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Der Israelit · 1890-08-21 · Heft 66 (21.8.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 66 (21.8.1890)
Date
1890-08-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1206 Israels nicht Grund genug, um der Menschheit Hochachtung abzunöthigen? Wenn -fr y» ntyöte fr iw kein- Grashalm auf Erden vorhanden, der nicht seinen Fürsten im Himmel hätte, wenn selbst das unbedeutendste Gläschen nicht der Willkür überlassen und dessen Entwickelung das Ergcbuiß ewiger Gesetze ist, die nicht als blinde Kräfte in der Natur wirken, sondern als Boten des Himmels, als pw D’Dtp ropin, die Gott der Natur vorgezeichnet, sollte die Geschichte der Menschheit hinter der Geschichte der Natur Zurückbleiben? Sollte die Geschichte der menschlichen Entwickelung aus zufälligen unmotivirten und räthselhaften Erscheinungen bestehen? In der Geschichte der Menschheit walten ebenso ewige Gesetze wie in der Natur, wie sie aber hier nicht an der Oberfläche der Erscheinungen haften und nur durch anstrengende geistige Thätigkeit entdeckt werden, so können auch die treibenden intellektuellen Kräfte die ewigen Gesetze der Geschichte nur in der Tiefe der Forschungen aufgefunden werden. Das unermüdliche Nachspüren den Motiven der geschichtlichen Ereignisse führt über kurz oder lang auf ihren ursächlichen und nothwendigen Zusammenhang und zeigt uns, daß auch hier alles tief begründet im göttlichen Weltenplane liegt. Auch unser Problem, wie die Nichtachtung Israels seitens der Völker bei Hochachtung der Thora zu erklären sei, findet, sobald wir auf die Bestimmung und den Character Israels näher cingehen, seine wohlbegründete Lösung. In jenen Sphären, wo keine Willensfreiheit vorhanden, ist: ojip jut nisva D’tsny „Sie erfüllen mit Beben den Willen ihres Schöpfers", das höchste Lob, welches den Himmelsmächten gespendet werden kann; in der Natur, wo wohl Leben, aber kein Bewußtsein existirt, alles in seiner Entwickelung von ehernen himmlischen Gesetzen bestimmt wird, alles seinem „nbycbo tv" regierenden Fürsten von Gottesgnaden blindlings zu gehorchen hat, ist es schon rühmenswerth daß: pawi D\nx mo nyj ra m, daß „trotz der Fülle der Naturkräfte, der Menge der Naturerscheinungen, keine Kraft, keine Erscheinung hinter ihrer Bestimmung zurückbl'eibt." Diese genaue Erfüllung ihrer Aufgabe wird uns aber nie eine Hochachtung für die Naturerscheinungen abnöthigen, bei aller Anziehungskraft, die sie auf uns ausüben, bewundern wir nicht sie selbst, sind sie ja nur willenlose, nothwendige Ergebnisse höherer Mächte; die in ihrem Hintergründe wirkenden und sie hervorbringenden Kräfte, die sind es, welche uns Bewunderung und Staunen einflößen. Daß Israel seiner göttlichen Bestimmung, Träger der reinen Gotteslehre zu sein, nachkommt, erwirbt ihm so wenig die Hochachtung der Menschen, wie das Blühen der Blume, das Gedeihen der Pflanze, das Leben dem Thiere, das Dränen dem Donner, das Zucken dem Blitze und das Fluthen dem Wasser, die unbewußt, den sie regierenden Kräften gehorchen. Kraft der einstigen Erwählung zum Träger der Gotteslehre ist Israel nun mehr genöthigt seinem Berufe treu zu bleiben, seiner Bestimmung nachzukommcn, wie die Naturgesetze ihre Zwecke zu erfüllen. Denn die Menschheit kann der steten Verkünder des reinen Gotteswortes nicht entbehren, da selbst die schönsten und erhabensten Ideen im Laufe der Jahrhunderte getrübt und von Beiwerk umrankt unkenntlich gemacht werden. Ein jedes hartnäckige Sträuben Israels gegen seine Bestimmung hatte geschichtliche Ereignisse zur Folge, die ihm tieferschütternd zum Bewußtsein brachten, daß es „td ino noijn yattno", Kraft seiner einstigen Gelobung am Berge Sinai gezwungen ist, in seinem Berufe auszuharren. Dieses Ausharren bringt Israel solange keine Hochachtung seitens der Menschheit, bis es nicht dasjenige, was alle Naturwesen gezwungen thun, mit vollem Bewußtsein, aus freiem Antriebe und mit freudigem und stolzen Herzen vollführt. Erst die Liebe zu seinem Berufe erhebt Israel über die Naturwesen, die volle, liebreiche Hingabe an seine Bestimmung macht es neben den göttlichen Lehren zu einem gleichberechtigten Factor in der Beförderung der geistigen Entwickelung der Menschheit und erwirbt ihm Hochachtung. Daß Liebe zu seinem Berufe Israel durchdringen soll, erhellt schon aus der Eigenthümlichkeit der heiligen Sprache der Thora. Abgesehen von den Geistesprodukteu, die in der hebräischen Sprache geschrieben, ist ja Liebe der warme Hauch, welcher sie ganz durchweht. Schon daß die einzige rythmische Form derselben der Parallismus ist, zeugt, daß sie vorzugsweise für Herzensergüsse und Empfindungen sich eignet. „Sobald sich das volle Herz des Dichters ergießt, strömt Welle auf Welle, wenn die erste am Ufer sanft verfließt oder schäumend sich am Ufer bricht, rauscht auch schon die zweite heran, um ihr Schicksal zu theilen." Eine Fülle von Begriffen zu einem Ganzen zusammenzufassen und sie aneinander uuterzuordnen, hierzu eignet sich die hebräische Sprache nicht, weil sie mehr der Dolmetsch leichter Herzenserregungen als nüchterner und kalter Gedanken ist und sie in Folge ihrer kindlichen und reizenden Herzlichkeit dem Kinde gleich in kurzen und aneinander nebengeordneten Sätzen zu uns spricht. Die heilige Sprache ist so sehr Herzenssprache, daß sie den mit Verstand und Vernunft Begabten „2b rnri" nennt, nicht als wäre das Herz Sitz des Verstandes, sondern weil dieser, soll er einen sittlichen Werth haben, von der Liebe des Herzens durchströmt sein und nur von ihr den Impuls zur Thätigkeit empfangen muß. Aber gerade diese von der Thora und deren

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