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Der Israelit · 1890-08-14 · Heft 64 (14.8.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 64 (14.8.1890)
Date
1890-08-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. V^?4NKFURT v z^s/yLS ^yw .AS 64. Israelit... Jeschama. Kitslyrifl zur Mrderuns W. GMes M D. Kevrus lu Aus. Gkiuelnde Ulld Klhulk. Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donner st ag, den 14. A u g u st 5650 (1890). Leitender Artikel. Sprüche der Wüter. Viertes Buch. XXXIII. Fortgesetzt von Liepman Philip Pr ins. Amsterdam, 11. August. In dem heiligen Soharbuche wird uns (Fol. 149 Nsn 's) erzählt, daß N. Jizchok einst dem R. Simeon den Jochai berichtet habe, er wäre ans einer Fußreise drei Pilgern begegnet, die ihm anfgefallen wären, weil sie ihm, da er sich mit ihnen unterhalten, herrliche Erklärungen schwieriger Bibelstellen gegeben hätten. N. Jizchok gab nun eine nähere Beschreibung der Personen, die er gesprochen, worauf R. Simeon ihm sagte, daß Niemand anders als R. Zadok und seine Enkel diese Pilger gewesen wären; „denn", fuhr er fort, „dieser versteht es, jedes Wort der Thora so zu erklären, daß auch der Beschränkteste es verstehen muß. Er weiß so nützliche Lebensregeln daraus herzuleiten, daß jeder, mit dem er sich unterhält, den größten Nutzen aus dieser Unterhaltung zieht." — R. Simeon hatte Recht; cs war N. Zadok mit seinen Enkeln, die R. Jizchok getroffen hatte. Einige Tage später begegnete er R. Zadok, der dieses Mal jedoch nur von einem Enkel begleitet wurde. Nachdem man sich freundlich begrüßt hatte, fragte N. Jizchok: „Wo ist Dein anderer Begleiters" R. Zadok antwortete: „Mein anderer Begleiter hat sich verheirathet, sich ein Haus und eine Familie gegründet. Wir haben Dich jedoch nicht zur Hochzeit eingeladen und das aus drei Gründen. Erstens sind wir gewohnt, unsere Gäste standesgemäß zu bewirthen. Da ich Dich jedoch noch nicht genügend kannte, befürchtete ich, cs könnte geschehen, daß man Dir die schuldige Achtung nicht genügend erweise. Dieser Gedanke war es, der mich abhielt, Dich einzuladen. — Zweitens sollen unsere Gäste durch unsere Einladung nicht belästigt werden. Ich sah, Du hattest eine Reise vor und befürchtete, Du würdest unserethalbcn Deine Reise unterbrechen und dadurch Schaden erleiden. Dazu wollte ich Dich keinesfalls veranlassen. Und endlich drittens: Es ist Sitte bei uns, daß die Hochzeitsgäste dem Brautpaare Geschenke geben; ich wußte nicht, ob Dir das angenehm gewesen wäre." Diese drei Gründe sollten dem R. Jizchok noch Folgendes sagen: Die Mittheilung, sein Begleiter habe sich verheirathet, machte R. Zadok nur, um dadurch anzudeutcn, daß sie nicht zu der Sekte gehören, bei denen die Ehe verpönt sei. Die fernere Acnßerung, es sei Gebrauch, dem Brautpaar Geschenke zu geben, gewinnt an Bedeutung, wenn man sie, wie auch die anderen Bemerkungen in Beziehung zur Lehre der Nasiräer setzt. Diese lebten ja in Gütergemeinschaft und Geschenke hatten für den Einzelnen von ihnen deshalb keinen Werth. Mit dieser seiner Bemerkung will R. Zadok der Lehre der Gütergemeinschaft der Ordensmitglieder entgegentreten. Weiter will uns R. Zadok noch folgende Lehren geben: Es ist durchaus unpassend, seine Gastfreundschaft irgend Jemanden aufzudrängen. So löblich und rühmenswerth uns die Tugend der Gastfreundschaft erscheint, wenn sie in richtiger Weise geübt wird, so häßlich und abstoßend wirkt sie auf uns, wenn wir sehen, in welch' widerlicher Weise sie von den Ordensmitgliedern gepflegt wurde. Ihnen war es einerlei, wem sie Gastfreundschaft erzeugten, sie behandelten jeden Gast gleichmäßig höflich und zuvorkommend. Wahrheit jedoch gilt mehr als Bescheidenheit, und wer die Bescheidenheit auf Kosten der Wahrheit übt, der ist ein Heuchler. Rabbi Zadok schmerzte es ferner, daß die Ordensbrüder ihrem Oberhaupte fast göttliche Ehrerbietung bezeugten. Darum bewog er selbst den auf die Ehren, die man ihm erweisen wollte, zu verzichten. Einst gab der Fürst R. Gamliel seinen Freunden ein Gastmahl, wobei er seine Gäste selbst bediente. R. Zadok sagte deshalb: „Daß uns der Fürst selbst bedient, schadet seiner Ehre nicht im Geringsten; reicht ja der König aller Könige, der Heilige, gelobt sei er, all seinen Gästen, unter de-

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