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Der Israelit · 1890-08-14 · Heft 64 (14.8.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 64 (14.8.1890)
Date
1890-08-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1179 einem freisprechenden Urtheil, indem der Gerichtshof dem Angeklagten den Schutz des§. 193 (Wahrnehmung berechtigter Interessen) zubillkgte. Wenn auch anerkannt werden müsse, daß die Gegenüberstellung „selbstsüchtiger Jude" und „ehrbarer Christ" geeignet sei, die Ehre des Betroffenen zu verletzen, so sei doch der §. 193 zu berücksichtigen, denn so heißt es wörtlich in dem gerichtlichen Urtheile: „Der Zweck des Artikels war, den Wählern die Wahl des konservativen Kandidaten anzuempfehlen und sie von derjenigen des deutschfreisinnigen abzuhalten. Wenn in einem solchen Wahlkamps über einen anderen Behauptungen aufgestellt werden, die an sich ehrverletzend sind, so muß die Frage aufworfen werden, ob der Behauptende sein Vorbringen für zweckdienlich hielt und lediglich unter dem Einstuß des Zweckes handelte, oder ob er der Zwecklosigkeit seiner Aeußerung sich bewußt war; je nachdem wird der Schutz des §. 193 des St.-G.-B. zu gewähren oder zu versagen sein." Sollte dieses Urtheil auch in höherer Instanz aufrecht erhalten werden, so dürften bei künftigen Wahlkämpfen derartige Leistungen nicht mehr zu den Seltenheiten gehören. Stuttgart, 7. August. Die israelitischen Lehrer Württembergs hielten gestern hier ihre diesjährige Konferenz ab. Vor Beginn derselben bewilligte der Ausschuß in einer Sitzung Unterstützungen im ®eiammtbetx(iQe von 1600 M. Die Konferenz beschloß eine Bitte an die Oberkirchenbehörde um Förderung der Schullehrbücherfrage und berieth über die Stellung der israelitischen Lehrer und Vorsänger. Verschiedene Klagen wurden laut. Der Vereinsausschuß wurde mit der Einrichtung betreffender Petitionen an die Oberkirchenbehörde beauftragt. An der Konferenz schloß sich ein gemeinsames Mahl an. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 26. Juli. In Folge eines Beschlusses der studentischen Burschenschaft „Carolina", keine Juden aufzunehmen, ist eine große Zahl „alter Herren" ausgeschieden. Vukowar. (Slavonien). Am jüngsten rar ) diu — 2. August — feierte Herr Oberrabbiner David Löwy sein 40jähriges Amtsjubiläum als Rabbiner der hiesigen israel. Kultusgemeindc. Groß und mannigfach waren die Vorbereitungen und die verschiedenen Ovationen, die ihm von Seiten seiner Gemeinde, von den Komitats- und Stadtbehörden, von Vereinen und Corporattonen, in liebevoller und ausgezeichneter Weise gebracht wurden. Adressen in künstlicher Ausstattung — Glückwünsche, Geschenke mnpvi pinnv kamen ihm in Menge zu. Der Gottesdienst und die Predigt waren feierlich und erhebend. Die Feier gestaltete sich für den verdienstvollen Jubilar zu einer überaus schönen Ovation. Strakonitz. Der Vorstand der hiesigen Cultusgemcinde hat den seit 14 Jahren an der hiesigen deutschen Privat-Volksschule wirkenden Lehrer Herrn Jakob Sittig zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde ernannt. Durch diese Wahl soll die Gemeinde eine glückliche Requisition gemacht haben, weil Herr Sittig, obwohl er nie eine Talmudschule besucht, sich nie mit talmudisch-rabbinischen Studien befaßt und daher auch nicht die zur Bekleidung eines Rabbinates in erster Linie erforderliche Hatarot Horooh erworben hat, ein schönes Hebräisch (?) schreiben soll. Dieses Vorgehen des Vorstandes wird höchst wahrscheinlich in den kleinen Gemeinden Böhmens Nachahmung finden, und somit wird unsere Gemeinde sich rühmen dürfen, betreffs der Nabbinerwahlen, die oft als Gemeindequalen betrachtet werden, Schule gemacht zu haben. (Neuzeit.) Egypten. Alexandrien, Ende Juli. In den ersten Tagen des kommenden Monates wird hier das von Baron Bechor Menasche auf seine Kosten neuerbaute jüdische Spital feierlichst eröffnet worden. Dasselbe befindet sich in der großen Allee, die zu Moharrem Bey-Pforte führt und ist nach allen Anfordernngen der modernen Hygiene erbaut. Als Aerzte werden in demselben ausschließlich nur Israeliten fungiren, so daß die Kranken in der Erfüllung ihrer religiösen Pflichten ganz ungehindert sein werden. Daß auch die Küche in diesem Krankenhause eine streng jüdische sein wird , glaube ich gar nicht besonders hervorheben zu müssen. Kürzlich hat hier die Vermählung der Tochter des Herrn Leon Heller aus Cairo mit Herrn Cesare Aghion stattgefunden und war bei der Trauung Se. königl. Hoheit der Khedive durch seinen ersten Ceremonienmeister vertreten. Die Gattin des Khediven machte der Braut einen mit Brillanten besetzten Fächer zum Geschenke. Herr Heller stammt aus Nadudvar in Ungarn, wo noch heute seine Familie wohnt - ein Bruder von ihm fungirt als Advokat in Preßburg — und kam er nach manchem Abenteuer nach Egypten, wo er sein Glück machte und Hoflieferant des Khediven wurde. Derselbe gehört zu den geachtetsten und wohlhabendsten Kaufleuten der egyptischen Hauptstadt und pflegen ihm oft auch die Minister ihren Besuch zu machen. Briefkasten der Redaktion. Alle uns zugegangenen Berichten.Arbeiten, welche W^WWN Lehrer, Schulen, Unterrichtsgegenstände u. s. w. betreffen, sind für die „Pädagogische Beilage" zurückgelegt und werden, so weit als thunlich, berücksichtigt werden.

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