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Der Israelit · 1890-08-14 · Heft 64 (14.8.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 64 (14.8.1890)
Date
1890-08-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1170 nett noch geringere Geschöpfe sind als wir, täglich Speise und Trank! R. Gamliel steht doch nicht höher als unser Gott und wir gehören doch nicht zu den geringsten der Geschöpfe!" (Fol. i'vvrp 32 b.) Sehr ernst berührt uns folgende Episode aus dem Leben R. Zadoks: Schon oben erwähnten wir, daß die Ehelosigkeit die Mutter der Unsittlichkeit ist, und Männer, die Vorgaben, so heilig zu sein, daß sie Speise und Trank nur dann genossen, wenn sie überzeugt waren, daß einer der Ihrigen dieselben zubereitet und vor jeder Berührung mit etwas Unreinem bewahrt hatte, solche Männer waren in jener Zeit häufig mit dem Makel der Unsittlichkeit behaftet. Es war auch nichts Ungewöhnliches, daß ehrwürdig und anständig aussehende Personen zum Eintritt in jene Häuser, in welchen die Unsittlichkeit sich einen Schlupfwinkel gesucht hatte, veranlaßt wurden. So erging es einst R. Zadok. Als er eines Tages mit seinen Freunden spazieren ging, wurde er eingeladen, ein solches Haus zu besuchen — und er nahm die Einladung an. Kaum eingetreten, bat er um etwas Speise und Trank. „Es thut mir leid," antwortete die Wirthin, „ich habe nichts im Hause, das ich Dir mit gutem Gewissen geben könnte, von dem ich sicher weiß, daß es nicht mit etwas Unreinem in Berührung gekommen sei." „Was", sagte N. Zadok, „Leute, die der Unsittlichkeit sich ergeben, wollen noch von unreinen Speisen reden! xn xn Tajn. Wer schon einmal unsittlich ist, der mag auch unreine Speisen genießen, denn er selbst ist ja unrein!" Nun machte die Wirthin sich daran, die unreinen Speisen zuzubereiten, denn sie meinte, die Worte R. Zadok's seien im Ernste gesprochen, da er ihr ja die Zubereitung unreiner Speisen gestattet hatte. Sie zündete deshalb ein großes Feuer in ihrem Ofen an. Da stellte sich R. Zadok so vor den Ofen, daß er Gefahr lief, sich zu verbrennen. „Sei vorsichtig," rief ihm da die Wirthin zu, „Du wirst Dein Leben in Gefahr bringen." „Weißt Du denn nicht," erwiederte R. Zadok, „daß cs schon in Gefahr ist! Ist nicht der Selbstmord die stete Folge der Unsittlichkeit d" (ibid. Fol. 40b). Auch in halachischen Fragen scheint es, daß sich R. Zadok von seiner Abneigung gegen die essäischen Institutionen habe leiten lassen. So lesen wir in mw Perek XX. 2, woselbst die Frage gestellt wird, ob man am Sabbat Honigseim bereiten dürfe und ob dieses auch gestattet sei, wenn man größere Mengen zubereiten wolle, die Antwort R. Zadok's: „Das hängt von den Gästen ab." crru Perek IX. 1 sagt R. Zadok: „Wenn sich Jenrand ein Gelübde auferlegt, so frage man ihn, ob er auch wisse, daß jedes Gelübde eine Verletzung des göttlichen Willens in sich schließe." — R. Zadok suchte, wie wir aus Obigem ersehen, den Bestrebungen des Ordens immer und überall entgegen zu treten. Er wußte, daß das Bestehen eines Staates oder einer Gemeinschaft ernstlich gefährdet werde, wenn ein Theil der Mitglieder aus derselben scheidet und Vereine gründet, durch deren Specialgesetze das allgemeine Gesetz seine bindende Kraft und Gültigkeit verliert. — Demnach dürfen wir bestimmt annehmen, daß die Sprüche R. Zadok's, wie wir sie in den Siddurim lesen, die richtigen sind und daß er in denselben hauptsächlich den Nasiräerorden und dessen Institutionen bekämpfen will. (Fortsetzung folgt.) Zur Lage der Juden in Wußsand. Petersburg, 1. August. In Folge des wiederholten Auftauchens ausländischer Judcumissionäre im Westen Rußlands hat der sog. Hl. Synod dem Ministerium des Innern vorgestcllt, daß Missionsthätigkeit im Reiche nur der orthodoxen Kirche als der herrschenden zukomme und daß das Ministerium dementsprechende Maßnahmen zur Verhinderung ungesetzlicher Missionsthätigkeit ergreifen möge. Demzufolge ist nunmehr verfügt worden, daß die örtlichen Adminiftrativ-Behördeu über jeden einzelnen Fall ausländischer Juden missionsthätigkeit dem Departement der Reichspolizei behufs weiterer Verfügung zu berichten haben. London, 7. August. Der Lordmayor, Sir Henry Jsaacs, ist angegangen worden, eine Versammlung der Bürger Londons einzuberufen, um in derselben gegen die Behandlung der Juden in Rußland zu protestiren. Der Lordmayor, der selber ein Jude ist, hat in Folge dessen seine beabsichtigte Abreise von London verschoben, um in der Versammlung, die in Laufe nächster Woche entweder im Mansion House oder in der Guidhall abgehalten werden wird, den Vorsitz zu führen. (Vergl. unten Notiz: London. Red.) Petersburg, 8. August. In demselben Augenblicke, in welchem die russische Regierung auf indirekte Weise die Nachrichten der englischen Blätter über neue Bedrückungen der Juden in Rußland in Abrede stellen läßt, meldet ein gewöhnlich gut unterrichtetes Blatt in Petersburg, der „Grashdanin", daß im Finanzministerium gegenwärtig ein Projekt geprüft werde über Beschränkung der Rechte der

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