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Der Israelit · 1890-08-18 · Heft 65 (18.8.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 65 (18.8.1890)
Date
1890-08-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1195 Rumänien. Bukarest, 7. August. Aus der Grenzstation Ungheni wird ein Akt bestialischer Rohheit gentclbet, dessen sich die längs des russischen Pruthnfers ausgestellten russischen Grenzwachen an zwei harmlosen Bewohnern der Stadt Jassy schuldig gemacht haben. Wie alljährlich um die Sommerszeit, haben sich auch während der letzten Wochen wiederholt ganze Gesellschaften aus Jassy nach dem nahen Ungheni begeben, um in den Wellen des rumänischrussischen Grenzflusses Pruth ein erfrischendes Bad zu nehmen. Dabei ist es häufig vorgekommcn, daß der eine oder der andere der Badegäste den Fluß seiner ganzen Breite nach durchschwamm, ohne daß es der am russischen Ufer ausgestellten Strandwache beigcfallen wäre, in dieser Schwimmübung einen Angriff auf die Integrität des Zarenftaates zu erblicken. Als aber dieser Tage dasselbe Experiment von zwei Mitgliedern einer Jassy'er Badcsclischaft versucht wurde, wurden dieselben, ans der russischen Userseite angelangt, von mehrcreren russischen Grenzsoldaten ergriffen, vollends an das Land gezerrt, und dort ans Befehl eines rnssischen Beamten in unerhört barbarischer Weise mißhandelt. Man drückte sie auf die Erde nieder und bearbeitete ihre nackten Körper erst mit Knutenhieben so lange, daß ihnen das Blut vom Leibe rann. Sodann rieb man die Unglücklichen über und über mit Brennesseln ein, und warf schließlich die vor Schreck und Schmerz halb ohnmächtigen Opfer russischer Brutalität unter Schimpfreden und Hohngelächter in den Fluß. Nur mit äußerster Anstrengung vermochten die Bedanernswerthen das rumänische Ufer wieder zu erlangen, von welchem aus eine zahlreiche Badegesellschaft der empörenden Mißhandlung zugesehen hatte, ohne etwas zum Schutze ihrer Genossen thun zu können. Leider ist auch wenig Aussicht vorhanden, daß denselben eine der erlittenen Unbill entsprechende Genugthuung verschafft werde. Die beiden Unglücklichen sind nämlich Israeliten und haben als solche wenig Hoffnung auf eine behördliche Intervention zu ihren Gunsten. Denn hat sich auch seit dem Sturze des nationalliberalcn Regimes die Lage der Israeliten in Rumänien wesentlich gebessert, und sind auch namentlich die junistischen Mitglieder der Parlamcntsmajorität davon überzeugt, daß das gegenwärtige Berhältniß der Vaterlandslosigkeit, in welchem sich die große Menge der in Rumänien geborenen und erzogenen Israeliten dem rumänischen Staate gegenüber auch dann befindet, wenn sie im rumänischen Heere ihrer Militärpflicht nachgekommen sind, auf die Dauer unhaltbar ist, so werden doch noch Jahre vergehen, bevor dieses den sonstigen liberalen Verfassungsbeftimmungen Rumäniens geradezu Hohn sprechende Berhältniß eine gesetzliche Abänderung erfahren wird. Feuilleton. Eine beknnnVe Mrelndie. Eine Erzählung von B. Hause. (Fortsetzung.) Der in dem Gehirne des Fräulein Carlisle in der geschilderten Weise angestrengte Gedankengang fand seine ganz naturgemäße Fortsetzung und Erweiterung darin, daß die äußere Erscheinung Meserltzer's, mehr als vielleicht sonst geschehen wäre, gleich von vornherein in den Vordergrund ihrer Betrachtung gerückt wurde, indem sie jetzt dachte: „Da meine Eltern den Herrn Meseritzer, trotzdem sie ihn mir zum Lehrer bestellt haben, für mich als so sehr gefährlich erachten, so muß ich denselben doch einmal recht genau betrachten, ^um zu sehen, ob er wirklich ein so gefährlicher Mensch ist und ob mau ihm von dieser Gefährlichkeit etwas anmerkt." Und das that sie dann auch! Sie betrachtete sein schönes, geistreiches Gesicht während des llntcrrichts sehr aufmerksam, sie musterte und durchforschte alle seine Gesichtszüge auf das allergenaueste und kannte diese bald so gut auswendig, daß sie dieselben sogar des Nachts oft ganz deutlich im Traume vor sich sah. Ja, sie hatte sich sogar beim Unterrichte, wenn Meseritzer in längerer Rede zu ihr sprach, schon einigemal ertappt, daß sie gar nicht ans seine Worte horchte, obgleich sie ihm sehr ernst und aufmerksam in das Gesicht sah, sondern nur daran dachte, wie schön ihm das Sprechen stehe, und wie noch viel interessanter sein Gesicht aussehe, wenn seine Züge sich im Sprechen so beleben. Ihre auf dem Beobachtungsposten sitzende Mutter schrieb dieses unverwandte Hinsehen ihrer Tochter auf Meseritzer während seines Sprechens der außerordentlichen Aufmerksamkeit derselben zu und freute sich darüber. Und je länger und je öfter Fräulein Earlisle ihren Lehrer betrachtete, desto besser gefiel er ihr, desto schöner fand sie ihn, von Gefährlichkeit konnte sie aber durchaus nichts an ihm entdecken. Es ist daher auch nicht im Geringsten zu verwundern, daß sie schon nach dem Verlaufe einiger Wochen eine tiefe Neigung zu Meseritzer gefaßt hatte und sich darüber auch bald klar wurde. Sie war des Morgens nach einem erquickenden Schlafe erwacht, als eben wieder ein süßer Traum sie umgaukelt hatte, in welchem sie sich neben Meseritzer auf dem Sopha sitzend gesehen hatte; und er war so freundlich mit ihr gewesen und sie hatten so liebeglühende Blicke ausgetauscht. Es war ihr

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