Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 63 (11.8.1890)
- Date
- 1890-08-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1158 die Aufrechterhaltung eines Vorurtheils gegen Individuen, einzig und allein, weil sie Juden sind, finden, als ich eine Rechtfertigung für ein derartiges Vorurtheil gegen Individuen finden kann, weil sie Calvknisten oder Katholiken, oder litt tarier, oder Aankees, oder New - Dorker, oder Deutsche, oder Franzosen, oder Ungarn u. dgl. sind. Ich kenne keine andere Regel, als daß die Menschen nach ihrem Charakter und nicht nach ihrer Religion oder Rasse zu beurtheilen seien. Lange Erfahrung und eine ansgebreitete Bekanntschaft unter Leuten verschiedener Klassen, Glaubensbekenntnisse und Lagen haben mich gelehrt, daß in vielen Fällen diejenigen, die am lautesten darauf bestehen, die Menschen mehr nach ihrer Religion und ihrem nationalen Ursprung, als nach ihrem Charakter zu beurtheilen, selbst nicht viel Charakter haben, auf den sie stolz sein könnten, und daher irgend einer anderett Schätzung (8tanäarck) den Vorzug geben. II. Der Religionsunterricht hat zweifellos viel gcthan, das Vorurtheil nach und nach zu erzeugen, aber er ist nicht dessen einzige Quelle. Es ist auch das böse Gewissen der herrschenden Gesellschaft, welche beharrlich die Juden, und nur sie allein, tadelt für all die natürlichen Folgen, welche Jahrhunderte grausamer Unterdrückung und Verfolgung bei ihnen erzeugt haben. Ueberdies gibt es Personen so bar aller wahren Selbstachtung, daß sie glauben, sich dadurch zu erheben, daß 'sie anderen Menschenklassen den Schandfleck der Niedrigkeit auhesten, — Menschen von so niederer Denkart, daß sie sich dann groß fühlen, wertn sie Jemanden habert, dem sie einen Fußtritt geben können. III. Ich habe gute und schlechte Menschen, Ehrbare und Schurken, nobele und unnobele Typen, gesellschaftlich angenehme und gesellschaftlich unangenehme Leute unter Juden und Christen in ungefähr gleichen Verhältnissen gefunden. Dem unbefangenen Auge erscheint der Unterschied nur gering, wenn überhaupt einer da ist. Aber die Juden leiden unter dem Nachtheil, daß die Unzulänglichen unter ihnen durch die Stimme der herrschenden Gesellschaft gewöhnlich ihrer Nace zur Last gelegt werden. Wenn ein Jude sich unangenehm bemerkbar macht, heißt es allgemein: „Sieh den Juden!" Thut ein Christ dasselbe oder noch Schlimmeres, hören wir niemals den Ruf: „Sieh den Christen!" IV. Die Mittel, die nach und nach die vorhandenen Vorurtheile zerstreuen werden, sind Zeit, Erziehung und die gegenseitige Pflege von Gerechtigkeit und gutem Willen. Die durch Jahrhunderte der Unterdrückung und Verfolgung, deren manche als Schandflecke haften, auf die Juden geübten Wirkungen werden nach und nach einen auf dem Boden anerkannter Gleichheit sich vollziehenden Verkehr zwischen Juden und Christen erreicht werden. Und dieser Prozeß wird umsomehr erleichtert und beschleunigt werden, je sorgfältiger jeder von beiden sich bemühen, die Gefühle und große Selbstachtung des anderen zu verstehen. Achtungsvoll der Ihrige C. Schurz." A u st r a l i e n. Sydney, im Juni. mp' nnm „Das Wort unseres Gottes wird für ewig bestehen." Die „Frankfurter Zeitung" hat sich vor einigen Monaten von hier berichten lassen, daß man unweit der Stadt Orange in Neu-Süd-Wales in einem Marmorstcinbruche drei versteinerte menschliche Leichen in einem noch wohlerhaltenen Zustande aufgefunden habe. Jede dieser versteinerten Leichen wäre etwas über fünf Fuß hoch und die noch erkenntlichen Gesichlszüge derselben ließen deutlich erkennen, daß dieselben der kaukasischen Race augehörteu. In diesem Berichte hieß es zugleich, daß dieser wichtige antidilnvianische Fund den Gelehrten nun Anlaß zu lebhaften Discussiouen geben werde und dürfte derselbe auch die Autorität der Bibel betreffs der Schöpfungsgeschichte stark erschüttern. Und in der That begannen auch schon Anthropologen und Geologen sich dahin zu äußern, man hätte so jetzt triftige Beweise in Händen, daß der Mensch schon vor der Tertiär-Periode auf der Erde existirt habe und daß die Angabe der Bibel, der Mensch weile erst seit circa sechstausend Jahren auf unserem Planeten, nicht stichhaltig sei. Das hiesige Blatt „Argus" ging noch weiter und stellte die Behauptung auf, daß, wenn die Schöpfungsgeschichte sich nicht bewahrheite, so dürfe man auch an der Wahrheit der Offenbarungsgeschichte zweifeln und hätten so die von Moses und den Propheten verkündeten Lehren nur einen culturellen und historischen Werth, keinesfalls aber Anspruch auf göttlichen Ursprung. Einige nicht allzuvoreilige Gelehrte hier, Christen und Juden zugleich, meinten jedoch, man müsse erst den bezeichneten interessanten geologischen Fund vor Augen haben und dann erst werde man daraus Schlüsse auf die Schöpfungsgeschichte und die Bibel ziehen können. Leider sind diese drei versteinerten menschlichen Körper noch immer nicht hier eingetroffen und zwar aus bcm einfachen Grunde, weil sie gar nicht existiren und haben die Zeitungen, welche eiueu Bericht über deren Auffindung brachten, sich einfach einen geologischen Bären aufbinden lassen. Die Herren Geologen und Anthropologen, die schon begonnen hatten, sich über die in der Bibel enthaltene Schöpfungsgeschichte lustig zu machen und sie als eine bloße jüdische Sage hinzustellen, sind nun wieder kleinlaut geworden, während die gesetzestreuen Juden, die noch immer mehr Zutrauen zu den Worten Mosis als zu den Hypothesen