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Der Israelit · 1890-08-28 · Heft 68 (28.8.1890) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 68 (28.8.1890)
Date
1890-08-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1248 zu thun. Briefwechsel und Zusammerlkünfte können und brauchen zwischen uns nicht statt zu finden; denn meine Eltern werden wachsam sein und das zu verhindern wissen. Ich bleibe Ihnen auch ohne dieses sicher und werde, wenn es Zeit ist, nicht verfehlen, Ihnen Nachricht zukommen zu lassen. Standhaftigkeit führt zum Ziele! Bleiben auch Sie darum fest in der Liebe zu mir und gestatten Sic mir, daß ich Ihnen gegenüber, unter GegenseitigkeitsbewMgung, fernerhin von dem unter sich einander Angehörenden üblichen vertraulichen „Du" Gebrauch mache und die Versicherung gebe, daß ich lebenslänglich fein und bleiben werde Deine Dich innigst und treu liebende Elise Carlisle." Sie schloß diesen Brief in ein Couvert, schrieb die Adresse daraus, versah ihn mit einer Freimarke und legte sich dann ruhig zu Bette, mit dem Entschlüsse, ihren Eltern nicht durch trübe Mienen das Leben zu verbittern, sondern ruhig und gefaßt zu fein und die weitere Entwickelung ihrer Herzensangelegenheit vertrauensvoll der Vorsehung zu überlassen. Des Morgens stieg sie zeitig auf, bevor die Eltern erwacht waren, zog über ihr Morgenkleid einen Regenmantel an, um sich nicht zu erkälten, setzte einen Hut auf, steckte den Brief in die Tasche und begab sich in den hinter dem Hause befindlichen Garten. Dem Dienstpersonal fiel dieses nicht im mindesten auf, da sie es an Elise gewohnt waren, daß sie bei trockenen! Wetter oft in früher, wenn auch kühler Morgenstunde in träumerischen Gedanken im Garten auf und ab wandelte. Der heutige Morgen war zu solchem Spaziergange besonders einladend. Es wand sich eben aus dem Schooße der Nacht ein prächtiger, hellleuchtender Herbstmorgen empor, während fast lauwarme Südluft die Blätter der Bäume sanftkosend berührte, als wolle sie ihnen den Kummer über ihr beginnendes Da-! hinwclken wcgschmeichelu. Elise hatte den Schlüssel zu der in der Mauer befindlichen Ansgangsthüre des Gartens zu sich gesteckt. Diese mündete in eine Straße, in welcher sich in allernächster Nähe ein Briefkasten befand. Dahin begab sich jetzt Elise, warf den Brief in den Briefkasten und kehrte wiej der tu den Garten zurück, in welchem sie noch einige I Zeit gedankenvoll auf- und abwandelte. Dann? kehrte sie in das Hans zurück und trat, nachdem sie! Mantel und Hur in ihrem Zimmer abgelegt hatte, j in das Wohnzimmer ein, in welchem die Eltern! bereits anwesend waren und eben der Kasfeetisch I bereitet wurde. | Sie ging mit freundlichem Angesichte auf die j Eltern zu, als ob nichts vornefallen wäre und j reichte ihnen die Hand zum Morgengruß". Der! Vater zeigte sich sehr unfreundlich, wies ihre Hand zwar nicht zurück, berührte sie aber nur mit seinen Fingerspitzen, ohne seine Tochter anzusehe»; die Mutter hingegen ließ in ihren! Benehmen keine Veränderung wahrn eh men. Der Brief, welchen Carlisle an Meseritzer geschrieben, hatte folgenden Inhalt: „Herr Meseritzer! Ich sende Ihnen anbei das Ihnen noch zukommende Honorar für den meiner Tochter ertheilten Unterricht; eine Fortsetzung desselben wird nicht gewünscht. Sollten Sie etwa der Ansicht sein, uns einen Abschiedsbesuch machen zu müssen, so theile ich Ihnen mit, daß wir denselben als bereits geschehen ansehen und Ihre Bekanntschaft mit meinem Hanse als beendet betrachten. S. Carlisle." (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschunm" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch ÖCU Altchhlttl-el?U bestehen bei G. <F. Sleinacker, Leipzig, Dvszptatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Sprüche der Bäter. — Zur Lage der Juden in Rußland. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Alain;. Gailingen. Hannover. Burgpreppach. Aus Thüringen. — Oesterr. Ungar. Monarchie: Wien. Grätz. Graz. — Frankreich: Paris. ,— England: London. — Italien: Spc-zia. — Türkei: Salonichi. — Amerika: Montreal. — Feuilleton: Eine bekannte Melodie. Inhalt der ersten Beilage: Lilerarischer Bericht.— Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Mannheim. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Preßburg. Brody. — England : London. — Egypten: Alexandrien. — Amerika : New-?)ort. Inhalt der zweiten Beilage: Feuilleton: Reisebriefe aus der Schweiz. Inhalt der belletristischen Beilage: Heinr. Rickert (mit Abbildung). — Zur Erinnerung an eine edle sächsische Königin. — Zur Charakteristik Friedrich Wilhelms I. von Preußen. — Verschiedenes. Inhalt der Extra-Beilagen: Spenden-Berzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" n. „Ieschnrun", Schollst». Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Ioh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu fünf Beilagen.

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