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Der Israelit · 1890-08-21 · Heft 66 (21.8.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 66 (21.8.1890)
Date
1890-08-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1209 bolischen und historischen Bedeutung des Geschenkes finde er endlich einen neuen Ansporn für sein Wirken in Lehre und Wissen, zur Befestigung religiösen Sinnes bei seinen Schülern. Er schloß mit dem Wunsche, daß auch sie alle die Früchte ihres Wirkens recht lange genießen und sich einstens auch solcher Anerkennung erfreuen möchten. Sodann versammelten sich die jetzigen Schüler des Seminars im Hause des Jubilars, woselbst Hr. Seminarist Rosenberger namens seiner Mitschüler einen Schreibtisch übergab. Der spätere Theil des Nachmittags vereinigte die Festestheilnehmer zu einer geselligen Unterhaltung im Hutten'schen Garten, wobei es au würzigen Toasten und humoristischen Vorträgen nicht fehlte. Zum Schluß erschien Herr Districtsrabbiner B am b e r g e r in der Versammlung und brachte seine Glückwünsche in anerkennenden Worten zum Ausdruck. Im Laufe des Tages liefen zahlreiche Glückwunsch-Telegramme und Schreiben von auswärts ein. Würzburg, 15. August. Heute Morgen verschied plötzlich an einem Schlaganfall der durch seine zahlreich erschienenen, gediegenen und weitverbreiteten religiös wissenschaftlichen Schriften bekannteste Herr Schuldirector Stern dahier. Wir beklagen in ihm eine bedeutende pädagogische und schriftstellerische Kraft, die Gemeinde einen vielseitig wirkenden Mann. Seine Verdienste als Kämpfer für das orthodoxe Judenthum, namentlich in Württemberg, sind bekannt. Da sich eine schriftliche letzt willige Kundgebung des Verstorbenen vorfand, in der er sich jeden sowohl im Hause als auf dem auch Nachrufe in öffentlichen Blättern verbittet, so unterlassen wir, Ausführlicheres über seine segensreiche Thätigkeit zu bringen. Aus Unterfranken. Herr Distriktsrabbiner D r. Deutsch in Vurgpreppach gibt auf mehrfache Anfragen den Gemeinden seines Bezirks bekannt, daß das Gerücht, er habe sich um die vakante Nabbinerstelle in Sch. beworben, auf Unwahrheit beruhe. Diese Mittheilung hat nicht nur deßhalb ein über das Lokale hinausgehendes Interesse, weil sie eine Person betrifft, dessen Erhaltung in seiner gegenwärtigen Stellung, mit welcher die Leitung einer der trefflichsten israel. Lehrerpräparandien verbunden ist, der jüdischen Allgemeinheit werthvoll erscheinen muß, sondern mehr noch darum, weil dir Thatsache jenes Rundschreibens jedem nur halbwegs Unbefangenen die Augen über einen Mißstand öffnen muß, der sich in den letzten Jahrzehnten innerhalb der jüdischen Gemeinden bei Lösung der wichtigsten sie betreffenden Angelegenheit, der Wahl eines religiösen Oberhauptes nämlich, eingeschlichen hat, und welcher dringend einer Abstellung und Beseitigung heischt. Wir gehören nicht zu Jenen, welche in einseitiger Auffassung gegebene, auf menschheitgeschichtlicher Entwickelung beruhende Einrichtungen nur deßhalb tadelu, weil die Altvordern hierin andere Einrichtungen und Gewohnheiten hatten — daß aber die Sitte, die sich bei Rabbinervakanzen in den Gemeinden — G. s. D. noch nicht in allen, wie die jüngst erfolgten Rabbinerwahlen in den Israel. Religionsgesellschaften in Frankfurt a. M. und Mainz, in den Cultusgemcinden Prag und Hamburg u. a. beweisen — gegenüber dem früheren Brauche herausgebildet hat, keinen Fortschritt, sondern einen Rückschritt schlimmster Art in Rücksicht auf Bildung und Cultur unsrer Gemeinden bezeichnet, das dürfte auch Derjenige nicht zu bestreiten vermögen, der, ganz in dem Dienste der Mode aufgehend, alles Neue unerwogen als eine werthvolle Errungenschaft zu preisen gewohnt ist. Denn, nichts gereicht der jüdischen Vergangenheit so sehr zur Ehre, als die Scheu und die Achtung, die sie den Trägern der Thora und des Wissens entgegenbrachtc. Diese Achtung hat ihren ersten und nachhaltigsten Stoß da erlitten, als man anfing, die Träger des Wissens in den Kreis des Gewöhnlichen und Alltäglichen hinabzuzieheu, was zuerst durch die Einrichtung geschah, verdiente Männer nicht mehr wie früher auf die Vertrauensposten, wohin sie gehören, zu berufen, sondern diese nöthigte, gleichwie Lehrjungen, Commis und Ammen, in eine Concurrenz mit Dutzenden Anderer einzutreten und alle jene lächerlichen Anforderungen zu erfüllen, die, obgleich für die Beurtheilung der wirklichen Erfordernisse eines Rabbiners ganz ohne Werth, dennoch von jener irregeleiteten Mode gefordert werden. In der That läßt sich kaum eine größere Herabwürdigung der Thora und des wahren Verdienstes denken, als es durch die Art und Weise geschieht, wie jüdische Gemeinden der Jetztzeit ihre Rabbinen suchen und wählen. In derselben Zeitungsrubrik, die den geschäftlichen Interessen gewidmet ist, findet man oft, neben der Auskündigung einer vakanten Köchinnenstelle, die eines erledigten Rabbinatssitzes, in welcher die Cultusverwaltung, die ja in unserer fortgeschrittenen Zeit bei uns meistentheils aus Laien zusammengesetzt ist, in gespreitztem Tone verkündet, daß nur „tüchtige" Bewerber Aussicht auf Genehmigung haben. Die Ueberzeugung auf „Tüchtigkeit" bietet dem hohen Rathe aber nicht die etwa auszuweiseude gründliche Vorbildung, der Ruf gemeinnützigen Wirkens oder anerkannter Bewährtheit im Amte, sondern der Eindruck den die gut studirte und wochenlang memorirte Probepredigt auf den ungelehrten Hausen ausüben wird; in vielen Fällen ist der Eindruck persönlicher Repräsentation auf interessirte Damen bestimmend, auf welche Personen die heiligsten Interessen der Gemeinde übertragen

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