Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 66 (21.8.1890)
- Date
- 1890-08-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1208 Zeitrr«gSrrachrichten mtb Correspondenzen Deutschland. Berlin. Unter den Vertretern der französischen Regierung bei dem vor Kurzem in Berlin abgehaltenen medizinischen Kongresse befanden sich auch Herr Javal, Mitglied der medizinischen Akademie und Dr. Arnold Netter. Die holländische Regierung entsendete als Delegirte u. A.: Professor Dr. Rosenstein aus Lehden und Professor B. I. Stokvis aus Amsterdam, letzter Ehrenpräsident für Holland. Die Genannten sind sämmtlichJuden. Wreschen, 15. August. Auf dem früheren jüdischen Friedhofe in Jnowrazlaw sind wohlerhaltene Grabsteine aufgefunden worden, deren Inschriften das Alter von 250 bis 300 Jahren aufweisen. Es war dies die Zeit, als auf die für die Juden Polens so verhängnißvollcn Raub- und Mordzüge des Kosakenführers Chmelnicki und dessen Horden, vor denen Polen Jahre lang zitterte, ein blutiges Nachspiel für die jüdischen Gemeinden des damaligen Groß- und Kleinpolens folgte. Als nämlich zu den gegen die Polen verbündeten Kosaken und Russen noch ein neuer Feind, Karl X. von Schweden hinzutrat, und der schwache Polcnkönig Johann Kasimir sein Land verlassen und den Schutz des deutschen Kaisers erbitten mußte, da begann eine neue Leidenszeit für die Judengemeinden Großpolens, die der polnische General Czarnicki des Verraths der Polen an den siegreichen Schweden beschuldigte. Mit Feuer und Schwert wüthete er gegen die Juden in Wreschen, Lobfens, Jnowrazlaw, Posen, Meseritz, Pakosch und anderen Orten, verbrannte die Synagogen und die Gesetzesrollen, und die aus jener trüben Zeit erhaltenen Archive berichten von der großen Zahl der damals in unserem Landstriche erschlagenen Juden. D'uynpys H. Wolfs. Straßbnrg i. E., 19. August. Die durch einstimmig gefaßten Beschluß des israelitischen Consistoriums für den Bezirk Unter-Elsaß vorgenommene Ernennung des Oberrabbiners Jsaac Weil zu Metz zum Oberrabbiner in Straßburg hat die Bestätigung des kaiserlichen Statthalters erhalten. Würzburg, 5. August. Gestern fand die jährliche Generalversammlung des isr. Lehrervereins für das Königreich Bayern im Hotel Goldschmidt dahier statt. Die Berheiligung daran war eine ungewöhnlich starke. Die Versammlung wurde von dem Vorstande Herrn Scminarlehrer Schlenker mit einer gediegenen Ansprache eröffnet, in welcher er die Erschienenen willkommen hieß, und im weiteren Verlause derselben die Vereinsthätigkeit während des abgelaufenen Rechnungsjahres darlegte. Tie Versammlung zu einer gedeihlichen und parlamentarischen Berathung aller Vorlagen auffordernd, wünschte er dem Vereine ein ferneres segensreiches Wirken und schloß in begeisterten Worten mit einem Hoch auf unseren vielgeliebten Landesherrn, auf Se. königl. Hob. den Prinz-Regenten Luitpold, des Königreichs Bayern Verweser, in welches die Versammlung lebhaft einstimmte. Hierauf legte der Kassier (Hr. Dr. M. Braunschweiger) Rechnung ab, welche anstandlos von der Versammlung gutgeheißen ward. Dem Programm gemäß wurden hierauf die eingegangenen Anträge zur Verlesung gebracht und hierüber die Debatte eröffnet. Die Anträge betrafen theils die Hebung der finanziellen Verhältnisse des Vereins, theils die Interessen der Religionslehrer. Die Debatten hierüber waren sehr lebhaft und führten theilweise zur Annahme der betreffenden Anträge. Gegen Mittag wurde eine einstündige Pause gemacht, und sodann die Nachmittagssitzung mit einem längeren Vorträge über Religion, Religionsschule, Religionslehre von Herrn Oppenheimer-Leutershausen eröffnet. Daran schloß sich eine sehr scharfe Kritik von Seiten der beiden Korreferenten (Lehrer Goldstein-Maßbach und Lehrer Sichel-Kleinsteinach) nnd schließlich gelangte eine von Erfterem in Bezug darauf gestellte These zur Annahme. Es wurde noch als nächster Versammlungsort wieder Würzburg bestimmt, worauf die Versammlung geschloffen wurde. Gleichzeitig haben wir noch von einem sich daran schließenden Akte zu berichten. Es sind 25 Jahre, seitdem Herr Seminarlehrer I. Weißbart an der isr. Lehrerbildungsanstalt dahier ununterbrochen segensreich wirkt. Seine Schüler wollten sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, ihm einen Beweis ihres Dankes und ihrer Verehrung zu geben. Behufs dessen übergab ihni Herr Hauptlehrcr N. Eschw e g e zu Höchberg namens der ehemaligen Schüler unter warmen Worten der Anerkennung für sein verdienstvolles Wirken mit Zugrundelegung der Prophetenworte: „Erhebe rings um dich deine Augen und siehe, alle haben sich versammelt und sind zu dir gekommen", einen prachtvollen silbernen Chanuka-Leuchter. Sichtlich gerührt, nahm der Jubilar die Ehrengabe an und sprach für die ihm dargebrachte Ovation seinen Dank aus. Er betonte, daß er sich zur Annahme dieser öffentlichen Anerkennung nur deßhalb entschließen könne, weil er darin eine noch größere für die betheiligten Schüler finde, die auch für das kleinste Verdienst sich dankbar zeigen und ihre Lehrer zu ehren verstehen. Ferner sei auch damit ein eklatantes Beispiel gegeben, wie auch das Lehrerleben nicht ohne Freuden und wie ein solcher Tag, wie er ihm von Seite seiner Schüler bereitet wurde, für alle Unbilden des Berufes zu entschädigen vermag. In der sym-