Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 63 (11.8.1890)
- Date
- 1890-08-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1160 traucns, mit welchem Sie mich beehren, stets würdig zu zeigen." „Ich halte mich dessen von Ihnen überzeugt. Wir wollen also jetzt einmal, bei einer aus ein Jahr berechnenden Lernzeit, die nöthkgcn Unterrichtsstunden festsetzen. Meinen Sie, daß für Musik wöchentlich zwei und für Gesang eine Stunde ausreichen?" „Vollständig," antwortete Meseritzer, „da ja Ihr Fräulein Tochter schon eine gewisse Fertigkeit im Clavierspielen besitzt. „Für Gesang ist eine Stunde hinreichend." „Gut also! Für Religion und biblische Geschichte wünsche ich auch wöchentlich zwei und für hebräisch Lesen eine Stunde festzusetzen. Das wären also im Ganzen sechs Stunden, welche auf sechs Tage der Woche zu vertheilen sind. Welchen Tag der Woche sie ausfallen lassen wollen, überlasse ich Ihrer Bestimmung, lieber die geeignetste Stunde eines jeden Tages wird wohl meine liebe Frau Bestimmung treffen müssen. Welche Stunde hälft Du für die am meisten geeignete zum Unterricht Elisens, liebe Johannas" „Vormittags von 10—11 Uhr würde wohl die passendste Stunde sein", antwortete Frau Carlisle. „Also an jedem Vormittage von 10—11 Uhr. Die Vertheilung der Unterrichtsgegcnstände auf die einzelnen Tage überlasse ich Ihnen und wünsche, daß, wenn es Ihnen genehm ist, künftigen Sonntag mit dern Unterrichte begonnen werde." „Ich bin bereit dazu!" erklärte Meseritzer. „Was das Honorar betrifft," sagte jetzt Carlisle, „wird es wohl nicht nöthig sein, vorher darüber abzuschließen. Sie werden mich stets für Ihre Leistungen in zufriedenstellender Weise erkenntlich finden. Ich werde, der Bequemlichkeit wegen, nach Ablauf eines jeden Monats den Ausgleich treffen. Oder wünschen Sie cs anders?" „Nein, durchaus nicht! Ich bin ganz einverstanden." „Das wäre also in Ordnung gebracht. Sie entschuldigen, ich mutz zur Börse fahren. Ich empfehle mich Ihnen!" Mit diesen Worten eilte Carlisle aus dem Zimmer, ohne Meseritzer noch einmal die Hand zu reichen. Auch Meseritzer erhob sich zum Gehen. Er empfahl sich unter üblicher Verbeugung. Die beiden Damen hatten sich auch, sich leicht verbeugend, von ihren Sitzen erhoben, ohne jedoch ihre Plätze zu verlassen. Der Abschied war sehr kühl, ganz nach dem von Frau Carlisle in Betreff Meseritzer's entworfenen Umgangsprogramm. Meseritzer fühlte sich unangenehm dadurch berührt, machte sich jedoch keine weiteren Gedanken darüber. Herr Meixner hatte ihm ja bereits «kitgetheilt, daß die Familie Carlisle sehr stolz sei. Meseritzer beschloß nunmehr vor der Hand keine Schüler mehr anzunehmen, um die ihm bleibende freie Zeit desto ernstlicher seinen Studien widmen zu können. Er hoffte es durch fleißige Selbststudien nämlich dahin zu bringen, einen akademischen Grad zu erwerben, was ihm, wie er hoffte, die Möglichkeit verschaffen würde, an einer höheren Schule angestellt zu werden oder sich an einer amerikanischen Universität als Privatdocent niederlassen zu dürfen. Da er sich einzuschränken verstand, so war er überzeugt, daß das Honorar der bis jetzt erworbenen Schüler vollständig zu seinem Unterhalte ausreichen wird. Er berichtete am nächsten Samstage Herrn Meixner über den gehabten Erfolg bei Carlisle und theilte ihm auch seinen entworfenen Lcbensplan mit. Hinsichtlich des Ersteren drückte ihm Herr Meixner seine Freude und hinsichtlich des Letzteren seinen vollen Beifall aus. (Fortsetzung folgt.) „Israeli" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel?u bestehen bei E. F. Kteinackrr, Feipstg, Rohplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco ein-usenden. Inhalt (Hairhtblatt): Leitender Artikel: Der Gegensatz in den Gemeinden. — Litterarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Wiesbaden. Oberschlesien. —> Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Galucz. Holland: Amsterdam. — Holländisch -West-Indien. — Frankreich: Paris. — England: London. Nottingham. — Rumänien: Bukarest. — Bulgarien: Sofia. — Amerika: New-Nork. — Australien: Sidney. — Feuilleton: Eine bekannte Melodie. Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Die Lage der Juden in Rußland. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Köln. Aus der Provinz Posen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Bielitz. Krakau. — Rußland: Kiew. — Amerika. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" n. „Jeschurun", Schottstr. Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Ioh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierz« eine Beilage.