Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 64 (14.8.1890)
- Date
- 1890-08-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1175 mit 612 Einwohnern. Das zu der Kolonie gehörende Land, welches vor acht Jahren nur Doll. 12 per Acre Werth war, ist heute kaum für Doll. 100 zu kaufen. Die Kolonisten kommen gut vorwärts und sind zufrieden. China. China. Im Dienste der chinesischen Regierung steht ein österreichischer Jude, Herr Sigmund Rosenbaum. Derselbe ist Zolleinnehmer in Amoy und Verfasser des chinesisch-englischen Index zu Dr. F. Porter - Shmith's „Materia Medica of China“. Herr Rosenbaum ist im Begriff, nach einer 23jährigen Abwesenheit von seinem Heimathlande demselben jetzt einen Besuch abzustatten. Ein? bekannte Eine Erzählung von B. Hause. (Fortsetzung.) Am nächstfolgenden Sonntage begann Meseritzer seine Unterrichtsthätigkeit bei sämmtlichen übernommenen Schülern. Im Hause Carlisle's wußte er den Unterricht im Wohnzimmer ertheilen, während dieses von den früheren Lehrern, welche freilich viel ältere Herren waren, in einem für Fräulein Carlisle besonders eingerichteten, auch mit einem guten Clavier ausgestatteten Unterrichtszimmer geschah. Als Meseritzer eintrat, befand sich Frau Carlisle allein im Zimmer, Carlisle selbst bekam er überhaupt nicht mehr zu Gesichte. Sie gab ihm seine Zeugnisse zurück, da ihr Mann dies zu thun vergessen hatte, und sagte, daß das „gnädige Fräulein" sogleich erscheinen werde. Mit dem „gnädigen Fräulein" war ihm ein Wink gegeben, wie er ihre Tochter fernerhin anzureden habe. Meseritzer war klug genug, diesen Wink zu verstehen und zu befolgen. Erst jetzt, als er sich mit Frau Carlisle allein im Zimmer befand, fiel ihm die Aehnlichkeit von Mutter und Tochter auf. Frau Carlisle mußte in ihrer Jugend eine große Schönheit gewesen sein und war jetzt noch eine sehr schöne, stattliche Dame, deren Augen Klugheit verriethen und deren angenehme, regelmäßige Gesichtszüge noch voller Liebreiz waren und dieses noch bedeutend mehr gewesen wären, wenn sich ihnen nicht ein starker Zug von Stolz beigemischt hätte. Das „gnädige Fräulein" erschien nach einigen Minuten, und Meseritzer begann auch alsbald mit dem Unterrichte, den er von da ab Tag für Tag, mit Ausnahme des Samstages, regelmäßig zu der festgesetzten Stunde, nach der vorher bestimmten Ordnung und Reihenfolge sortsetzte. Er hatte alle Ursache mit seiner Schülerin zufrieden zu sein. Sie begriff schnell, war sehr aufmerksam und lerneifrig und machte daher in allen Fächern, in welchen er sie unterrichtete, sehr bemerkenswerthe Fortschritte. Das machte ihm Freude, und daß dieses bei ihren Eltern ebenfalls der Fall war, konnte er an dem reichen Honorar merken, welches ihm Carlisle monatlich durch die Post zukommen ließ. Nach drei Monaten erhielt dieses Honorar sogar noch eine ansehnliche Erhöhung, bei welcher Gelegenheit ihm Carlisle in einigen Zeilen seine Anerkennung und seinen Dank für seine tüchtigen Leistungen aussprach. Auch Meixner honorirte sehr anständig und er sowohl als seine Frau ließen es an Anerkennung und Zufriedenheitsbezeugung nicht fehlen. Herr Meixner namentlich zeigte sich ihm als wahrhaft väterlicher Freund, den er stets zu Rath und That bereit fand und in dessen Hause er manche angenehme Stunde verlebte. Sein Hauswirth und dessen Frau endlich wurden vor lauter Dankbarkeit für den ihrem Sohne ertheilten Unterricht alle Tage freundlicher und zuvorkommender gegen ihn und thaten ihm Alles zu Liebe, was sie ihm, wie man zu sagen pflegt, von den Augen absehen konnten. So hatten sich seine Verhältnisse so freundlich gestaltet, als er nur wünschen konnte. Die ihm zufließenden Unterrichtshonorare reichten nicht blos genügend für seinen Unterhalt aus, sondern er konnte, trotzdem die für seine Studien erforderlichen Bücher ihm viel Geld kosteten, sich auch noch verhältnißmäßig sehr ansehnliche Ersparnisse zurücklegen. Und da er von seinen Eltern oft erfreuliche Nachrichten über deren und seiner Geschwister Wohlbefinden erhielt, sowie die sich in jedem Briese wiederholendeMittheilung,daßihre geschäftlichen Verhältnisse sich in dauernder, fortschreitender Besserung befänden, so konnte er recht sorglos seinen Studien leben, und das that er auch mit großem Eifer und Fleitze und, wie er bei sich selbst wohl fühlte und erkannte, mit ganz zufriedenstellendem Erfolge. So waren ihm fast anderthalb Jahre ruhig unter immer gleichmäßiger Beschäftigung dahingcflossen. Der für Fräulein Carlisle anfänglich aus ein Jahr berechnet gewesene Unterricht hatte nicht nur schon nach den ersten zwei Monaten einen Zuwachs an Unterrichtsgegenständen durch Hinzufügung des französischen Sprachunterrichtes erhalten, sondern