Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 68 (28.8.1890)
- Date
- 1890-08-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1244 i ,^. und halten ihr Andenken in dankbarer Erinnerung. Möge ihr Gedächtnis zum Segen bleiben allezeit. Herr Landrabbiner Dr. G r o n e-m a n n tierlieh der allgemeinen Trauer ergreifenden Ausdruck und hob auch namentlich mit voller Berechtigung ihren echt jüdischen Sinn hervor, welcher in der gewissenhaften Beobachtung der religiösen Gebote sich ebensowohl bethätigte wie in ihrer großen Wohlthätigkeit. iYMjn. Burgpreppach, 22. August. Den Inhalt der Korrespondenz dat. Unterfranken in Nr. 66 des „Israelit und Jcschnrun" bitte ich ergebenst dahin berichtigen zu wollen, daß wohl die in derselben enthaltene Angabe einer Nichtbewerbung um irgend einen erledigten Rabbinatsposten, nicht aber die eines dieserhalb von mir erlassenen Rundschreibens an meine Gemeinden den Thatsachen entspricht, vielmehr tvaren, wie jene an mich gerichteten Anfragen, auch die von mir ertheilten Antworten ganz privater Natur. Immerhin bleiben die von Ihrem Herrn Coircspondenten an die vermeintliche Thatsache geknüpften Betrachtungen recht lcsens- und beachtenswerth. D r. Deutsch, Distriktsrabbiner. Aus Thüringen, 21. Aug. Dem Vernehmen nach hat die Großherzogl. sächsische Staatsregierunug ein Naturalisationsgesuch des russischen Staatsangehörigen Henschel, welcher zur Zeit in Baden lebt, abschläglich beschicken. Vorher hatte auch die Großherzogl. badische Negierung dem Henschel einen ablehnenden Bescheid ertheilt, darauf wandte er sich nach Weimar mit dem Hinweis darauf, daß er früher in Jena gewohnt habe und dort noch jetzt Hausbesitzer sei. Die Ablehnung seiner Gesuche ist, wie verlautet, im Hinblick auf seine Thätigkeit als antisemitischer Agitator erfolgt. Henschel hat sich herausgenommen, obgleich er nicht das Heimathsrecht in Deutschland besitzt, durch Hetzereien gegen die jüdische Bevölkerung den Frieden unter den Bürgern zu stören. Es ist in Versammlungen, in denen er auftrat, zu den skandalösesten Vorgängen gekommen und er hätte kein Recht zu Klagen gehabt, wenn man ihn ans Deutschland ausgewiesen hätte. Oesterr. - Ungar.-Monarchie. Wien. Der bekannte antisemitische Journalist, Herr Carl Hron, der sich seit. dem Processe Pattai-„Volksblatt" jener traurigen Berühmtheit erfreut, hat vorige Woche eine Broschüre erscheinen lassen, welche die Verhältnisse innerhalb der antisemitischen Partei mit schonungsloser Offenheit darlegt. Der ganze moralische Kehricht, der sich im antisemitischen Lager angesammelt hat, wird da aus einen Haufen zusammcngctragen und wer das politische Streberthum, den Interessen Schacher, die persönliche Eitelkeit dieser Herren kennen lernen will, der besehe sie einmal aus der Nähe, wie sie in diesen vernichtenden Enthüllungen abconterfeit sind, damit er sich fortan von ihrer Hohlheit, Nichtigkeit nnd Erbärmlichkeit mit Widerwillen abwende. Die Hron'sche Schrift verfolgt einen positiven Zweck, nämlich Herrn Vergani, der in jenem Prozeß seinen ehemaligen Mitarbeiter schnöde im Stich gelassen und sich überhaupt gar heldenmüthig als echter deutscher Mann benommen, vor die Schranken des Gerichtes zu zerren, die er trotz einer ihm angeborenen instinktiven Scheu vor einer mannhaften Vertretung seiner kühnen Thaten mehr zu meiden scheint, als es sich sonst mit den Begriffen von Ehre und Anstand verträgt. „Die Deutschen fürchten Gott und den — Gerichtssaal!" hat seinerzeit Herr Hron ansgerufen und nun schreibt er eine herausfordernde Broschüre gegen die Antisemitenführer, hauptsächlich gegen Vergani, um die ihm vorgeworfene Feigheit aufs Neue zu erproben. Herr Vergani scheint noch nicht alle Courage verloren zu haben, denn über sein Einschreiten wurde von der Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme des Hron'schen Pamphlets verfügt, er selbst aber, der „edle" Vergani, hat die Ehrenbeleidigungsklage gegen seinen gewesenen Redacteur überreicht. Harren wir der Dinge, die da kommen werden. Die Scandalsucht des Mob dürfte bei dieser Gelegenheit wieder einmal befriedigt werden, Herr Vergani jedoch zu seiner schon vor Monaten erfolgten moralischen Verurteilung noch ein neues Fiasco erleben. Mit dem Antisemitismus und seinen Führern, mit Schönerer, Vergani re. geht es stark abwärts. Wir können zufrieden sein. Wien. Vor etwa einem Vierteljahre wurde die Wiener Gemeinde-Zeitung, ein clericales Journal, das schon seit 28 Jahren erschien, in ein antisemitisches Blatt umgewandelt, das unter dem Titel „Wiener Tagespost" das Organ der christlichsocialen Antisemiten bilden und deren Tendenzen im Gegensätze zu jenen der deutsch-nationalen Antisemiten vertreten sollte. Herausgeber dieses Blattes war der südslavische Publicist, Herr Spiridion G o p c s e v i c s. Offenbar konnte sich dieses Blatt aus eigenen Mitteln nicht erhalten, denn am 7. d. gab Herr Gopcsevics durch einen Aufruf der „christlichen Bevölkerung" bekannt, daß sich ein Consortium gebildet habe, welches die „Tagespost" zu einem „großen christlichen Blatte" umgestalten wolle und zu diesem Zwecke 38,000 fl. als die Hälfte des erforderlichen Kapitals unter der Bedingung gezeichnet habe, daß die andere Hälfte durch Zeichnungen im Publikum aufgebracht werde. Herr