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Der Israelit · 1890-08-28 · Heft 68 (28.8.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 68 (28.8.1890)
Date
1890-08-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1243 eventuell drei Monate Kerker verhängt. In Folge dessen wird das Postgebäude täglich belagert, um das Geld betreffs Erlangung eines neuen Passes an die competente Behörde abzuführen. Solche, die noch nie im Besitze ähnlicher Dokumente waren, müssen persönlich nach deren competentem Kreiszirkel weite Reisen machen. Viele müssen, wenn sie dem Gouvernement nicht angehören, in andere, wie z. B. Mychylow, Minsko oder Czernichow (etwa 180 Meilen von der Stadt Rowno entfernt) reisen. Der Erlaß ist auch auf sämmtliche Städte, Städtchen und Dörfer, welche dem Kreise des Wolinier Gouvernements angehören, ausgebreitet. London, 26. August. Den „Daily News" wird aus Odessa aus zuverlässiger anltlicher Quelle gemeldet, das Dekret gegen die Juden trete am 1. October in Kraft, trotz des Protestes der westlichen Presse; ein Supplement zum Dekret suche dessen Strenge zu rechtfertigen. Zeitnngsuachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 27. August. Wir erhalten ein Telegramm aus Alexandrien mit der Nachricht, daß der egyptische Ministerpräsident Riaz Pascha dem in genannter Stadt erscheinenden arabischen Tagblatte „Al-Hakikah" gestattet hat, sich auch mit politischen Fragen zu befassen. In Folge dessen hat dieses Blatt wieder zu erscheinen begonnen. Gailingen, 18. August. Unser hochverehrter Cantor, Herr S. Liß b erg er, dem das große Glück beschiedeu ist, ein halbes Jahrhundert in unserer Gemeinde als Cantor zu fungiren, feierte verflossenen Schabbos nso 'd sein 50jähriges Dienstjubiläum. Die Gemeinde wollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, ihrem Beamten einen Beweis ihres Dankes und ihrer Verehrung zu geben. Zunächst fand Samstag früh ein Feftgottesdienst statt, bei welchem die Synagoge bis auf den letzten Platz, sowohl von Juden als auch Nichtjuden gefüllt war. Nachdem der Synagogeuchor das eigens zu dem Feste eingeübte Gebetstück „Nab taunu" vorgetragen hatte und die übrigen üblichen Sabbat-Gebete mit Andacht verrichtet waren, bestieg Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Spitz die Kanzel und hielt eine mit großem Beifall aufgenommene Festrede. Er hob darin unter Zugrundelegung der Worte unserer heiligen Schrift rw o’^onn nw ns anttnpi das verdienstvolle Wirken des Jubilars hervor und schloß mit einem wundervollen Gleichnisse aus dem Talmud. Nach Beendigung des Gottesdienstes überbrachtcu ihm der verehrl. Synagogen- und Gemeinderath — letzterer verlieh unserem Cantor das Ehrenbürgerrecht — die herzlichsten Glückwünsche der ganzen Gemeinde. Nachmittags 4 Uhr, nach Schluß des Mincha- Gebetes, — vereinigten sich die Festtheiluehmer zu einer geselligen Unterhaltung imCaföhause „Biedermann" dahier, wobei es an würzigen Toasten und humoristischen Vorträgen nicht fehlte. Zuerst wurde hier dem Jubilar durch unseren geehrten Herrn Vorstand, Harburger, im Namen der isr. Gemeinde unter warmen Worten der Anerkennung für seine tüchtigen Leistungen ein sehr werthvolles Geschenk überreicht. Sodann wurden ihm von dem hiesigen Synagogenchor durch seinen Präsident Herrn W. Moos, sowie von dem der Nachbargemeindc Randegg. dessen Leiter unser verehrter Jubilar einge Jahre hindurch war, kostbare Ehrengaben zu Theil. Auch das Anerkennungsschreiben des Großh. Obcrraths an den Jubilar, sowie die eingelaufenen zahlreichen Glückwunsch-Telegramme gelangten zur Verlesung. Mit einem dreifachen Hoch auf Sr. Kgl. Hoheit unseren Großherzog Friedrich schloß die so schön verlaufene, uns aber ewig im Gedächtniß bleibende Feier. Hannover, 20. August. Eine der trefflichsten Frauen unserer Gemeinde wurde heute unter zahlreicher Betheiligung der jüdischen und uichtjüdischen Bevölkerung zu Grabe getragen. Frau Rebecka Meyer, Gattin des Geh. Eommerzicnraths Louis Meyer, ist unerwartet in Marienbad verschieden und wurde in die Heimath gebracht, um hier bestattet zu werden. Die große allgemeine Thcilnahme ist nur der schuldige Tribut, welcher der Herzensgüte, der beispiellosen Wohlthätigkeit und aufrichtigen, ernsten Frömmigkeit der Verblichenen gezollt wurde. Da war keine Noth .'und keine Sorge, welche zu ihrer Kenntniß gelangte und nicht auf das innigste und hilfbereite Mitleid rechnen konnte. Frau Meyer war Meisterin in der Hebung der Menschenliebe. Sic gestaltete ihr Haus zu einem Asyl für die Armuth und Bedrängniß. Tagtäglich wurden hier die Armen gespeist, bekleidet und reichlich unterstützt. Größer aber als die Hilfe selbst, war die Art und Weise, in welcher sie geleistet wurde. Die Verstorbene war ängstlich besorgt, niemanden durch die Wohlthat zu beschämen. Ihr war nichts zuwider, als die Anerkennung, die man ihr dafür zuwenden wollte. Still und bescheiden, echt weiblich in ihrem Wesen erschien sie Allen als ein Engel reinster Humanität und kannte keinen Unterschied des Bekenntnisses in der Liebe, welche sie der Armuth widmete. Darum beweinen unzählige Arme, Wittwen und Waisen ihren Heimgang j j •'I I i I

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