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Der Israelit · 1890-08-14 · Heft 64 (14.8.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 64 (14.8.1890)
Date
1890-08-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1174 Wochentage gänzlich schließen, damit man dann in den zwei anderen wenigstens eine entsprechende Anzahl von Andächtigen zusammenbringe, da auch hier der Spruch rmn oy m „Die Menge des Volkes erhöht den Glanz des Königs" angewendet werden darf. Bis jetzt hat dieser Vorschlag nur wenig Anhänger gefunden, da man sich hier doch nicht entschließen kann, so einfach zwei Gotteshäuser für sechs Tage zu schließen. Heute Freitag, Abends, fungirt Herr Josef Curiel, der zum Hasan am sephardischen Tempel in Bukarest ernannt worden ist, zum letzten Male als Vorbeter im hiesigen sephardischen Tempel, der aus diesem Anlasse recht zahlreich besucht werden dürfte. Herr Curiel ist ein Sohn unserer Gemeinde und genießt er hier den besten Ruf. Der Abschied von seiner Vaterstadt dürfte daher dem Manne nicht gar zu leicht ankommen. Rußland. Warschau. Der jüdische Kaufmann I. Barten st ein in Warschau hat 10,500 Rubel für wohlthätige Anstalten hinterlassen. Von den 92 Aerzten in Wilna sind 30 Juden. Griechenland. Corfu, im Juli. Unser Glaubensgenosse, Prof. Lazzaro Belleli, der eine wahre Zierde sowohl unserer Gemeinde, wie auch unserer Gelehrtenrepublik ist, wurde auf Vorschlag des Prof. Emile Legrand, Lehrer an der Schule für lebende orientalische Sprachen in Paris, und des gleichfalls daselbst lebenden griechischen Schriftstellers und Dichters, Dr. Vikelas, zum wirklichen Mttgliede der dortigen Gesellschaft »Lociete des Etndes Grecques en France“ ernannt. Uebrigens wurde Prof. Belleli schon vor drei Jahren auch zum Mitgliede der „Italienisch-asiatischen Gesellschaft" in Florenz ernannt und zwar auf Vorschlag der beiden dortigen Professoren, des Grafen de Gubernatis und des Commendatore Lasinio. So findet der griechische Gelehrte überall Anerkennung und Achtung, wo man den Rassenhaß noch nicht kennt, und wo man den Menschen nicht nach dem, was er glaubt, sondern nach dem, was er weiß und kann, schätzt und achtet. Bei den soeben vor sich gegangenen Semestralprüfungen an unserem Lyceum erhielten folgende jüdische Schüler Vorzugszeugnisse: Benjamin Nascon, Teofilo Mordo, Emanuele Moise, Gabriele Leonzini und Abraham und Jsac Faro. Es zeugt dies ganz deutlich, daß auch auf unserer Insel die israelitische Jugend bestrebt ist, sich dasselbe Maß von Bildung und Wissen anzueignen, wie ihre christlichen Jugendgenossen. Wie noch jedes Jahr, so wird auch Heuer unser verehrter Oberrabbiner die nöthigen Schritte bei unserem Kriegsministerium thun, damit dasselbe die in der Armee dienenden Israeliten über die herannahenden hohen Feiertage beurlaube. Die meisten dieser jüdischen Soldaten gehören den griechischen Inseln und dann der von der Türkei 1883 an Griechenland abgetretenen Provinz Epirus an. Im eigentlichen Griechenland findet sich nur in der Stadt Athen eine jüdische Gemeinde und eine solche dann auch auf der Insel Eubca oder Negroponte undzwar in der Stadt Chalkis. Diese indischen Inselbewohner sprechen fast ausschließlich Griechisch, wie sie sich überhaupt mit Ausnahme ihrer religiösen Satzungen, die sie sehr strenge beobachten, nur sehr wenig von den anderen Griechen unterscheiden. Es scheint, daß dieselben von jenen Israeliten abstammen, die sich zur Zeit der Kreuzzüge aus Athen, Theben rc. nach der genannten Insel gereitet haben, um dort treu nach den Lehren Moses leben zu können. Diese Insel gehörte damals gleichfalls der Republik Venedig, die stets tolerant gegen die Juden war und erst gegen Schluß des vorigen Jahrhunderts antisemitische Ideen zu hegen begann und vor Allem die Juden, die in dem eigentlichen Venetien lebten, auswies. Dieselben fanden nun in Oesterreich, wo damals der äußerst tolerante Josef II. regierte, gastfreundliche Aufnahme und sie ließen sich theils in Triest, theils wieder in Görz und Gradisca nieder. Wenige Jahre nachher machte dann Napoleon I. der Republik Venedig ein Ende und die verbannten Juden konnten wieder in ihre Heimath zurückkehren, pw \3s^. So ist über die Republik Venedig vor ihrem Zusammenbruche antisemitischer Hochmuth gekommen, der ihr in den Augen der freisinnigen französischen Revolutionäre ungemein schadete. T ü r k e i. Konftantinopel, 18. Juli. Se. Majestät der Sultan hat abermals einen Beweis seines Wohlwollens für die jüdischen Unterthanen gegeben. Oberrabbiner (Chacham Baschi) Moise Levy hatte kürzlich die Ehre des Empfanges, der Sultan erkundigte sich sehr huldvoll über Zahl und Einrichtung der jüdischen Gemeinden in den verschiedenen Landestheilen und sagte bei dieser Gelegenheit wörtlich.- „Ich verabscheue die antisemitische Bewegung und bin überzeugt, daß für Niemanden etwas Gutes daraus erwachsen kann." Das angesehenste Organ der Hauptstadt „Turquie“, verbürgt sich für den Wortlaut der Aeußeruug. Amerika. Aus Salem, New-Jersey, berichtet die New-Zjorker Handelszeitung: Alliance, die von aus Rußland entflohenen Juden vor acht Jahren gegründete Kolonie ist heute eine blühende Ortschaft

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