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Der Israelit · 1890-08-25 · Heft 67 (25.8.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 67 (25.8.1890)
Date
1890-08-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1228 mit Herder'schen Lehren und mit Hegel'schen Grundsätzen erfüllt. Es bleiben mir die Stunden unvergeßlich^ in denen ich mit Leopold Zunz religiöse Fragen besprach. Ich möchte besorgen, der Antisemitismus werde, wenn er andauern sollte, in sozialer und politischer Beziehung gerade so schädlich wirken, wie nach der religiösen und sittlichen Seite hin, wenn ich nicht der festen Ueberzeügung wäre, daß er sich wieder verlaufen wird, weil er ein bloßes Kampfmittel zur Erreichung augenblicklicher politischer Zwecke ist. Ja, ich glaube, die Zeit ist nicht mehr allzu fern, wo Viele nicht werden zugeben wollen, jemals von dem antisemitischen Wahn besessen gewesen zu sein. Ich habe natürlich keinerlei Neigung, mich für die spezifisch jüdische Sache zu echauffiren, aber ich mißbillige den Antisemitismus, weil er eine durch und durch unchristliche Erscheinung ist. Wir schädigen durch ihn unser Ansehen und bringen uns in den Verdacht religiöser Unduldsamkeit. Ich habe es freudig begrüßt, daß der Kronprinz für den antisemitischen Lärm strafende Worte hatte, es sind ihm wohl mütterliche Worte im Gedächtniß geblieben, die den Lehren Herder's entnommen waren. Ich halte dafür, wir müssen aus der jetzigen Strömung so bald als möglich wieder heraus, und mein Bedauern über die Vorgänge soll sich verringern, wenn die Juden aus ihnen für ihr Verhalten manch guten Wink bekommen haben." Berlin, 18. August. Man schreibt der „Fr. Ztg.": Ein hiesiger Kaufmann bestellte im Kurhaus Schloß Langenau in Ems für sich, seine Frau und ein Kind auf Empfehlung eines Freundes Zimmer und erhielt die briefliche Antwort, daß sie von einem bestimmten Termin ab für ihn bereit ständen. Als er am Abend dieses Tages in Ems eintraf, sagte ihm der Verwalter des Hauses, daß sür ihn kein Zimmer frei sei, der Wirth esse Abendbrod und sei nicht zu sprechen. Da es schon spät war, bat der Kaufmann, ihm wenigstens für die Nacht Quartier zu geben und erhielt solches in einer kleinen, frischgestrichenen, nach Farbe duftenden Kammer. Am nächsten Morgen erklärte ihm der Besitzer, er bekomme bei ihm kein Zimmer, da er Jude sei, was man erst erfahren habe, nachdem die Zusage ertheilt gewesen sei. Der Freund, der ihn empfohlen, habe nur deßhalb im Hause wohnen können, weil man nicht gewußt habe, ob er Jude sei. Frankfurt a. M. Collegialität ist eine jener Tugenden, die ganz besonders beim Lehrerstande anzutreffen ist. Daß es auch Ausnahmen gibt, möge Folgendes beweisen. Ahnungslos ging der in Ehren ergraute Lehrer M. in B. bei Frankfurt a. M. am Freitag in's Gotteshaus, um seiner Funktion als Vorbeter in gewohnter Weise nachzukommen. Wie erstaunte derselbe, als ein junger College N. aus D. in Tatar und Barett sich stolz vor dem Vorbeter-Pulte aufgepflanzt hatte und selbst durch die Bitten des alten ergrauten Mannes nicht zu bewegen war, den Platz zu verlassen. Der alt bewährte i?n war gezwungen, der Produktion des jungen Mannes zuzuhören. Herr M. hatte keine Ahnung, daß ein ihm übelgesinnter Theil der Gemeinde, vielleicht seine Pensionirung beabsichtigte. Die Stelle war weder amtlich von dem Vorsteheramte in Hanau noch von Seiten der Gemeinde ausgeschrieben. Jedenfalls wollte der sich produzirende Herr N. die Pensionirung des Betreffenden beschleunigen, um an seine Stelle zu treten. Wir wünschen aber dem wackeren Ehrenmanne noch eine recht lange, segensreiche Thätigkeit in seiner Gemeinde. 8. Minden, 14. Aug. In allen Theilen des Vaterlandes wird es einzelne Mitkämpfer von 1870/71 geben, die auf den blutigen Feldern Frankreichs verwundet oder erkrankt auf dem Rücktransport von Westen nach Osten hier Pflege und Linderung gefunden haben. Zu denen, die beides gewährten, gehörte mit in erster Linie die Ehefrau Blau st ein, die schlichte Gattin des i s r a e l t t i s ch e n S ch ä ch t e r s. Des eigenen Wohls nicht achtend, hat sie freiwillig bei Tag und Nacht der kranken Helden sich angenommen, mit tröstendem Wort und freudiger That lindernden Balsam in tausend Herzen und Wunden geträufelt. Kaiser Wilhelm I. zeichnete sie mit dem Verdienstorden aus; Jeder aber, der ihre milde Hand an sich erfahren hat und nun von ihrem im 82. Lebensjahre erfolgten Tod hört, wird mit Wehmuth des treuen Weibes gedenken, in dessen unscheinbarer Hülle ein großes Herz geschlagen hat. Achim (Hannover), 13. August. Zu Ihrer Notiz aus Oberschlesien pwi jrtpy in Nr. 63 iwr *pö -pnnai TD“>no kann ich auch leider einen Beitrag liefern. Es hat der Rabbiner in Linz an der Donau, Herr F r i e d m a n n, eine Wittwe, die ni'h npipi war, ohne den Akt der ns^n, wiewohl der ny in Linz wohnhaft, mit einem Manne, der ein jro sein soll, wieder getraut. Als ich — der jüngere Bruder — den Herrn Rabbiner — als ich meinen Bruder in Linz besuchte — später — die Trauung geschah am 1. Juli — deßhalb interpellirte, wurde mir geantwortet: „er wolle meine Neugierde nicht befriedigen." Ob der Herr Rabbiner es für angemessen hält, sich der jüdischen Welt gegenüber zu verantworten, wenn er es kann, will ich abwarten. D. E.

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