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Der Israelit · 1890-08-14 · Heft 64 (14.8.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 64 (14.8.1890)
Date
1890-08-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1173 ein müder Wanderer stieg hinab in's Schattenreich, ein gottbegnadeter Geist entschwebte in die lichtvollen Höhen. Möge lindernder Trost in das Herz der edlen Gattin und der gottcsfürchtigen Kinder einkehren; mögen die wacker» Nachkommen die Säule, die vor der Zeit gestürzt, durch Fortsetzung des Lebenswerkes, das der Verblichene begonnen, wiederausrichten, die Mit- und Nachwelt wird dann anerkennend ausrufen. d"n DHicr in N. D. Halberstadt, 4. August. Soeben haben wir das älteste Mitglied unserer Genieinde zu Grabe getragen: Frl. Johanna Hirsch, die Seniorin der über das Weichbild unserer Stadt hinaus gefeierten Familie. Trotzdem die Verblichene das hohe Alter von 83 Jahren erreichte, hat ihr Hintritt dennoch, wie bei den Angehörigen, auch in der ganzen Gemeinde tiefschmerzliche Trauer geweckt, welche sicherlich bei allen denen, welche sie gekannt, ein gleich schmerzliches Echo wecken wird. Eine Tochter des unvergeßlichenR. Aron Hirsch hat sie alle die Tugenden in sich ausgenommen und in ihrem fast drei Menschenalter umfassenden Leben bethätigt, welche der große Vater durch Lehre und Beispiel ihr eingeflößt: tiefsinnige, glaubens- und pflichtenstarke Frömmigkeit, welche alles körperliche und seelische Leid, an denen ihr Leben überreich war. mit Gottergebenheit trug, hilfsfreudigcs, opferbereites Wohlthun, deren Bethätignng in des Wortes wahrst-r Bedeutung ihr ganzes Leben ausfüllte. Diese Tugenden der Dahingeschiedenen feierten bei der heute stattgehabten Beerdigung, zu welcher die ganze Gemeinde erschienen war, zunächst im Trauer- Hause die Herren Rabbiner Dr. I. Hildesheimer- Berlin (der Schwager der Verblichenen), Rabbiner I. Nobel-Halberftadt, Rabbiner Dr. I. Bondi- Mainz und dann auf dem Friedhofe unser Rabbiner Herr Dr. S. Auerbach, der in hinreißend beredten, tiefergreifenden Worten ein Bild von dem Leben und Wirken dieser „wahrhaften Pricsterin der Mildthätigkeit" zeichnete. (Jüd. Pr.) Belgien. Ostende, 5. August. Bei dem jüngsten Aufenthalt Kaiser Wilhelms hat hier ein Mitarbeiter der „Jndöpendance belge" mit einem Begleiter des Kaisers eine Unterredung gehabt, deren Inhalt derselbe in seinem Blatte veröffentlicht und aus welcher wir folgende bezeichnenden Sätze hcrvorheben, welche darthnn sollen, wie sehr der Monarch durch fein energisches Auftreten die engherzigen Behauptungen über seine Person Lüge gestraft. Dort heißt es u. A.: „Der Herrscher, den man beschuldigte, sich eng mit der Partei des Pastors Stöcker unter dem Einfluß unserer Kaiserin verbunden zu haben, hat gerade das Gegentheil von dem gethan, was man von ihm erwartete. Hat er nicht ganz unlängst die Ernennung eines sehr liberalen Theologen für die Universität bestätigt und die Ernennung eines Juden zum Rektor bei der Hochschule in Halle genehmigt! Man behauptet, er sei der Partei der Kreuzzeitung geneigt, und er beruft einen liberalen Finanzminister." Oesterr. - Ungar.-Monarchie. Wien, 26. Juli. Ein österreichisches Fachblatt lenkt die Aufmerksamkeit der Leser auf die Erscheinung, daß eines der ältesten Werke der deutschen Litteratur das „Lalenbuch", zum ersten Male 1589 gedruckt, unverkennbare Spuren aufweist, welche zeigen, daß sein Verfasser ein Jude gewesen sein muß. Derselbe schrieb das Buch unter dem Pseudonym: „Aleph, Beth, Gimel." Wien. Der neugewählte Vereinsprediger des israelitischen Tempels in Mariahilf, Dr. Leopold Weinsberg, wurde am 2. d. installirt und hielt seine Antrittspredkgt über „Die Bedeutung der weltgeschichtlichen Mission Israels." Budapest. In Budapest und in einer der ältesten Gemeinden des Landes trug sich kürzlich folgende Scene zu: In Wien wohnt seit Jahren ein jüdischer Kaufmann, welcher nach österreichischem Gesetze seit 8 Jahren in einer Eivilehe mit der Tochter eines Wiedner Hausherrn lebt. Seiner Mutter, einer sehr frommen Frau, gab der Sohn das Versprechen, im Falle Kinder aus der Ehe entstammen, selbe nach jüdischem Glauben zu erziehen und das Hauswesen nach ihren Anweisungen echt jüdisch zu leiten. Sie erhielt sein Versprechen und Ehrenwort. Nun ist die treue Anhäugerin ihres Glaubens, die zärtliche Mutter ihres Sohnes, im Dezember 1889 den Weg alles Irdischen gegangen. Da bat die nunmehrige Frau des Hauses ihren Gatten, er möge jetzt, nachdem die Mutter nicht mehr unter den Lebenden weilt, mit den Kindern zum Christenthum übergehen. Nach langem Zögern erklärte der Gatte, das am Todtenbette gegebene Versprechen nur dann außer Acht zu lassen, wenn er vor Zeugen bei einem Rabbiner seines Versprechens entbunden würde. Obgenannter Kaufmann wandte sich an die Wiener und Pesther Rabbiner, welche ihn aber Alle mit seinem Verlangen abwiesen. Nur der Rabbiner einer alten Nachbar-Gemeinde brachte das Geschäft in Gegenwart des Schächters und Tempeldieners zu Stände und überlieferte die fünf jüdischen Seelen dem fremden Glauben! Triest, 1. August. Unsere Eultnsgemeinde besitzt bekanntlich vier große Gotteshäuser, in denen theils der sephardische, theils der italienisch-deutsche Ritus herrscht. Leider sind von diesen vier Gotteshäusern während der Wochentage höchstens zwei gut besucht. Unser „Corriere" tritt nun mit dem Vorschläge hervor, man möge zwei derselben über die

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