Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 66 (21.8.1890)
- Date
- 1890-08-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1207 heiligen Sprache geforderte Liebe zum jüdischen Berufe, die ja auch vom pädagogischen Standpunkte unbedingt nöthig, da Israel nur dann die Menschheit auf die Dauer für die göttlichen Lehren der Thora zu begeistern vermag, wenn es selbst mit Begeisterung für dieselben erfüllt ist, diese Liebe fehlte oft Israel, der Mangel inniger Freude an seiner Bestimmung, die Unzufriedenheit mit seinem jüdischen Geschicke, und die Sucht, seine göttliche Mission von sich abzuschütteln, zieht sich, einem rothen Faden gleich, durch die ganze Geschichte des jüdischen Volkes. J-n jener finsteren Nacht in der Wüste, wo Israel seine eigene von Gott gestützte Kraft unterschätzend, neidischen Blickes auf die mächtigen Völker Kanaan's blickte, sprach Gott: pi nnnV ^22 mb ppx ’jx bnn bv '02 on’22 um H2 2-innnst' p"c>2 bv mn mua rw nmx rnoxn yib. „Ihr weint die Thräne der Nichtigkeit, der Selbstverachtung, Ihr könnt Euch nicht dauernd zur Höhe der jüdischen Bestimmung emporheben, wahrlich dieser Mangel an Freude an Eurem Berufe, er wird Euch eine Quelle des steten Weinens sein, wird zu allen Zeiten, so Ihr unwillig die Pflichten Eurer göttlichen Berufung erfüllt, Thränen Euren Augen erpressen; Ich sehe, daß dieser Widerwille Eurenk Gotte zu gehorchen, die Wurzel aller Leiden ist, die später über Euch Hereinbrechen werden, daß sie nur der Vorakt zu dem später auf jüdischem Boden zu erfolgenden erschütternden Drama ist, Ich sehe, daß der Vorhang nach dem traurigen Auftritte in der Wüste noch nicht fallen und daß dies erst nach dem gänzlichen Ruine des jüdischen Staates und der völligen Zerstreuung Israels erfolgen werde." Vor völligem Untergang ist Israel gesichert, seine göttliche Thora, deren Träger es Kraft des ehernen auch die Natur durchziehenden und beherrschenden Gottesgesetzes, selbst beim schlimmsten Wollen bleiben muß: tj dn nyby *ptox npin. „Wahrlich, mit Gewalt werde ich über Euch herrschen", sichert ihm ewige Dauer, an dem Willen Gottes, die Menschheit durch Israel zur Höhe der wahren Erkenntniß Seines Wesens zu führen, müssen alle Vernichtungspläne, die gegen Israel geschmiedet werden, scheitern. Aber all' dies erhebt Israel noch nicht über die Naturwesen, die gleichfalls ihrer Bestimmung Nachkommen, erwirkt Israel noch keine Hochachtung und eben darin liegt die Ursache der Anfeindungen und Verfolgungen, denen Israel stets preisgegeben ist. Von der Nichtachtung bis zum Hasse ist nur ein Schritt und er wird ohne Bedenken gethan, sobald materieller Gewinn als Erfolg winkt: wsn o’bmj/ Drx p? ^>2 nncx nno Dipo bv. „Solange Israel nicht freudigen Herzens den Willen Gottes erfüllt", wiederholen sich, weil im Verhalten Israels gegen seine Bestimmung begründet, von Zeit zu Zeit die Anfeindungen der Völker, die Wellen der feindlichen Strömung rauschen wohl nach kurzer Zeit vorüber, aber sie erscheinen wieder, es bedarf des steten Eingreifens, um Israel zu schützen, „nnax nna", aber auch der Wunden, die ihm die Völker schlagen, um ihm die Höhe seiner Bestimmung zum Bewußtsein zu bringen, nncn mpo bv wsn cttny l?x-itpw pm. Würde jedoch Israel den Willen Gottes heitern, freudigen und stolzen Herzens erfüllen, würde Israel seine Bestimmung, der Menschheit als glänzendes Beispiel tiefdurchdrungener Göttlichkeit, als das schönste Lebensziel betrachten und sein Beruf ihm innigster Herzenswunsch sein, dann „nnon" würde Israel mit einem Schlage allen Anfeindungen ein Ende machen, seine Liebe zur Thora würde es mit den Strahlen der Göttlichkeit umgeben und ihm die Hochachtung und die Liebe der Völker erwerben. Das Augenmerk der israelitischen Richter müßte daher stets darauf gerichtet sein, daß: oyn nx ltDBitn p-js bbpd, die Einhaltung und Erfüllung der Rechtsbeftimmungen der Thora zur Tugend, zum Herzenswunsch des Volkes werde, denn: 'i ra:n npnio BHpj tsmpn bwv bbpd3 nw2x. „Wohl wird Gott schon durch die Erfüilung des Gesetzes erhöht, seine Allmacht anerkannt, aber die höchste Huldigung, die Heiligung Gottes, sie gibt sich erst in „np-rc" der zur tiefen Innerlichkeit, zur Herzenstugend gewordenen Gottesgesetze kund: »» n*2pn "idx pa rosnö ’jx pn nx bhdimd anxip rran O2"»n nx ana^a anx nxi '121 udwob mx23 'i ran naxjB' r.2 ‘i&xjsp pa Dsnx $>xu ^x tb pni npnan arpjw xnb ’nyittf’ ronp '2 npTJ wjn bbpd na» 'i nox tiP"6 'npiLi. „Meine Kinder, spricht Gott zu Israel: Beobachtet Ihr das Recht, Ich werde dadurch erhöht", so heißt es: „Erhöht wird Gott durch das Recht, beobachtet Ihr aber beides, das Recht und die Liebe, ist die Erfüllung des Rechts Folge Eurer Liebe zu demselben, Ihr habt dann das höchste Ziel Eures Lebens erreicht und Ich erlöse Euch sofort, denn so heißt es: „Beobachtet das Recht, übet es als Herzenstugend, nahe ist dann Meine Hilfe und die Enthüllung Meiner Liebe zu Euch!" Und auch unser Wahlspruch laute: Gewissenhafte Erfüllung unserer Religionspflichten, gepaart mit jener flammenden Liebe zu denselben, von welcher der Dichter des Hohenliedes wiederholt singt: „Ihre Gluthen sind wie Feuergluthen, ihre Flammen, Flammen Gottes. Fluthen Wassers können nicht löschen die Liebe, nicht Ströme schwemmen sie weg", jene Gottesliebe, die über alle Schranken hinweg mit mächtigem, nie ermüdendem Fluge zur Höhe des Allvaters emporstrebt.