Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 65 (18.8.1890)
- Date
- 1890-08-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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in den profanen Wissenszweigen so ausbildet, daß sie mit den Kollegen der staatlichen Lehrerbildungsanstalten sehr wohl konkuriren können. Das Resultat ist ein um so erfreulicheres, als zum ersten Male die Zöglinge auch in der Musik gleichmäßig mit den andern geprüft wurden. Es hat sich demnach die Reorganisirung von zweijähriger zu dreijähriger Semiuarzeit glänzend bewährt. Zum Lobe muß aber auch erwähnt werden, daß sowohl die Vorstandschast ourch ihre Umsicht und Leitung, durch die Gewinnung der möglichst besten Kräfte, als auch Lehrer und Schüler durch Fleiß und Ausdauer ihr Bestes zu obigem Resultate gethan haben. Möge diese ebenso segensreich als wohlthätig wirkende Anstalt immer mehr aufblühen und die wohlverdiente Anerkennung finden! Mögen die an ihr wirkenden Kräfte, ja alle, die sie zu stützen und zu heben suchen, sich solcher Erfolge noch recht lauge erfreuen! Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Bekanntlich hat die gemeinderäthliche Majorität der antisemitischen Opposition einige Stellen in den verschiedenen gewählten Commissionen concedtrt. Man war nach diesem Acte von allerdings selbstverständlicher Connivenz zu der Erwartung berechtigt, daß die antisemitischen Commissionsmitglieder ihr Amt, wie dies in der Natur der Dinge gelegen hätte, in rein sachlicher Weise ausüben werden. Aber nein, sie mißbrauchen die Macht, welche man ihnen freiwillig eingeränmt, sie terrorisiren als Minderheit die Majorität, indem sie derselben ihren Willen ausoctroyiren. So haben die antisemitischen Mitglieder der Zuständigkeits- Commission vor einigen Tagen die Ertheilnng der Zuständigkeit an sämmtliche jüdische Petenten verhindert, da ein derartiger Beschluß einstimmig gefaßt werden muß. Daß diese Gesuchsteller iusgesammt alle Qualifikationen besitzen, die ihnen das Recht geben, die Aufnahme in den Wiener Gemeindeverband zu verlangen, das ficht diese Muster- Stadtväter nicht an. Ja, sie kehren sich nicht einmal an ihr eigenes seinerzeit gegebenes Versprechen, in Zuständigkeits-Fragen ganz unparteiisch Vorgehen zu wollen. Offenbar stehen diese Herren zu sehr unter dem Machtgebote der antisemitischen Hetzpresse, die ihnen das Worthalten in einem solchen Falle sehr verargen würde. Unabhängigkeit der Gesinnung ist eben nicht Jedermanns Sacke, zumal wenn dieselbe ein Mandat kosten könnte. Wien. Man schreibt der „Oesterr. Wchschr." : Unter den edlen Characterzügen des Judenthums, welche auch seine Feinde in Staunen setzen, ragt die Pietät gegen seine Todten besonders hervor. Wir Juden kennen keinen Leichenpomp, dafür hat aber der ärmste Jude sein eigenes Grab und dieses Grab ist ein heiliges Vermächtnis; der Familie. Das Umgraben eines Gottesackers ist dem Juden nicht gestattet und mit welchen Opfern und nach welch' laugen Processen erhalten z. B. die Prager Juden ihren alten Friedhof. Auch die Wiener israelitische CultuSgemeiude besitzt im IX. Bezirk in der Seegaffe einen solchen alten von Sagen umwobenen Friedhof. Sollte mau nicht meinen, daß die Pietät zum Besuche desselben drängt? Aber nein, der größere Theil der Wiener Juden hat nicht einmal eille Ahnung von dem Vorhandensein dieser heiligen Stätte, aus welcher die Steine die dreihuuderijährige Geschichte der Juden in Wien erzählen. Und wenn Einer zufällig dahiukommt, wird er von keinem erhebenden Gefühl übermannt; er empfängt vielmehr das niederdrückende Bild der Zerstörung. Die Grabsteine liegen zerschmettert und die Stücke derselben zerstreut nach allen Richtungen. Es führt keine Spur mehr ans die Gräber, die doch uns Allen werth und theuer sein sollten. Wo ist z. B. die Grabstätte des Verfassers von Or-srua, des Sohnes von Jesaia Horwitz, zu finden? und von der Familie des Schloh-Hakadosch leben doch noch Nachkommen in Wien, die Kinder des seligen Rabbiners Horwitz. Wäre es nicht der Wiener Eultusgemeiude würdig, die noch vorhandenen Grabsteine vor gänzlichem Verfall zu retten, wenn sie auch dafür einen eigenen Posten in das Budget eiustellen müßte. Was nützt es, daß diese Gräber vor Jahren durch Ludwig August Frankel beschrieben wurden Das Schicksal von Büchern ist bekannt; mir saxa loquuntur. Die Gleichgiltigkeit gegen diesen allen Friedhof in der Seegasse kann auch nicht beschönigt werden durch das neue Altersversorgungshaus, welches diesem Friedhose vorgebaut ist. Die Todten haben ihre Rechte wie die Lebenden und jene dürfen nicht vergessen werden, diesen zu Liebe — das ist jüdischer Brauch und jüdische Sitte. Möge diese Anregung auf fruchtbaren Boden fallen und die historischen Reste der Wiener Judengemeinde für kommende Generationen erhalten werden. Lipto-Szt. Miklos, 7. August. Gestern fand in der lutherischen Kirche, welche die zahlreich erschienenen Gläubigen und Festgästc kaum zu fassen vermochte, die Installation des protestantischen Bischofs Baltik statt. Ans seiner Jnftallationsrede in ungarischer Sprache heben wir folgende Stelle hervor: Weil ich dem öffentlichen Wohle in meinem Vaterlande mit ganzer Kraft dienen will und den Frieden mit den sich zu einem anderen Glauben bekennenden Bürgern aufrecht zu erhalten für meine christliche und bürgerliche Pflicht halte, werde ich dieses gute Verhültniß pflegen.