Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 66 (21.8.1890)
- Date
- 1890-08-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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i hehr. B’JChWdiua* V'4^/fFURT J1S66. Israelit««»Zeschurun Zritslhrlst W FördMW D. Geistes M D. Kebeis l« DM8, Gemeinde md Klynie. Kentral'-Hrgan für das orLhodore Iudentßum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 21. August 5650 (1890). Leitender Artikel. Die Liebe zur Thora. Von Rabbiner Dr. M. I u n g. . Mannheim, 19. August. Der Ausgangspunkt unserer Betrachtung zu Paraschath Ekeb war die glänzende Bestätigung der Göttlichkeit der Thora durch den sittlichen und geistigen Aufschwung der Menschheit. Die in der Wüste Arabiens einer verhältnißmäßig kleinen Anzahl Menschen verkündete Thora ist heute durch Uebertragung in fast sämmtliche lebende Sprachen zum Gemeingute der Welt geworden. Diese glorreiche Errungenschaft, dessen sich kein anderes Werk rühmen kann, ist der Thora als göttliche Verheißung mitgcgeben worden, als sie sich anschickte, ihren ersten Gang durch die Geschichte zu machen. Die Anziehungskraft der Thora blieb sich durch alle Wirren der Völker und Zeiten gleich. Ihre stete Anziehungskraft ist das größte Wunder unter allen Wundern der göttlichen Allmacht. Die gewaltigen Fortschritte der Menschheit, die überraschenden Resultate der naturwissenschaftlichen Forschung haben ebensowenig wie die verwegene Zersetzung, leichtfertige Behandlung und absichtliche Herabzerrung der Thora in das Gebiet der rein menschlichen Producte ihrem Werthe und ihrer Wirkung auf die Herzen Abbruch thun können. Ihrem Schöpfer gleich schaut die Himmlische lächelnd aus das kühne Unterfangen der Menschen herab und spottet ihrer. Selbst die bloße kunstlose Uebertragung derselben in fremde Sprachen, der bloße Versuch der Abschaffung ihres göttlichen Wesens erregt die Aufmerksamkeit der Denker unter den unwissenden Völkern und des unentwickelten Verstandes der Jugend. Die Thora ist ein Lenchtthurm am stürmischen Meere des Lebens, welcher seine feurigen Strahlen über hochaufgetbürmte Wellen hinstreut, um dem Lebensschifflein auf wogender Fluth voranzuleuchten. Sobald ein Strahl dieses Lichtes in das Menschenherz fällt, beseelt ihn neues Leben und er steuert dann selbst auf stürmischer See heiter und frohen Muthes der Höhe der idealen Bestimmung des Menschen entgegen. Wie bet der Spaltung des Schilfmeeres, in jenem Momente, in welchen! die göttliche Kraft sich in nie gesehener Fülle äußerte, Israel, das vor Kurzem noch Sklavenketten getragen, seinem Dankbarkeitsgefühle über die Rettung in hochpoetischen Ergüssen Ausdruck gab, wie in jenem Augenblicke das israelitische Volk, welches damals mit nur geringer Empfänglichkeit für das Göttliche ausgestattet war, von den kraftvollen Erscheinungen so überwältigt wurde, daß selbst m’^ -misi vsd ti doi» p:v> pwn, solche, die sich sonst der Sinnlichkeit und Erdenlust Hingaben, das Sinnliche von sich abstreiften und ein Loblied zur Ehre Gottes anstimmten — mit derselben Macht zieht das Göttliche der Thora die vorurtheilslosen und durch den trügerischen Zeitgeist nicht verblendeten Menschen an, entreißt sie den fluthcnden Wogen der Sinnlichkeit, erhebt sie aus der niederen Erdensphäre auf jene Höhe, aus welcher der Mensch sich der Ehrfurcht vor Gott nicht erwehren kann, und von Seiner Erhabenheit überwältigt, sich dcnlüthig vor Ihm beugend, Dankeslieder ob der ihni zu Theil gewordenen Erleuchtung gen Himmel emporschickt. Bei Erwägung dieser glorreichen Erfolge der Thora erscheint es uns doppelt räthselhaft, daß während die Thora Israels bei allen Völkern die Grundlage der Gesittung und humaner Anschauung geworden und somit von aller Welt hochgeachtet und verherrlicht wird, Israel selbst der von Gott erkorene und erwählte Träger dieser Lehre seitens der Menschheit sich nicht derjenigen Hochachtung erfreut, die ihm voll und ganz zu gebühren scheint? Muß man nicht angesichts dieser befremdeten Erscheinung mit dem Talmud ausrufen: ddd ’jsl? 'O'"p rÄ min idd »jbb 'v"pi \jn Wie thöricht muß doch die Menschheit sein, die sich ehrfurchtsvoll vor den Lehren der Thora beugt, aber nicht vor deren Trägern? Kann an ein Volk eine größere Anforderung gestellt werden, als die ihm von der göttlichen Vorsehung angewiesene Stelle im Kreise der Völker voll auszufüllen? Ist die Erfüllung der welthistorischen Aufgabe von Seiten