Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 68 (28.8.1890)
- Date
- 1890-08-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1247 mit der Zuteilung von Brod, Kartoffeln und Gemüse zu thun. Was war da geboten für einen Penny! Da brauchte Keiner zum zweiten Male zu verlangen; während des Vertheilens wurden freundliche Worte mit den armen Empfängern gewechselt, gewiß die beste Würze eines solchen Muhles. Ausgeübt als ein Ausfluß wahren inneren Bedürfnisses, werden Wohltliaten dankbar entgegengcnommen; dann allein verlieren sie die Härte, welche sich so leicht an sie knüpft. Italien. Spezzia. Der dahier verstorbene Signor As coli hat eine Million Lire zu wohlthätigeu Zwecken hinterlasscn. T ü r k e i. Salonichi. Josef Effendi Krieger, Gencraldircctor der politischen Angelegenheiten dahier, wurde vom Könige von Italien mit dem ital. Kronenorden decorirt. Herr Krieger war in früheren Jahren Sekretär des Gouverneurs von Jerusalem gewesen; er ist in Ungarn geboren. Amerika. Montreal. Baron Hirsch hat der hiesigen hebräischen Wohllhätigkeitsgesellschaft 10,000 Dollar mit dem Versprechen weiterer Unterstützung geschickt, damit mit dieser Summe dahier ein Heim für jüdische Einwanderer errichtet werde, in welchem diese Aufenthalt finden, bis sie Arbeit erlangt. Auch Handwerker sollen zeitweilig daselbst Aufnahme Eine vvlrnttnto MelaHe. Eine Erzählung von B. Hause. (Fortsetzung.) Elise schellte dem Kammermädchen, damit dieses das Thecgeschirr Hinwegräume und die Fenstervorhänge herunterlasse. Sie sagte dem Mädchen, daß sic müde sei und sich bald zu Bette legen werde. Nachdem dasselbe aber das Zimmer verlassen hatte, schloß sie ihre Zimmerthür ab, holte ihre Schreibmappe nebst Tinte und Feder herbei, setzte sich an den Tisch und schrieb Herrn Meseritzer folgenden Brief: „Hochgeehrtester Herr Meseritzer; Sie werden sich wundern, daß ich cs wage, mich brieflich an Sie zu wenden,' noch mehr aber wird Sie der Inhalt dieses Briefes in Verwunderung, ja vielleicht sogar in ein befremdetes oder, was noch schlimmer für mich wäre, in mißbilligendes Erstaunen setzen; aber ich glaubte es, selbst auf diese Gefahr hin, nicht unterlassen zu dürfen, Ihnen von einem in unserem Hause vorgefallencn Ereignisse Kenntuiß zu geben, dessen Folgen Sie sicher auch sehr unangenehm berühren werden und dieses nm so mehr, je unerklärlicher sie Ihnen ohne diese meine Mittheilnngen vermuthlich bleiben würden. Sollte aber in diesem Briefe neben dem Unangenehmen, das er berichtet, sich auch Manches vorfindcn, das im Stande wäre, in Ihrem Herzen freudigen Gefühlen und liebevollem Widerhalle zu begegnen, so würde das für mich ein Grund sein, froh und glücklich aufzujauchzen und die Stunde zu segnen, welche mir jetzt die Feder in die Hand gedrückt hat. Doch zur Sache. In vierzehn Tagen werde ich, so Gott will! in mein siebenzehntes Lebensjahr eintreten. Meine Eltern beabsichtigen diesen meinen Geburtstag durch ein großes Festessen zu feiern, zu welchem die gesammte Geldaristokratie New-Aork's geladen werden soll. Es bedeutet dieses meine Einführung in die große Gesellschaft, mit welchem Akte in der Regel so nmnche, leicht zu errathende Nebenabsichten verbunden sind. Sie beabsichtigten, Sie aufzufordcrn, nach aufgehobener Festtafel zu erscheinen, nm mit mir gemeinschaftlich die Gesellschaft durch Musik und Gesang zu unterhalten. Ich wollte hierein nur willigen, wenn Sie auch zur Tafel geladen würden; meine Eltern wollen sich hierzu nicht verstehen, weßhalb auch ich auf das allerentschtedenste meine Mitwirkung versagte, ja, sogar mein Erscheinen bei der Festlichkeit für unmöglich erklärte. Ich könnte cs nicht ertragen, Sie, theuerster Herr Meseritzer! so geringschätzig behandelt zu sehen! Es kam dadurch zwischen meinem Vater und mir — meine liebe Mutter verhielt sich schweigsam! — zu einem heftigen Auftritte. Im Laufe desselben erklärte ich frei und offen, daß ich, was Sie sicher ja schon lange wissen, Sie liebe und daß ich nie einem Andern angehören wolle, als Ihnen. Ich glaube nicht fehl zu gehen, wenn ich hoffe, mich hierin mit Ihnen in Uebereinstkmmung zu befinden und mich Ihrer Gegenliebe versichert halte. Mein lieber Vater gerieth durch meine Worte in heftigen Zorn, und ich werde mich wohl Ihres ferneren Unterrichtes, zu meinem herzlichen Bedauern, nicht mehr erfreuen dürfen; ich werde aber fest und ohne Wanken in meiner Liebe zu Ihnen beharren und bitte Sie, auch dieses Ihrerseits mir gegenüber i i i i