Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 63 (11.8.1890)
- Date
- 1890-08-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Darwin's haben, wieder ungestört durch den Lärm einiger falsch unterrichteter Naturforscher in ihren heiligen Schriften forschen und daraus neue geistige Stärkung schöpfen können Die neueste Naturforschnng hat sogar ergeben, daß zuerst die Wasscrthiere, dann erst die Bewohner der Lüfte und zuletzt die auf der Erde lebeudeu Geschöpfe, deren allerletztes wieder der Mensch war, entstanden sind. Selbst die von unserem Großmeister Göthe aufgestellte Hypothese, daß mehrere Menschen zugleich entstanden seien, wird von den neuen Naturforschern verworfen, da die Schädellehre den unwiderleglichen Beweis geliefert hat, daß die Menschen nur von einem einzigen Menschenpaar abstammen, *6 Nin pw »roa nttTD: „Mein Knecht Moses, der ist nicht so, sprach der Herr des Weltalls, der ist in meinem ganzen Hause beglaubigt, d. h. Alles was unser großer Lehrer über das Weltall, seine Wesen und seine Geschöpfe verkündet hat, ist und bleibt wahr. Feuilleton. Lirrv Nelrnttnto AUelodio. Eine Erzählung von B. H a u s e. (Fortsetzung.) Jndcß Carlislc und seine Frau im Nebenzimmer Berathung Pflegten, bearbeitete Fräulein Elise das Clavier und ließ, von Meseritzer darum ersucht, dann auch ihren Gesang vernehmen. Während das Ohr Meseritzer's prüfend auf ihr Spiel und ihre Stimme horchte, ruhte sein Auge bewundernd auf ihrer Gestalt. Sie war für ihr Alter bereits sehr groß zu nennen, und ihr bisher zart und schwächlich scheinender Körperbau, wohl eine Folge ihres schnellen Wachsthumes, ließ bereits die Spuren beginnender kräftigerer Entwickelung erkennbar werden. Ihr Wuchs'war tadellos, ihre Haltung musterhaft, und auf dem schön geformten Halse ruhte ein zierliches Köpfchen mit einem ovalen, vornehm blassen und durch seine ebenmäßigen Formen überaus reizenden Gesichte, welches ahnen ließ, daß hier eine Schönheit ersten Ranges in der Entwickelung stehe. Man mußte bei dem Anblicke dieses reizenden Gesichtes, auf dem noch ein schwacher kindlicher Ausdruck ruhte, unwillkürlich an eine Nosenknospe denken, deren Deckblätter sich eben zu öffnen beginnen, um der durchbrechenden Pracht der vollendeten Blume Raum zu geben. Aus ihren schönen, blauen Augen lugten lebhafter Verstand und Frohsinn hervor, aber sie verstanden cs auch, ruhig und ernst dreinzufchauen, und wer sie in solchen Augenblicken zu beobachten wußte, dem konnte cs nicht entgehen, daß in diesem Köpfchen auch Entschlossenheit und fester Wille ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben. Ihr goldgelbes Haar hing lose an ihrem Nacken herab und bedeckte in diesem Augenblicke bei dem einfallenden Sonnenlichte ihren Rücken mit goldschimmernden und goldglitzernden Wellen. Ob Meseritzer wohl jetzt an die Gefahr dachte, daß aus dem tiefen Hintergründe dieses so hell blinkenden und doch verschleiert scheinenden Augenpaares je ein versengender Lichtstrahl in sein Herz fahren und dieses in Brand stecken könnte? Nein, ein solcher Gedanke lag ihm in diesem Augenblicke sehr fern! Sein Auge und sein Geist hatten sich auch bereits von dieser bewundernden Betrachtung schon wieder abgcwandt, als die Thür des Nebenzimmers sich öffnete und Carlisle und seine Frau eintraten. Elise hatte eben die letzte Strophe eines Liedes ausgesnngen. Sie eilte ans ihre Eltern zu und hängte sich an den Arm ihres Vaters. „Nun, Herr Meseritzer, wie finden Sie das Spiel und den Gesang meiner Tochter?" fragte Carlisle. Elise sah mit ihren blauen Lugen voller Neugierde zu ihm hinüber, wie das Urtheil über sie ansfallen wird. „Was das Elavierspicl anbetrifft," antwortete Meseritzer, „so ist zu erkennen, daß Ihr Fräulein Tochter im Spielen eine große Fingerfertigkeit zeigt und selbst schwierige Stücke leicht und gewandt zur Ausführung bringt. Der Anschlag läßt zu wünschen übrig. Das Spiel ist noch zu hart und läßt den geistigen Hauch und den feinen Schmelz vermissen, die der Musik selbst an Forteftellen nie ganz fehlen dürfen. Sie ist nicht darauf hingeleitet worden, in das Verständniß eines Musikstückes einzndringen, und ist daher nicht im Stande, die verschiedenen Gefühlsschattirungen zum Ausdrucke zu bringen, welche den Componisten bei seiner Arbeit geleitet haben. Ihr Unterricht ist an der Oberfläche stehen geblieben und darum fehlt ihrem Spiele das, was man die Seele des Spieles nennt. Ihre Stimmanlagen sind recht bedeutend; ihr Gesang bedarf aber der Schulung." Carlisle, der nebst Frau und Tochter wieder Platz genommen hatte, lud auch Meseritzer ein, seinen früheren Platz wieder cinzunehmen. Dann sagte er: „Ich habe in meiner Jugend auch ein wenig Musik getrieben und bin daher in diesem Punkte nicht ganz ohne Verständniß. Ich stimme Ihrem Urtheile vollständig bei. Das Clavierspiel meiner Elise hat mich nie befriedigt. Es wäre mir daher lieb, wenn Sie die weitere Ausbildung meiner Tochter in Musik und Gesang, sowie auch den Unterricht in Religion und im hebräischen Lesen übernehmen wollten. Wären Sie bereit dazu?" „Gewiß, mit Vergnügen!" antwortete Meseritzer. „Ich werde mich bemühen, mich des Ver-