Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 67 (25.8.1890)
- Date
- 1890-08-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1229 Neustadt b. P., 13. Aug. Bei dem heutigen Gewitter schlug der Blitz in den israelitischen Tempel ein. Man bemerkte bald darauf vom Dache aus eine kleine Rauchwolke aufsteigen, welche indessen durch schleunigst herbeigeeilte Hilfe sofort gedämpft wurde. Das Gebälk ist weniger, desto mehr aber die innere Decke zerstört, von welcher an manchen Stellen der Ausputz abgefallen. Der zufällig im Tempel anwesende Synagogendiencr wurde zwar betäubt, erholte sich jedoch bald. Die freiwillige Feuerwehr war zur Stelle, kam aber nicht in Thätigkeit. O e ft e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 17. August. Gestern, am Sabbat sind hier zum ersten Male seit der Occupatio» Bosniens, zwei bosnische Bataillone eingerückt, um an den Manövern in unserer Umgegend theilzunehmen. In den bosnischen Bataillonen dienen auch Hunderte von Mohamedanern und auch viele türkische (spaniolische) Juden. Da nun Kaiser Franz Josef in seiner großen religiösen Toleranz den Mohamedanern in seinem Heere gestattet hat, ihre rituelle Küche beizubehalten, so haben sich denselben auch die jüdischen Soldaten angeschlossen, da ihnen die moslimisch-rituelle Küche noch immer lieber ist, als gänzlich trefa zu essen.*) Gleich nach der Ankunft dieser Bataillone hier begab sich ein Corporal derselben, ein Spaniole, der aber sehr gut Deutsch spricht, mit der nöthigen Mannschaft in eine jüdische Fleischbank, die schon früher avisirt worden war, und kaufte dort das erforderliche Fleisch. Unser Kriegsminister ging in seiner Aufmerksamkeit für diese Soldaten gar so weit, daß er in der Kaserne, in der dieselben einquartirt sind, zwei neue Herde mit ganz neuen Kochkesseln Herstellen ließ. Auch befindet sich in der Kaserne ein eigener Betsaal für Mohamedaner und Juden. Wenn man diese religiöse Toleranz eines gewiß streng katholischen Monarchen für seine mohamedanischen und jüdischen Soldaten sieht, so wird man fast unwillkürlich zu dem Ausrufe begeistert: nmn w tysi i'pti 'n -j-q. Saaz, 8. August. Unter dem Borsitze des Obmannes Bürgerschul - Direktors Franz Rudolf (Reichenberg) hielt gestern der Deutsche Landes- Lehrerverein in Böhmen in der Schießhalle feine Hauptversammlung ab. Den Verhandlungen wohn¬ *) Wir glauben kaum, das; die iu der moslimischeu Küche zubereiteten Speisen den Israeliten zum Genüsse weniger verboten sind, wie solche, die in anderen nichtjüdischen Anstalten hergestellt werden, da im günstigsten Falle immer noch vorhanden. Red. ten Bezirkshauptmann Statthaltereirath Blazek, Bürgermeister Dr. Ritter v. Schönfeld und der Obmann des Deutsch-österreichischen Lehrerbundes, Oberlehrer Katschinka (Wien), bei. An Stelle des Professors Tomberger aus Wiener-Neustadt referirte Obmann Katschinka über den Stand der Schulfrage und beantragte gegenüber den Erklärungen der Bischöfe eine Resolution, welche, auf den Grundsätzen des Schulgesetzes verharrend, folgende Forderungen stellt: Dem Bedürfnisse der Zeit und dem Interesse des Staates entspricht nur die iitterconfessionelle Schule. Demgemäß und auf Grund des Staatsgruudgesetzes können Personen ohne Unterschied der Confession als Lehrer an öffentlichen Schulen angestellt werden. Die Anstellung kann nur durch den Staat unter Mitwirkung derjenigen, welche die Schule erhalten, erfolgen, und ist jede Einnlischung einer andern Autorität auszuschließen. Der Religions.-Unterricht ist durch Organe der betreffenden Religiousj-Gesellschaft zu erthellen. Der Unterricht in den übrigen Gegenständen ist von der Religion der Schüler unabhängig, doch hat Alles ausgeschlossen zu bleiben, was mit der jedweder Confession gebührenden Achtung nicht vereinbar wäre. Die Aufsicht über die Schule ist ausschließlich Sache des Staates. Diese Resolution wurde unter lebhaftem Beisalle angenommen. Neutra, 17. August. Der im nahen Badeorte Pütjen eingetroffene Rabbi, ist nicht, wie unsere Tagesblätter irrthümlich meldeten, der Wunderrabbi von Sadagura, sondern der nicht minder hochberühmte Rabbi von Belz (Galizien), Reb Oschiah Rokeach (npn ^2), der mit seiner Frau, mehreren Söhnen, einem Vorbeter, einem Schächter, acht Batlanim und Dienern reist. Derselbe ist ein schon hochbetagter Greis, der einen streng asketischen Lebenswandel führt und sogar von gelehrten Rabbinen, die ihn wie einen Engel verehren, ausgesucht wird. Seine Wohlthätigkeit ist grenzenlos und ist daher seine Thür stets von Armen umlagert. Krakau, 12. August. Vor Jahren wanderte der Bachur Jechiel Dlugacz aus Tarnopol nach Rußland aus, um dort einige Jefchiboth zu besuchen. Er vergaß jedoch gänzlich, daß er, da er noch ferner österreichischer Unterthan blieb, verpflichtet sei, jährlich in seine Heimath zurückzukehren und sich hier zur Asseutirung zu stellen. In Rußland fand er auch bald eine Anstellung, da ihn die jüdische Gemeinde von Czaruiewitz bei Kamanienec Podolki zu ihrem Rabbiner erkor. Er verheirathete sich nun