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Der Israelit · 1890-08-28 · Heft 68 (28.8.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 68 (28.8.1890)
Date
1890-08-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1246 miethet hat, ohne irgend einen triftigen Grund förmlich auszuweisen und demselben in beleidigender Weise den Stuhl vor die Thüre zu setzen. Die Willkür und Gewaltthätigkeit ist um so ärger, wenn dieser Wirth iu deni Orte eine Art Monopol genießt und wenn es sich um einen Gast handelt, der leidend ist und dem der Aufenthalt in dem betreffenden Orte durch den Arzt vorgeschrieben wurde. Da sollte denn doch die Gemeindebehörde, der als Localpolizei die Aufsicht über den Betrieb der Gasthäuser zusteht, ein Wort mit dreinreden und dem Herrn Wirth den Standpunkt, den er seinen Gästen gegenüber eiuznnehmen hat, klar machen. Solche scandalöse Folgen hat die antisemitische Hetzerei, durch welche nur Gemeinheit und Rohheit in eine früher anständige und friedfertige Bevölkerung getragen wird. Die Besitzer öffentlicher Etablissements, die sich von diesen professionellen Hetzern terrorisiren und als Werkzeuge mißbrauchen lassen, werden die Folgen dessen bald in ihren Geschäften zu spüren bekommen, indem solche Orte in Zukunft jeder anständige Mensch, ob er nun Jude sei oder nicht, meiden wird. Frankreich. Paris, 24. August, orn miea >6 Ich habe Ihnen die betrübende Nachricht vom Ableben des Direktors des hiesigen Rabbinerseminars, Herrn I. Trönel, mitzutheilen. Derselbe starb nach längerem Leiden vergangenen Donnerstag im Alter von 67 Jahren. Seit 34 Jahren nahm er die erwähnte Stelle ein. Derselbe erfreute sich des Rufes eines tüchtigen Talmudisten und genoß seine Ausbildung bei dem berühmten Talmud-Gelehrten Wt rmyo rmo 'n. Am verflossenen Freitag Nachmittag wurde dessen irdische Hülle unter dem Geleite seiner zahlreichen Verehrer und Schüler der Erde übergeben. Es fand vorher in der Synagoge des Seminargebäudes eine Trauerfeier statt, wobei Herr Zadok Kahn, Grand-Rabbin, vor der Bahre des Verblichenen die Trauerrede hielt. Derselbe gab in kurzen Umrissen eine Biographie lownö und hob dessen bedeutendes Wissen, dessen Tugenden und Gewissenhaftigkeit hervor. Auf dem Friedhofe sprachen Herr Abraham Kahn, Unter - Director des Seminars, drei andere Rabbiner und ein Schüler der Rabbinerschule, die Leistungen und Verdienste des Verstorbenen schildernd. Wer wird nun Mpv sein?" Die Lösung dieser Frage ist von größter Wichtigkeit für die Zukunft des französischen Judenthums. Paris. Der österreichische Reichstagsabgeordnete Superintendent Dr. Haase ist in Paris eingetroffen, um Beiträge für den Bau eines Hospitals in Teschen (Oesterreichisch Schlesien) zu sammeln. Diese Wohlihätigkeitsanstalt wird sich dadurch von ähnlichen Instituten unterscheiden, daß darin nicht nur Kranke ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität ausgenommen, sondern auch, daß Uebertritte der Patienten von einer Religion zur anderen nicht geduldet werden. Dr. Haase erhielt in Paris bereits Spenden für diesen Zweck, die den Betrag von 5000 Francs übersteigen. England. London. Der höchste Grad privater Wohlthätigkeit, so schreibt der Netchstagsabgeordnete Sanchamer iu einem Aufsatz über „Wohlthätigkeit in London" für das „Berliner Tageblatt", wurde mir bekannt in dem Hause des Aldermann Geo Philipps, dem Sohne des verstorbenen israelitischen Lord-Mayors Phillips von London; dieser reich mit Glücksgütern gesegnete Herr wohnt mehrere Meilen entfernt von London auf einem alten Adelssitz in Hatford, einem Paradies ans Erden. In der City von London ist er Mitbesitzer eines Riesengeschäftes von Weltruf; in Hatford wohnen um ihn herum viele Arme, die nur in der Landwirthschaft thätig sind. Keine Industrie bringt dort irgend welchen Nebenverdienst während des langen Winters, und so hat denn die hochgebildete, wahrhaft edel denkende Gattin des Mr. Phillipps eine sinnreiche Einrichtung für die Armen in Hatford getroffen. Sie hat Penny - Diners eingerichtet, welche täglich an 72 Arme verabreicht werden. In feinem Tactgefühl will man den Armen nicht ein Geschenk geben, für welches sie dankbar sein müßten, nein, sie sollen in den Genuß zu Recht treten, dadurch, daß sie einen Penny zahlen, und welcher Arme brächte wohl nicht einen Penny auf? Es war mir vergönnt, mit Mrs. Philipps, deren Sohn und Tochter einem dieser Penny - Diners beizuwohnen. Ein eigens dazu bestimmter heller, freundlicher Saal diente ausschließlich jenem Zwecke; bereits saß eine Anzahl Bedürftiger an den sauberen Tischen, meist alte Männer und hochbetagte Weiber. Mit freundlichem Gruß erhoben sie sich bei unserem Eintritt; als die Zeit herangekommen war, füllte sich der Saal vollständig, denn Keiner, kein Einziger fehlte. Die dampfenden Riesenschüsseln wurden aufgetragen; Mrs. Phillipps, den Ernst der Sache erfassend, band sich eine hohe, weiße Schürze um, wir Anderen erhielten gleichfalls unsere Posten. Heute gab es Zungen-Ragout mit Gemüse und Kartoffeln; während die mildthätige Frau mit schneeweißem Haar und feuersprühenden schwarzen Augen das Fleisch auf den Teller legte, hatten wir

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