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Der Israelit · 1890-08-28 · Heft 68 (28.8.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 68 (28.8.1890)
Date
1890-08-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1251 Schlußverhandlung findet im Laufe des Monat September vor dem hiesigen Gerichtshof statt. M. Brody (Galizien). Herr I. Werber, Redaeteur des nayn ist leider seine i Leiden erlegen. Zugleich mit seinem Circular, in welchem er in rührender Weise seine Leser um Entschuldigung bittet, daß er seiner Krankheit halber das Blatt nicht weiter herausgeben könne, erhielten wir seine Todesanzeige! Möge der Lenker aller Geschicke die trauernde Familie trösten. n"3i»n. England. London Anläßlich des Vorwurfs, daß die Israeliten dem Ackerbau abgeneigt seien, veröffentlicht die „Times" Auszüge aus den Tagebüchern Sir Moses Montcfiorcs, in welchen dieser Philantrop auf Wunsch des Kaisers Nikolaus diesen Vorwurf zu widerlegen versuchte. Es geschah dies bei Gelegenheit seiner Reise nach Petersburg im Jahre 1846. Er legte seine Ansichten in drei Denkschriften nieder, die dem Zaren durch den englischen Botschafter Lord Bloomfield überreicht wurden. Drei Vorwürfe werden darin berücksichtigt: erstens, daß die Israeliten ein müßiges Leben der Arbeit vorzögen und daher den Ackerbau haßten; zweitens, daß sie die russischen Bauern durch Verkauf von Spirituosen aus Haus und Hof trieben; und drittens, daß sie an der Grenze Schleichhandel betrieben. Den letzteren Vorwurf ließ Montefiore aus sich beruhen; wenn er begründet sei, möge Se. Majestät die Missethäter mit der ganzen Strenge des Gesetzes heimsuchen. Daß die Israeliten aber dem Müßiggang huldigten, bestreitet Montefiore in jeder Beziehung. Sie arbeiteten, wo und wann sie Gelegenheit fänden, als Schmiede, Schlosser, Glaser, Schuhmacher und Schneider, und mit großem Danke hätten sic die Erlaubniß, Steine zu klopfen, entgegengenommen. Die Bauern aber hätten sie so wenig ausgesogen, daß, als sie vom Lande nach den Städten vertrieben wurden, sie dort als Bettler anlangten und sofort ihren Glaubensgenossen zur Last sielen. Den Bauern waren sie im Gegentheil von größtem Nutzen, denn sobald sie auswanderten, waren die Bauern hilflos und vermochten sich nicht einmal das nöthige Saatkorn zu verschaffen. Auf den Ackerbau möchten sie sich gern verlegen, wenn dies anginge. Im Jahre 1835, als ein kaiserlicher Ukas ihnen den Ackerbau freigab, zogen Viele nach den entlegensten Theilen des Reichs, um ihn auszuüben, so nach Tobolsk und Omsk in Sibirien, leider aber wurde ihnen bei ihrer Ankunft nach vielen Mühsalcn dort klar gemacht, daß das Land nicht von Israeliten bearbeitet werden dürfe. Eben-! so erging es Anderen, die 1840 nach Cherson aus- I wanderten. Und 1844, als sie wiederum auf den Ackerban hingewiesen wurden, wandten sich Viele mit Bittschriften an die Regierung, wobei sie sich erboten, die Kosten aus eigenen Mitteln zu bestreiten; aber als Kronland zum Verkaufe angeboten wurde, ließ man die Israeliten als Käufer nicht zu. Montefiore gibt zu, daß die jahrhundertelange Verfolgung den Juden einen Charakter in den Augen' der Russen gegeben, den sie in Wirklichkeit nicht besäßen. Se. Majestät brauche ihnen nur gleiche Rechte mit den übrigen Unterthanen zu bewilligen, und sie würden sofort andere Menschen werden. Als Empfehlung fügt Montefiore hinzu, daß die Juden ziemlich frei von größeren Verbrechen seien und nie an Anschlägen gegen die Obrigkeit Theil genommen hätten. Egypten. Alexandrien. Herr Moses Bchor Aghion, der Chef eines großen Bankhauses, ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Eine Reihe von Jahren war er Ehrenpräsident der hiesigen jüdischen Gemeinde gewesen. Ein treuer Anhänger der jüdischen Religion, hatte er der Gemeinde ein Gebäude zur Errichtung einer Talmud-Thora-Schule geschenkt, in welcher die Kinder der Armen auf seine Kosten unterrichtet wurden. Nicht minder war er wohlthätig im Geheimen; durch seinen Tod hat nicht nur die Gemeinde einen schweren Verlust erlitten, sondern namentlich auch die Wittwen und Waisen einen fürsorglichen Beschützer und Vater. n":)2Hn. Amerika. New-Aork, im Aug. Der kürzlich verstorbene Vorsteher der vereinigten russisch-polnischen Gemeinde, Herr Henry Jack, hat 4000 Doll, für die hiesige Talmnd-Thora-Schule, 3000 Doll, für die hiesige „Ez-Chajim" und 2000 Doll, für palästinensischjüdische Zwecke hinterlaffen. Aus Hessen. Es wird die gesch. Leser Ihres Blattes gewiß intereisiren, zu erfahren, welch' erfreulichen Aufschwung neuerdings das Lehr- und Erziehungs-Institut zu Pfungstadt genommen hat. Bon allen Ländern, beionders aus Rußland, England, Oesterreich, Belgien und der Schweiz strömen der Anstalt neue Zöglinge zu, die neben ihren zahlreichen deutschen Kameraden hier ihre Erziehung und wissenschaftliche Ausbildung finden und sich unter der sorgfältigen, liebevollen Leitung des Direktors, Herrn Dr. Barnaß, in jeder Beziehung recht gut entwickeln. Die wackere Anstalt sei hiermit allen Denen auf's Wärmste empfohlen, die ihre Kinder im angenehmen Familienverkehr unter strenger, aber liebevoller Aussicht und religiöser Unterweisung zu tüchtigen, gebildeten Menschen wollen heranwachsen sehen. Briefkasten der Expedition. Dankend erhalten von Herren: L. Braunschweiger's Wwe. Mk. 8.20, Jnles Bloch, St. Zmier, Frs. 2.65.

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