würdigt,