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Der Israelit · 1890-08-25 · Heft 67 (25.8.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 67 (25.8.1890)
Date
1890-08-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1234 Wissen und Können zeigen, sind ein beredtes Zeugniß für die Leistungen der Schule; was derselben aber ihre besondere Bedeutung verleiht, das ist die Thatsache, daß an derselben, ihrem Namen und ihrer Bestimmung entsprechend, ein gediegener und gründlicher Unterricht in der Thora gegeben wird, daß die Schüler hingeführt werden zu dem Urquell unserer heiligen Lehre, aus dem sie willig und freudig schöpfen. Mehr als alles hat es mich auch erfreut, zu sehen, wie die Schüler mit Liebe sich dem Lernen hingeben, wie sie mit Eifer und wahrer Herzenslust stets ganz bei der Sache sind. Gewiß, so mußte ich mir sagen, werden die Schüler, die in dieser Anstalt unter so günstigen Vorbedingungen ihre erste Ausbildung erlangen, auch später als Lehrer sich dieselbe Berufsfreudigkeit und die gleiche Pflichttreue bewahren, die für den Bildner der Jugend so sehr nöthig sind. Es erübrigt mir noch hinzuzufügen, daß auch das Anstaltsgebäude, überaus luftig und freundlich gelegen, mit seinen geräumigen und schönen Unterrichts- und Wohnzimmern, wie all seinen Einrichtungen einen recht angenehmen Eindruck gewährt und durchaus zweckmäßig erscheint. Der größte Thetl der Schüler ist Herrn Lehrer Neumann in Pension übergeben, der seines Amtes mit väterlicher Sorgfalt waltet. Allen Gönnern der Talmud-Thora-Schule, besonders meinen verehrten Mitbürgern, die ihr bisher reiches Wohlwollen entgegengebracht, kann ich dieselbe auch für die Zukunft wärmstens empfehlen. H. Schwab. Italien. Neapel. Unser neuer Rabbiner, Chacham Guiscppe Cammeo, ist soeben mit einer interessanten literarischen Arbeit vor die Oeffentlichkeit getreten. „Die jüdische Gemeinde von Neapel von 1830 bis 1890" so betitelt sich diese Arbeit und liefert sie uns eine treue Geschichte dieser Gemeinde in den vergangenen sechs Decennien. Freilich datirt das Alter der hiesigen jüdischen Gemeinde schon seit der Zerstörung des zweiten Tempels, da schon unter Kaiser Nero Juden hier lebten. Der Geschichtsschreiber Procopius erzählt uns auch von dem „heroischen" Widerstande, den die Juden Neapels dem berühmten griechischen Feldherrn Belisarius geleistet und wie tapfer sie damals, fast ohne jegliche fremde Hilfe, die Mauern ihrer. Vaterstadt vertheidigt haben. 1493 (-nee vwa) mußten aber die Juden Neapels und Siciliens, welche zwei Länder der spanischen Krone damals unterthan waren, gleichfalls auswandern und erst 1830 gestattete ihnen der König Beider Sicilien die Rückkehr nach der Stadt. Bon Ferdinand und Isabellen den Katholischen ist heute nicht einmal ein Nachkomme mehr vorhanden, dagegen gedeihen die von ihnen verjagten und verfolgten Juden ganz vortrefflich und nehmen heute in Italien die höchsten Ehrenstellen ein. pr-n v.t *p cnmn bD itstei nea» p *pn HWM N2tt»1. Km jüdischer Iriedhof itt Versailles. Historische Erzählung von I. Westheim er. Es war an einem Herbsttage des Jahres 1786. Die langanhaltenden Regengüsse hatten die so sehr belebte Landstraße zwischen Paris und Versailles fast bodenlos gemacht, so daß das Fuhrwerk nur mühsam von der Stelle gebracht werden konnte. Die Nebel, welche seit dem Morgen hin- und herwogten, machten eine zuverlässige Fernsicht unmöglich. Auch der vierspännige Staatswagen, der nach Versailles fuhr, konnte sich nur schwerfällig durch das Gedränge der Wagen und Karossen ein fahrbares Geleise bahnen. Die höchste Person des Landes, König Ludwig XVI., der gute aber wankelmüthige Fürst, welcher für die Sünden seiner Vorfahren später so sehr büßen mußte, saß in dem Wagen und neben ihm sein Adjutant. Plötzlich entstand ein derartiges Gedränge, daß die Pferde am Wagen nicht mehrweiter konnten; dabei schrie und schimpfte der Kutscher. Der Adjutant lehnte sich zum Wagenfenster hinaus und sprach: „Da sind Juden, die eine Leiche führen, und deren Leichenwagen steckt fest." „Steigen wir aus!" sagte der König. — Der freundliche Leser muß sich in eine Zeit versetzen, wo der Jude noch sein Abzeichen an den Kleidern trug. Der Führer des Zuges, eine hagere Gestalt mit intelligenten Zügen, trat auf den König zu und verneigte sich. „Woher kommen Sie mit der Leiche und wohin führen Sie diese?" fragte der Fürst. „Wir kommen von Versailles, wo wir wohnen, und bringen unsere Todten nach Paris", war die Antwort. „Warum haben Sie dort keinen eigenen Friedhof?" „Weil wir um keinen Preis ein Stück Land zu diesem Zwecke erhalten können." — Der König erkundigte sich nun nach den näheren Verhältnissen der jüdischen Gemeinde in Versailles und fragte dann schließlich: „Seit wann wohnen denn Juden in Versailles." — „Seit dem 15. Jahrhundert", erwiederte der Gefragte. „Unsere Ahnen,

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