Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 64 (14.8.1890)
- Date
- 1890-08-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1172 haben, wenn sie nur dazu angeeifert werden. Schon seit einigen Jahren war unsere mpo ganz vernachlässigt, infolge dessen auch nicht gebraucht, aber auf Veranlassung uns. jetzigen Herrn Lehrer- Eis e nb er ger hat die Gemeinde die n-pv nach Angabe eines religiösen Rabbiners wieder neu renoviren lassen. Unser Lehrer gibt sich Muhe moy Tinnb rutsn*^; möge es ihm gelingen, noch viel Gutes in unserer Gemeinde zu stiften. Auch unsere Synagoge ist ganz neu renovirt, und haben die Gebr. Löwen st ein aus New-Aork, Brüder unseres Vorstehers, 2000 M. dazu gegeben. Berlin, 5. August. pna cbry Einem Gerechten und Edlen, dessen Hiuscheiden hier eine tiefschmerzliche Lücke gerissen, wollen wir in dieser Zeitschrift ein Gedenkblatt widmen. Der Tod hat uns eine kostbare Beute entrissen. In eine glückliche, gottgesegnete Familie stieg der Engel der letzten Stunde hernieder und wiegte in einen sanften Schlummer einen der Verdientesten und Besten unserer Gemeinde Adaß-JisrM, einen Mann, dessen Namen weithin über das Weichbild unserer Stadt hinausklang. R. Jsaae Spiro rvaa hauchte an: Sonntag den 17. Aw in dem nahen Nieder-Schönhausen nach kurzem, aber schweren Leiden seine edle Seele aus. Der Verewigte hat als Sohn der R. Joske Spiro Oberrabbiners zu Jnowrazlaw das Licht der Welt erblickt. Daselbst empfing erdet dem als Talmudisten wohlbekannten pnpnü- 'i seine erste rabbinische Ausbildung, setzte dieselbe in Schönlankc und Konin bei dem Rabbiner Blaschke und Auerbach V^p-tai fort, und unterließ auch nicht nach seiner Verehelichung mit einer würdigen Tochter des gelehrten upy 'n Danziger Tar, einen großen Theil der Zeit dem Thorastudium zu weihen. Obgleich das Schicksal ihn nicht immer glückliche Tage schauen ließ, so verließ ihn nicht die tiefinnige Liebe zur Thora und die Freude an der geistvollen Behandlung unserer Halacha. Einer lichtvollen Darstellung, einer nmid, einem Wandel durch die Lustgärten der D’jitftn konnte er Stunden lange folgen und andere Pflichten hintcnansetzen, sowie auf weltliche Lebensgenüsse verzichten. Der Geist seines großen Vaters s. A. war auf ihn übergangen und dem sel. Blaschke hatte er die Art der gründlichen Vertiefung in unsere talmudischc Welt abgelauscht. Als er vor Jahren Gelegenheit hatte, einer Discussion zwischen einem fremden Talmudisten und einem seiner Freunde anzuwohnen, erklärte er dem erster» unumwunden, derselbe müßte zu den Füßen des sel. B. gesessen haben, indem er den Schüler an dem -pn des Meisters wiedererkannte. In dem letzten Jahrzehnt begnadete ihn das Geschick mit seinem reichen Segen, ein Umstand, der sonst vielfach auf Abwege führt. Die meisten Glaubensbrüder unserer Zeit können der Versuchung nicht widerstehen; sie brechen, wenn sie in Verkehr mit den üppigen Gesetzesverächtern gerathen mit den geheiligten Traditionen; der Verblichene s. A. verharrte treu und unentwegt auf der Bahn, die er sich und seinem Hause borgezeichnet. Da wurden keine Zugeständnisse dem ^2^2 bDbv oder dem □3" gemacht, wozu der Umgang mit anders Gesinnten am leichtesten verleitet. Der vornehmste Besucher mußte es sich gefallen lassen, daß ein armer Gelehrter während der Unterhaltung ehrerbietigst empfangen und geziemend gewürdigt wurde. Für einen Nachkommen von 'bn: — der Betrauerte stammt auch mütterlicherseits von einem bedeutenden Gelehrten, dem Hamburger Rabbiner s. A. srn mw nD"ny2 üBnow Ta 'n — sollten alle diese äugenden als etwas selbstverständliches gelten; wer jedoch den schlüpfrigen Boden der Großstadt und das Heer der Spötter kennt, die es sich zur Aufgabe machen die festen Grundsätze der Gottesfürchtige» zu erschüttern, der wird begreifen, daß wir das unerschütterliche Verharren auf dem Boden der Tradition besonders rühmend hervorheben. Hand in Hand mit dem Studium und der Verehrung der Thora ging die Üebung der Wohlthätigkeit, der in leutseligster Weise entsprochen wurde. Schreiber dieser Zeilen sah, wie der nunmebr in Gott Ruhende einem armen mN auf der Straße begegnete und denselben mit den Worten anredete: „Sie wollen wohl zn mir, ich will Ihnen den Weg sparen", und bei diesen Worten reichte er dem Unglücklichen eine angemessene Spende. — Daß Söhne und Tochter in demselben Geiste nach denselben Grundsätzen erzogen wurden, braucht nicht hervorgehoben zn werden, es gehört zur Vollendung des Bildes von diesem in sich harmonisch gestalteten Charakter. — Darum war auch die Trauer um den Heimgegangenen eine aufrichtige. Eine unabsehbare Menschenmenge gab dem Dahingeschiedenen das Trauergeleite. Am Friedhofe der Adaß-Jisroel-Gemeinde gab der Rabbiner in einer tiefempfundenen Rede dcm Schmerze der Gemeinde und GesammtiSraels Ausdruck, kein Auge blieb thränenleer, als der ehrwürdige Greis in bitterer Klage den entschwundenen Freund betrauerte. Der Vorsteher M. Altm a n n, der die Verdienste des College« im Amte rühmte, wirkte ergreifend durch aus dcm Herzen fließende Trauerworte, und der Schmerz erreichte seinen Höhepunkt, als die sterbliche Hülle des tm 51. Lebensjahre dem Erdenleben entrissenen R. Jizchak Spiro der kühlen Gruft anvertrant wurde. Ein Weheruf durchdrang die Versammlung,