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Der Israelit · 1890-08-25 · Heft 67 (25.8.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 67 (25.8.1890)
Date
1890-08-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1231 staatssekretär im Finanzministerium hier, wurde nämlich von der Creditanstalt in Wien zu einem ihrer Direktoren ernannt, und verläßt daher schon Mitte September unsere Stadt, um seinen neuen Posten anzutreten. Der Khedive hat sich beeilt, Herrn Blum (der Titel Pascha fällt jetzt weg) für seine dem Staate geleisteten Dienste eine Pension auszusctzeu, während die Königin Victoria ihm die Commandenrs-Jnsiguien des Michael- und Georg- Ordens verlieh, der Kaiser von Oesterreich hat ihn bereits vor zwei Jahren mit dem Großbande seines Franz-Josef-Ordens decorirt. Herr Blum kam als 20jähriger Comptoirist nach Egypten, wo er es dann zu einem der höchsten Staatsposten brachte. Von feiner großen Redlichkeit zeugt auch, daß er 1879 freiwillig aus Hem egyptischen Staatsdienste schied, weil er seine Zustimmung zu einer projectirten Benachteiligung der Staatsgläubiger nicht geben wollte. Er kehrte jedoch bald darauf im Triumphe auf seinen alten Posten zurück. Tunis, 7. August. rwn vmx. Vor einigen Tagen machte das hiesige Antisemiteu-Organ „I/Odservateur lunisien" das Publikum durch riesige Straßenptakate darauf aufmerksam, daß es in seiner nächsten Nummer einen sensationellen Artikel „L68 Juifs voleurs“ „(Die Gaunerjuden)" bringen und darin den hiesigen Sarafs (Geldwechslern) tüchtig heimleuchten werde. Letztere, unter denen sich übrigens auch viele Griechen und Malteser befinden, benützen den großen Mangel au Scheidemünze, der jetzt hier herrscht und dem die Negierung aus verschiedenen Gründen nicht sogleich abhelfen kann, um die Agiogebühr ungemein in die Höhe zu treiben. Ein Jude, Namens Abraham Calo, erlaubte sich nun, mehrere dieser Plakate herabzureißen, wofür er aber verhaftet wurde. Auf der Polizei legitimirte er sich jedoch als italieninischer Schutzbefohlener und wurde er auch sogleich freigelassen. Der hiesige italienische General-Consul Macchiavelli erklärte jedoch, der Jude müsse eine glänzende Genugtuung erhalten und wirklich beeilte sich der hiesige französische Gesandte Massicault, dem hier auch die Presse und die Polizei unterstehen, jene Polizisten, die Calo verhaftet, zu entlassen. Zugleich wurde dem „Observateur; Tunesien“ strengstens verboten, den erwähnten Artikel zu veröffentlichen und mußte daher der Satz desselben, der schon fertiggestellt war, wieder abgelegt werden. A m e r i k a. Washington, 4. August. Das National- Museum hier hat durch Herrn Harry Friedenwald in Europa eine ganze Sammlung von Objekten, welche die Jsraliten zur Verherrlichung ihres Gottesdienstes und ihrer religiösen Ceremonien benötigen, ankaufen lassen. Vor Allem bemerken wir in dieser Sammlung Photographien der berühmten Synagogen von Prag, Worms, Frankfurt re., dann eben solche Photographien von dem Mauereindrucke in der Wormser Synagoge, der bekantlich der Sage zufolge von Raschi's Mutter herstammen soll, und vom Triumphbogen des Titus in Rom mit der Menorah auf demselben, dann eine silberne Gewürz (Bessomim)'Büchse aus Laupheim vom Jahre 1740, eine Sederschüssel aus Konstantiuopel mit eingravirten hebräisch-kabbalistischen Worten, einige alte Sabbatlampcn, einen spiralförmig gebogenen Schofar aus Italien, eine Sefer Thora vollständig bekleidet und geschmückt mit den »np Ha, mehrere Megiloth, Thephilin, Mesusoth und Arba Kanfoth in den verschiedensten Größen und Formen, einige bunt gemalte Misrachim mit den üblichen Bibelversen auf denselben, einige Menorath, Schlachtmesser (Chalofim) u. dgl. m. So schmücken sich nichtjüdische Museen mit unseren religiös-ceremoniellen Objekten im “in wnys yiNjb “pncBn. Feuilleton. Eine lu'Umutfc LNelodio. Eine Erzählung von B. Hause. (Fortsetzung.) Frau Carlisle hatte während dieses Auftrittes todtenbleich dagesessen und nicht ein Wort mit darein geredet. Bei den letzten Aenßerungen Elisen's war sie fast ohnmächtig in das Sophakisseu zurückgesunkcn. Als die Thür sich hinter Elise geschlossen hatte und sich Carlisle zu ihr umwandte, flüsterte sie mit schmerzvollem Gesichtsausdrucke: „Da haben wir die Bescheerung! Ich habe gleich gewarnt!" „Ich habe gleich gewarnt!" antwortete Car lisle mit spöttischem Äerger ihre Worte wiederholend. „Du warst ja als Wächter bei ihnen! Du scheinst Deinen Posten schlecht ausgesüllt zu haben." „Am Ende gibst Du mir noch Schuld! Ich habe sie beide stets genau im Auge gehabt! Ich glaube es ihr vollständig, daß Meseritzer ganz unschuldig ist und daß keinerlei Verständigung zwischen ihnen stattgefunden hat, sonst hätte ich es wohl längst schon wahrnehmen müssen. Sie hat Liebe zu ihm gefaßt, ohne Anlaß und ohne Anregung von seiner Seite, und hat diese Liebe mit vollem Bewußtsein in sich getragen und in sich wachsen lassen. Jetzt ist sie endlich zu der vollen Erkenntnis gelangt, daß sie einer unbezwingbaren Macht verfallen ist. Klug, wie sie ist, war sie sich des sich in ihr regenden Gefühles gleich im Anfänge schon bewußt geworden und hat ihr Benehmen und ihre

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