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Der Israelit · 1890-08-21 · Heft 66 (21.8.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 66 (21.8.1890)
Date
1890-08-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1210 werden sollen. Ist es da zu verwundern, wenn Männer von Ansehen und Namen die Zumuthung, in einen solchen Wettbewerb einzutreten, als eine ihrer unwürdige von sich weisen; wenn sie sich nicht dazu verstehen wollen, vor modernen Potentaten schmeichelnd und heuchelnd die n-nnn rnaa in den Staub zu ziehen, wenn gerade ihr sittliches Bewußtsein und das ihrer Befähigung sie nöthigt, das issn zu beherzigen, mit kärglichem Antheil sich zufrieden zu geben, in stiller Bescheidenheit zu wirken und auf bessere materielle Stellung zu verzichten, um nicht gezwungen zu sein, den Menschen eher gehorchen zu müssen als Gott und die eigene Ehre und die der Thora preiszugeben? Fürwahrl wir könnten hier manch edlen Namen nennen, würde die Scheu vor diesen es uns nicht verbieten. Wohl mögen hie und da drückende Verhältnisse auch manch edlen Charakter gezwungen haben, sich mit schmerzlicher Ueberwindung den modernen, oft ungeziemenden und ehrverletzenden Anforderungen zu fügen, ohne Nöthigung thut es gewiß keiner. Die Art und Weise, wie eine Gemeinde bei der Wahl eines religiösen Oberhauptes verfährt, darf als Maßstab für den Grad sittlicher Bildung gelten, der in ihr herrscht; uns scheint die alte ehrenvolle Sitte der Berufung, der noch einige unsrer Gemeinden huldigen, die gebildetere und — indem sie gerade die würdigsten Aspiranten, anstatt zurückzudrängen, heranzieht — auch die zweckentsprechendere zu sein. Wenigstens kamen unter ihr nicht so viele Mißgriffe vor, wie in der Zeit, die die Probepredigt und den Eindruck persönlicher Repräsentation maßgebend sein läßt.*) R. Oesterr. - Ungar.-Monarchie. Budapest. Der ungarische Justizminister hat den bekannten Universitäts - Docenten Dr. Max Schächter in Budapest zum Mitgliede und Schriftführer des neucreirten gerichtsärztlichen Senates ernannt. Frankreich. Paris. Am 3. August starb unser Glaubensgenosse, der bekannte Maler Herr Emil Lövy, im Alter von 64 Jahren. Er hatte im Salon sehr oft historische und andere Gemälde ausgestellt. Im Jahre 1854 erhielt er den großen römischen Preis. Von seinen Hauptwerken wären zu nennen: „Die Furt", „Der erste Schritt", „Ruth und Noemi", „Die heilige Musik", „Die weltliche Musik", „Die vier Jahreszeiten" und „Der Tanz". Seit *) Demnächst wollen wir in einem besonderen Aufsatze auch über das würdelose Gebühren solcher Rabbinen reden, die kaum, daß sie in einer Gemeinde heimisch geworden, sich um eine andere Stelle bewerben, und die, nicht weniger als die oben bezeichneten Vorstände, durch ihr Thun am Rückgänge der minn ms Schuld tragen. einigen Jahren widmete er sich ausschließlich der Pastellmalerei. Herr L6vy, der Ritter der Ehrenlegion war, hinterläßt eine Wittwe, die in der literarischen Welt unter dem Pseudonym Paria- Karigan bekannt ist. — Die medizinische Facultät hat kürzlich zu Doctoren promovirt die Damen : Kouindschi, Frenkel, Vidaver und Frl. Mendelsohn. Alle vier sind Jüdinnen. Holland. Amsterdam. Herr Marcus Gerrit Tabak, dessen Tod wir jüngst gemeldet, hat dem jüdischen Altersasyl zwei Millionen Gulden vermacht. England. London. Gelegentlich eines Baues in Fetter Lane stieß man auf altes Mauerwerk, welches als Fundament der Rollo Chapel erkannt wurde, welche Capelle von Heinrich III. für getaufte Juden erbaut wurde. Dieses berühmte Dohm8 Conversorum spielte eine große Rolle in der frühern Geschichte der hiesigen Judengemeinde und war ein Bindeglied zwischen der Periode vor der Vertreibung und der Zeit der Wiederaufnahme im 17. Jahrhundert. Aus demselben gingen manchmal getaufte Lehrer des Hebräischen und der rabbinischen Wissenschaften an den Universitäten in Oxford und Cambridge hervor. Feuilleton. Eine Melodie. Eine Erzählung von B. Hause. (Fortsetzung.) Carlisle und seine Frau trugen sich bereits mit Heirathsplänen für ihre Tochter. Sie hatten ihr Augenmerk auf einige junge israelitische Männer gerichtet, Söhne der ersten Geldgrößen der Stadt, als für ihre Tochter sehr passende Partien, und glaubten in der Lage zu sein, unter diesen wählen zu können. Namentlich aber hatten sie es auf den Sohn deS Banquier Ferdinand Kirschner, des unstreitig reichsten Israeliten in New-Iork, abgesehen. Ferdinand Kirschner war Vorsteher der Synagogengemeinde, welcher auch Meixner angehörte, und kam mit Carlisle, welcher Mitglied derselben Gemeinde war, auch zuweilen in geschäftlicher Beziehung zusammen. Er war zwar nicht orthodox, er hielt sogar am Samstage sein Geschäft geöffnet, aber er hatte doch noch einigen Sinn für das Judenthum und hielt streng darauf, daß in seinem Hause die rituellen Vorschriften des Judenthums auf's Genaueste beobachtet werden. Es hätte sich der allerorthodoxeste Rabbiner bei ihm zu Tische setzen können. Er suchte einen gewissen Stolz darin, dieses

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