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Der Israelit · 1890-08-11 · Heft 63 (11.8.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 63 (11.8.1890)
Date
1890-08-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1155 8) In Collissionsfällen soll der Mensch dem Irdischen entsagen und dem Göttlichen Genüge leisten; Gegensatz: Die Berücksichtigung irdischer Verhältnisse ist in der Religion selbst geboten, und die Gebräuche sollen daher auf die Möglichkeit der freudigen Hebung berechnet sein. 9) Religiöse Hebungen müssen ohne Rücksicht auf Ort und Zeit und Geschmack sich möglichst gleich bleiben und den Gegensatz zum Endlichen darstetten; Gegensatz: Sie müssen nach Zeit und Ort sich fügen und das fortschreitende Gefühl für Schönes und Erhabenes auch in der äußeren Form befriedigen. 10) Alles, was stehend zum religiösen Ausdruck dient, besonders aber die Sprache, hat eigne Weise und Kraft, Empfindungen der Andacht hervorzurufen, welche man am wechselnden Ausdruck vermißt; Gegensatz: Mit veränderter Volksbildung ändert sich die Wirkung der religiösen Ausdrncksweise. Die geweihte Sprache wird zur Formel und hört auf, lebendig einzuwirken. Nur die lebendige Sprache ist Ausdruck der Empfindung und vermag diese zu erwecken. So Jost über den Gegensatz zwischen Orthodoxie und Reform. (Fortsetzung folgt.) Litterari scher Wericht. „Sechzig Stimmen über Juden und Judenthum" von hervorragenden Nicht-Juden, hohen Geistlichen, Staatsmännern, und anderer Berufe und Klassen, welche in jüngster Zeit die in New-Iork erscheinende israelitische Zeitschrift „American Hebrew“ brachte, liegen uns jetzt in deutscher Uebersetzung und Anmerkungen versehen in einer Broschüre herausgegeben von Moritz Baum in Frankfurt a. M. vor, wodurch dem vielfach in der deutschen Presse ausgesprochenen Wunsche, daß diesen Meinungsäußerungen eine möglichst weite Verbreitung werden möge, in anerkennenswcrthcr Weise entgegengekommen wird. Den Meinungsäußerungen sind die 4 Fragen, welche s. Zt. die Redaction des „American Hebrew“ an hervorragende Nicht-Juden verschiedener Berufe und Klassen zur sorgfältigen Erwägung und aufrichtigen Beantwortung vorstellt, vorangesetzt. Die vollkommenste Aufrichtigkeit von Seiten derjenigen, die um ihre Meinungsäußerung angegangen, war beansprucht worden, es hätten sonst vielleicht die Schreiber der hier in wortgetreuer Uebersetzung gebrachten Antworten sich mit solchem Freimuth nicht darin ausgesprochen, wenn um diese Offenheit nicht ausdrücklich nachgesucht wäre. Die Broschüre liefert ein schätzbares Material gegen die antisemitischen Bestrebungen, und es wäre nur zu wünschen, daß die darin gebrachten Meinungsäußerungen von Nicht-Juden auch unter den Anhängern der nichtisraelitischen Confession weite Verbreitung fände; es würde dies sicher nicht verfehlen, das Vorurthcil bet Vielen zu bannen, die zu Tage tretenden unwürdigen Gesinnungen zu verscheuchen, als eine Angelegenheit der Billigkeit gegen ihre Mitbürger und einer Pflicht gegen ihren eigenen Glauben, als eine Grundbedingung für das staatsgesellschaftliche Zusammenleben. Eine eingehende Beurtheilung der Schrift bedarf es unsererseits hier nicht erst; der Leser derselben wird selbst den großen Werth der Meinungszustimmungen darin erkennen und für deren weiteste Verbreitung im Interesse der guten Sache nach den besten Kräften beizutragen nicht unterlassen. L. PH. Pr ins. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 25. Juli. Die „Morgen-Zeitung" veröffentlicht von fachmännischer Seite nachstehenden Artikel, welcher cm glän,ienbe3 Zeugniß von der göttlichen Weisheit des jüdischen Gesetzes liefert: „Die Erscheinung, daß das Vieh Gräser, welche auf oder an Gräbern wachsen, nicht frißt, ist eine Erfahrungs-Thatsache. Besonders Vieh mit gespaltenen Hufen zeigt Widerwillen gegen eine solche Nahrung. Die Erklärung hierfür ist in Folgendem zu suchen: Jedes Vieh wählt seine Nahrung nicht nach dem Geschmacks-, sondern in erster Reihe nach dem Geruchssinn. Dieser ist bei Thieren mit gespaltenen Hufen, z. B. bei Kühen, Schafen, Ziegen u. s. w. am schärfsten und feinsten ausgebildet. Die Erde ist nun ein poröser Körper, sie wirkt einestheils als Filtrirmaschine, anderntheils als Drainage. Die bei der Verwesung von Leichen in der Erde anfänglich entstehenden Feuchtigkeiten, die sich später in Gase auflösen, sind höchst giftiger Natur und dringen bis an die Oberfläche der Erde. Von den Pflanzen werden die aus der Leichenverwesung chemisch zersetzten Stoffe begierig ausgenommen und bilden gleichsam ihren Inhalt. Vermöge des außerordentlich feinen Geruchsinns der Thiere mit gespaltenen Hufen widert diese eine solche Nahrung, selbst in getrocknetem Zustande, an, während andere Thiere das mit den giftigen Ausdünstungen der Leichengase ernährte Gras ohne Weiteres fressen." Wiesbaden, 25. Juli. Bei der jüngst vorgenommenen Ergänzungswahl des Synagogenraths für die Dauer der Wahlperiode 1890/95 sind folgende Mitglieder gewählt worden: 1) in dem Rabbinatsbezirke Ems: der Kaufmann Simon Mayer zu Diez, 2) in dem Rabbinatsbezirke Weilburg: der Kaufmann Levi Kirchberger zu Weilburg, 3)

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