Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 63 (11.8.1890)
- Date
- 1890-08-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1157 nen Jahre von 65 Studenten besucht. Es erhält vom Staate eine Suvention von 7000 fl. und von der Amsterdamer isr. Gemeinde 4600 fl. Holländisch West - Indien. Bei einem am 1. Jnli stattgehabten lokalen Festtage in Paramaribo versuchten einige Antisemitell eine Demonstration gegen die Inden. Der Energie des Gouverneurs Lohmann ist cs zu danken, daß dieselbe im Keime erstickt worden. Frankreich. Paris, 31. Jnli. Allgemeine Heiterkeit erregt dahier die Klage des Druckers der antisemitischen Wahlaufrufe gegen die Gemeinderathskandidaten dieser Partei. Herr de Mores, der dem Drucker für 150,000 Frcs. gut gesagt hatte, zahlt nämlich nicht, und zwar ans dem triftigen Grunde, weil er kein Geld hat. Der Drucker hat nun die etwa 20 antisemitischen Bewerber verklagt, die gleichzeitig die Unterstützung Bonlangers genossen. Beiläufig sind nicht nur diese, sondern alle antisemitischen Kandidaten mit Glanz durchgefallen. Einer derselben, ein gewisser Badöre, hatte zwei Stimmen erhalten. Seine Wahlagitation muß mindestens 20,000 Frcs. gekostet haben. Paris, im Juli. Im benachbarten Neuilly ist Frau Weill-Kahn zur Vorsteherin der jüdischen Gemeinde gewählt worden! Man sieht, die Franen-Emancipation macht Fortschritte. England. London, 2. August. Im Oberhause richtete der Earl von Math an die Regierung die Frage, ob es wahr sei, daß in Rußland ein neues Gesetz zur weiteren Beschränkung der Rechte der Inden erlassen sei, so daß dieselben in Masse auswandern müßten und wenn so, ob die englische Negierung Schritte ergreifen werde, um zu verhindern, daß diese Leute zum Nachtheil der englischen Arbeiterklassen in England einwandern. Lord Salisbury antwortete: „Wir besitzen durchaus keine Information, welche zur Bestätigung der erwähnten Angaben dienen dürfte. Ich habe keinen Grund für die Annahme, daß die russischen Auswanderer nach England kommen werden. Ich kann mich aus eine Erörterung der vow dem edlen Lord angeregten ökonomischen Frage nicht einlassen, so lange nicht ein Grund dafür vorhanden ist." Nottingham. Vorige Woche wurde die hiesige neue Synagoge durch Herrn Rabbiner Dr. Adler in London feierlichst cingeweiht. Rumänien. Bukarest. Unter dem Vorwände, russische Spione von der Landesgrcnze zu entfernen, warf in jüngster Zeit die Polizei auf Anordnung der Regierung etwa 600 jüdische Männer in's Gefängniß und verwies sie dann plötzlich des Landes. Alle Bitten der armen Frauen und Kinder, sowie die Intervention einflußreicher Glaubensgenossen blieben ohne Erfolg. Jassy. Großes Aufsehen erregte ein Vorfall, welcher das rücksichtslose Vorgehen der Behörden gegen die Juden kennzeichnet. Zufolge einer vertraulichen Weisung des Justizministers R o s e t t i haben die Gerichte den Eid mors judaico für die Juden wieder eingeführt. In einer vor der dritten Abtheilnng des Eivilgerichtes verhandelten Rechtssache wurde von dem Richter die Ablegung des Eides inoi'6 judaieo mit allen Formalitäten, welche im Mittelalter üblich waren, angeordnet und der Präsident des Gerichtshofes erließ an den Rabbiner F. Tauber den Auftrag, die entwürdigende Ceremonie zu vollziehen. Der Rabbiner weigerte sich, der Ordre zu entsprechen, indem er darauf hinwies, daß das Gesetz Mosis eine solche Form der Eidesleistung nicht vorschreibe. Hierauf verurtheilte der Gerichtshof den Rabbiner zu einer Strafe von 300 Frcs. und entsendete Hilfsrichter Longhincser, welcher gewaltsam in die Synagoge eindrang, der Bundeslade eine Thorarolle entnahm und nun selbst den Eid abnahm nach der alten Formel, deren Abfassung einem katholischen Geistlichen zugeschrieben wird. Eine Beschwerde, welche Rabbiner Tauber gegen die Strafverfügung und gegen das Vorgehen des Gerichtes einbrachte, wurde abgcwiesen. Bulgarien. Sofia. Als Fürst Ferdinand auf seiner Reise nach Oesterreich Tatar - Bazardjik passirte, spielte die jüdische Mädchenschule der „All. Isr." bei den Empfangsfeierlichkeiten eine Hauptrolle. Der Fürst war hierüber sehr entzückt und schickte der Oberlehrerin eine diamantene Broche mit einem sehr schmeichelhaften Begleitschreiben. A m e r i k a. New-Aork. Die Redaction des in New-Aork erscheinenden „American Hebrew“ hat an verschiedenen christliche angesehene Männer, wie Geistliche, Staatsmänner k., einen auf den Antisemitismus bezüglichen Fragebogen versandt und die Antworten im genannten Blatte veröffentlicht. *) Unter den 60 Antworten, au deren Spitze die des Kardinals Gibbons steht, dürften die Deutschen die Aeußerungen Karl Schurz' am meisten interessiren, die wir deßhalb in Uebersetzung hier mitthetlen. Wir brauchen die Fragen nicht hierherzustellen, sie ergeben sich aus der Reihe der nummerirten Thcile der Antwort. Schurz schreibt: „Ich habe Ihren Fragebogen erhalten und sende Ihnen hiermit meine Antworten. I. Ich kann ebensowenig eine Rechtfertigung für *) Vergl. Litt. Bericht. Red.