Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 64 (14.8.1890)
- Date
- 1890-08-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1178 sicherlich auch eine TöbtungSart, bei welcher die Thiere eben nur den Schlag empfinden, die damit verbundene Gehirnerschütterung hat gewöhnlich die Gehirnsunktion, Empfindung und Bewußtsein schon vernichtet; wenn aber der Schlag nicht vollständig gelingt, oder gar wohl gänzlich mißlingt, so daß mehrere Schläge erfolgen müssen, ehe Betäubung eintritt, oder letztere wohl gar nicht durch die Erschütterung, sondern erst später durch Verblutung mittelst des Bruststichs herbeigeführt wird, dann ist diese Tödtungsart wirklich so schrecklich, wie sie aussieht und eine furchtbare Thierquälerei. Dieser Todtschlag ist nie so sicher, als der Halsschnitt, der Geübteste kann einen Fehlschlag thun." (Demnach ist für diese Tödtungsart nicht einmal viel durch Anstellung besonderer Schlächter erreicht.) Fuchs, Medizinalrath u. Professor in Karlsruhe: „WaS man auch über die Vorzüge des Schlages auf den Kopf vor der Abschlachtung sagen mag, so muß doch anerkannt werden, daß e8 auf den gefühlvollen Zuschauer nicht selten einen tieferen Eindruck macht, als das Schächten, und zwar um so mehr, als der Schlag mit Rohheit, mit ungeschickter Hand ausgeführt, oder sogar noch mit rohen Worten und boshaftem Gelächter begleitet wird." Fick, Professor an der Universität in Würzburg: „Der Tod durch Verbluten kann sicher kein qualvoller genannt werden, er dürfte etwas mit der Empfindung verbunden sein, die rin durch verminderten Blutdruck im Gehirn ohnmächtig werdender Mensch hat." Roloff, Direktor der K. Thierarzneischule in Berlin: „Es ist anzunehmen, daß der Tod durch Verblutung schmerzloser ist, als der Tod durch den Kopfschlag oder Genickstich." Diese Citate, die sich leicht verdoppeln und verdreifachen ließen, dürften genügen, um den vollendeten Gegensatz zu constatiren, welcher zwischen den wissenschaftlichen Forschungsresultaten dieser hervorragenden Träger der Wissenschaft und den in Rede stehenden Thierschutztheorien besteht. — Herr Bauwerker überhebt uns übrigens der Mühe, weitere Beweise zu bringen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. 8. Frankfurt a. M., im August. Im Interesse unserer kranken und leidenden auswärtigen Glaubensgenossen sehen wir uns zur Bekanntgabe folgender Zeilen veranlaßt. Es kommt sehr häufig vor, und die letzten Wochen weisen eine Reihe bestätigender Fälle auf, daß auswärtige kranke und leidende Glaubensgenossen, auf den wohlthättgen Sinn unserer Mitbürger bauend, und angezogen von dem guten Rufe, in dem unsere zwei jüdischen Spitäler stehen, aus weiter Ferne hierher komuien, um von langjährigen Leiden hier Heilung zu suchen. Trotz des guten Willens der Frankfurter, zu helfen, finden sich die Armen in den meisten Fällen aber enttäuscht, weil die Spitäler räumlich nicht ausreichen, all den Anforderungen zu genügen, die in dieser Beziehung gestellt werden, zumeist sind alle Plätze belegt. Das Loos solcher Hilfesuchenden ist ein trauriges, da die unzulänglichen Herbergen, auf welche sie sich angewiesen sehen, nur dazu geeignet sind durch mangelhafte Pflege und mangelhafte Gelasse, die vorhandenen Krankheiten eher zu verschlimmern, als zu verbessern. Das Günstigste ist es noch, wenn das städtische Armenamt sich dieser Kranken annimmt und sie in das städtische Spital anweift, das allerdings allen Anforderungen der Neuzeit in hygienischer Beziehung aufs Vollkommenste und Großartigste entspricht, in welchem aber die Erlangung einer jüdisch rituellen Kost eine Unmöglichkeit ist. Es geschieht im eigensten Interesse der Kranken, wenn wir Vorstände, Rabbiner und Lehrer der betr. Gemeinden ersuchen, den Leidenden von dem unüberlegten und folgenschweren Schritt, aufs Gerathewohl hierherzureisen, in der Hoffnung, in einem hiesigen jüdischen Spitale Aufnahme zu finden, aufs Ernsteste abzurathen und sie mit allen erlaubten Mitteln zurückzuhalten, bevor sie sich durch eine hierher gerichtete Anfrage vergewissert haben, daß Raum für die Ausnahme vorhanden ist. Wir ersuchen alle jüdischen Blätter des In- und Auslandes, unserer wohlgemeinten Kundgebung durch gefälligen Abdruck die größtmöglichste Verbreitung zu geben. Berlin. Brimann weilt, wie ein polnisches Blatt berichtet, zur Zeit in Cairo, wo er es einmal mit dem Muhamedanismus versucht hat. Nachdem er in Polen Jude, in England Protestant, in Oesterreich und Westfalen Katholik war, hält der Freund und Genosse der Herren Rohling nnd Ecker jetzt in Egypten Disputationen mit den Missionären ab, um ihnen den Vorzug des Islam zu beweisen. Bautzen, 31. Juli. In dem benachbarten preußischen Retchstagswahlkreise Rothenburg-Hoyers - Werda, wo der konservative Graf v. Arnim mit 8874 gegen 5265 Stimmen über den freisinnigen Rechtsanwalt Dr. Friede mann in Berlin zum Sieg gelangte, ist ebenso wie in den wendischen Distrikten Sachsens unter dem Deckmantel der wendischen Sprache in kaum glaublich schmähsüchtiger Weise gegen den freisinnigen Kandidaten angekämpft worden. So brachte beispielsweise kurz vor der Wahl die in Bautzen erscheinende wendische Zeitung Serbske Noviny einen Artikel, der sich in Ausfällen gegen den jüdischen Kandidaten Dr. Friedemann und das Judenthum im Allgemeinen erging. Dieser Artikel, der von einem evangelischen Geistlichen Namens Welan zu Schleife herrührte, enthielt die rohesten antisemitischen Schimpfereien und stellt den freisinnigen Kandidaten als „selbstsüchtigen Juden" hin. Die auf Grund dieses Artikels anhängige Beleidigungsklage führte bemerkenswerther Weise zu