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Der Israelit · 1890-08-25 · Heft 67 (25.8.1890) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 67 (25.8.1890)
Date
1890-08-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. Beilage MW 67 des ..Israelit"^ „Ieschurun" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Rheinhessen, 18. August, In der Nacht von Freitag auf Samstag wurden in der Synagoge zu Dahlheim bei Oppenheim sämmtliche Gegenstände, die zu liturgischen Zwecken dienen, demolirt. Der Gesammtschaden beläuft sich auf 600 Mark. Es scheint, daß die Schandthat lediglich aus Rache verübt worden ist; von dem Thäter fehlt jede Spur. Frankfurt a. M., 28. Juli. Eine Ferienreise führte mich nach langen Jahren wieder einmal in meine alte Heimalh Burgpreppach. Zwei Dinge sind es, die diesem in schöner gebirgiger Gegend, aber ziemlich abseits von der großen Touristenstraße gelegenen Dorfe eine erhöhte Wichtigkeit verleihen; dasselbe ist der Rabbinatssitz eines weitausgedehnten, mehr als zwanzig Ortschaften umfassenden Rabbinatsbezirks, und es hat eine berühmte Talmud-Thora-Schule. In religiöser Beziehung gehört dieser Distrikt zu den besten im ganzen Bayernlande. Eine betrübende Erscheinung zwar, die allerwärts, nicht zum Segen für das Judenthum, sich geltend macht, ist auch hier wahrzunehmen, das ist das allmähliche Verschwinden der kleinen Landgemeinden, hauptsächlich eine Folge von dem Zuge unserer Glaubensgenossen nach der Stadt. Langsamer allerdings als in manchen andern Gegenden, wo eine größere Stadt in unmittelbarer Nähe liegt, doch unhaltsam schreitet auch hier der Auflösungsprozeß der kleinen Gemeinden voran, und an mehreren Orten, wo vor Jahrzehnten noch blühende Synagogengemeinden vorhanden waren, sind heute nur noch wenige Familien, verschiedene Gemeinden haben sich ganz aufgelöst. Desto wohlthuender und erquickender ist die Beobachtung, daß der moderne Geist der Jrreligiösitat oder auch nur des Jndifferentismus in Bezug auf Religion bis jetzt glücklicher Weise in jene stille, friedliche Gegend wenig oder noch gar nicht eingedrungen ist. In nahezu allen Gemeinden des Distrikts herrscht noch echte, strengjüdische Frömmigkeit, ganz besonders in Burgpreppach selbst, wo ein reges jüdisches Leben pulsirt, wie wir es sonst nur in den größten Kehilos treffen. Die Talmud-Thora-Schule genießt einen guten Ruf, und wie wohlverdient derselbe ist, das möchte ich hiermit in weitesten Kreisen bekannt machen; aus diesem Grunde besonders drängt es mich, diese Zeilen zu veröffentlichen. Ihre Entstehung verdankt diese Schule einer uralten Stiftung, der sogenannten Grabfeld-Talmud- Thora-Stiftung, aus deren Mitteln von jeher eine kleine Zahl von Jünglingen unterhalten und durch den jeweiligen Distriktsrabbinen unterrichtet wurde. Der verstorbene Rabbiner Abraham Hirsch bm hat es unternommen, mit Benützung dieser Stiftung eine großartige Schule ins Leben zu rufen, die seinen Namen für alle Zeiten unvergeßlich machen wird. Ich muß, wenn ich mir den frommen, gelehrten und doch so bescheidenen Mann vergegenwärtige, immer unwillkürlich an Pestalozzi denken. Abraham Hirsch hatte nicht das Glück, gleich Pestalozzi der ganzen Menschheit oder nur einem großen Kreise ein Bahnbrecher zu werden, aber in seiner reinen Menschenliebe, vor allem seiner rührenden Liebe zur Jugend, seiner Begeisterung für die Wahrheit und seinem gottesfürchtigen, uneigennützigen Wirken glich er dem großen Pädagogen, dem sie erst neulich in Jferten ein Denkmal gesetzt. Das jüdische Gesetz erlaubt es uns nicht, daß wir unfern großen Männern Monumente aus Erz und Stein errichten, aber das schönste unvergängliche Denkmal hat Abraham Hirsch sich selbst in der von ihm ins Leben gerufenen Talmud-Thora-Schule gesetzt. Und das Wort unserer Weisen pnx -d? hd"q^ bewahrheitet sich auch hier. Das Andenken dieses Frommen und Edlen wirkt zum Segen fort. Sein Geist ist übergegangen auf die Lehrer und Schüler der Anstalt. Im Sinne des so früh dahingeschiedenen Gründers der Talmud-Thora-Schule wirkt der heutige Leiter derselben, der rührige, unermüdlich thätige Rabbiner Dr. Deutsch und dessen Beispiel folgen alle übrigen Herren, die an der Schule thätig sind. Ein Geist ernsten wissenschaftlichen Strebens, verbunden mit aufrichtiger Frömmigkeit und Gottesfurcht durchweht die Anstalt. Dieselbe ist jetzt von der Königlichen Regierung als ordentliche Präparanden-Anstalt für Lehrer anerkannt; sie ist ganz wie die ähnlichen staatlichen Anstalten organisirt, und der Unterricht in den profanen Fächern wird - in derselben Weise betrieben; auch Musikunterricht wird seit einiger Zeit ertheilt. Sie wird gegenwärtig von 47 Schülern aus den verschiedensten Gegenden besucht, und es unterrichten an derselben außer dem Director noch drei ordentliche Lehrer, und drei Fachlehrer geben den Musikunterricht. Die überaus befriedigenden, theilweise sogar glänzenden Leistungen, welche die Schüler bei den regelmäßigen Jahresprüfungen, wie bei den Seitens Königlicher Schulräthe von Zeit zu Zeit vorgenommenen Revisionen in ihrem

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