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Der Israelit · 1890-08-07 · Heft 62 (7.8.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 62 (7.8.1890)
Date
1890-08-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1139 Würzburg, 25, Juli. Xkfe Woche hatte sich unsere Stadt eines hohen Besuches zu erfreuen, f Sr. Excellenz, der neue Kultusminister Herr Dr. " v. Mü ller traf am 23. ds. unter Begleitung des Refereiltcn Herrn Regierungsralhcs Dr. B u m m zur Besichtigung der höheren Bildungsanstalten hierein. Trotz der kurzen Zeit, die für diese Aufgabe festgesetzt worden, war c§ unserem Herrn Districts- Rabbiner Nathan Bamberge r doch vergönnt, in längerer Audienz empfangen zu werden, und hat sich Se. Excellenz sehr huldvoll und eingehend über die hiesigen Gemeinde-Verhältnisse erkundigt. Er bedaucrle essehr, wegen zu vieler Inanspruchnahme für diesmal die Synagoge nicht besichtigen zu können, habe aber die bestimmte Absicht, bei seinem nächsten Hierherkommen es zu thun. Nach diesem Vorkommniß, das von der wohlwollenden Gesinnung des Herrn Kultusministers zeugt, haben, wir die berechtigte Hoffnung, daß die jüdischen Verhältnisse Bayerns auch unter diesen! Ministerium wie bisher sich des staatlichen Schutzes und der landesherrlichen Gnade zu erfreuen haben werden. Aus Mergentheim schreibt man uns: Dir Bemerkung Ihres Münchener Korrespondenten ist nicht gerechtfertigt. Die Thatsachc ist die, daß die Organe der Mergentheimer Gemeinde, die, wie allbekannt, eine streng orthodoxe ist, sofort gegen das sabbat-schänderische Bcnehmcll ihres Rabbiners Schritte that; und liegt gegenwärtig der höheren Behörde in Stuttgart der Fall zur Entscheidung vor. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Freiherr v. Königswarter hat anläßlich der Vermählung der Erzherzogin Valerie dem „Ersten Wiener Feriencolonie-Verein", welcher unter dem Protectorate der Fürstin Hohenlohe steht, den Betrag von fl. 10,<K)0 Notenrente mit der Bestimmung gewidmet, daß mit dcnlselben eine Stiftung begründet werde', deren jährliches Erträgniß Fenencolonien-Zwecken zuznwendcn ist. Im Falle einer Auflösung des genannten Vereines, oder wenn der Verein statutengemäß seine Wohlthaten an ein bestinimtes Neligionsbekenntniß knüpfen würde f' der Verein zur Versorgung erwachsener B'-'; f * das Israelitische Blindeninstitut ai'l - ™flrte je «ftc mit 6cm 6«^,^ JPeÄf*1'' - Scme Majestät der Kaiser Vv X* oerichtet, den Obmann-Stellvertreter ..»»ger "CultuSgemeinde - Repräsentanz Herrn ’lu. Dr. Ludwig B en dien er zum Mitglied des Landesschulrathcs für das Königreich Böhmen ernannt. Bereits vor mehrere» Jahren wurde Herr Dr. Bendiener von dem Monarchen für seine Verdienste durch die Verleihung des Franz Josef- Ordens ausgezeichnet und die Uebertragung dieses tmm Ehrenamtes auf die Schultern dieses vielbeschäftigten Advokaten ist ein Beweis des Vertrauens, das Herr Dr, ^e.ldiener in allen Kreisen genießt. Es wä^ müßig, hier nochmals der Verdienste Erwähnung zu thun, die sich der Neuernannte Wm die Prager Judengemeinde und um die Präger Stadt überhaupt in humanitärer und MS'stch anderer Beziehung erworben, es wäre Mv.gig, hier abermals breit zu erzählen, welcher- Hochachtung und Sympathie sich Herr Dr. Bendiener in allen Schichten der Bevölkerung ohne Unterschied der Confession und der Rationalität erfreut, und so sei denn hier nur fonftfltirt', stütz die Ernennung hier überall, speziell aber tn der Judengemeinde, die lebhafteste Freude hervörgerufen, und d-aß diejeliigerr, deren Interessen Herr Dr. Bendiener im Landesschülrathe vertreten wird> sich einen tüchtigeren, gediegeneren und pflichttreueren Anwalt selbst Wedw -hätten wünschen noch — wählen können. Rußland. Bon der russischen Grenze, 1. August. lieber den ans Bialystok in voriger Nummer gemeldeten empörenden Vorfall erhalten wir noch folgende Ergänzungen: „Nachdem Dr. Agronowskt von der angeblichen Vergiftung bekannt werden ließ, begab sich der Polizeimeister in Begleitung zweier Aerzte zu demselben und forderte ihn auf, das Kind sezircu zu lassen. Hierdurch wurde der Arzt überrascht und versuchte mehrere Ausflüchte; als jedoch der Polizeimeister durchaus auf Sezirung bestand, gab er schließlich die Erklärnug schriftlich ab, das .Kind wäre in Folge der Krankheit gestorben. Ain 27. fand das Begräbniß des Kindes statt, zu welchem der Arzt sich dreihundert Arbeiter aus dem benachbarten Staroselzi kommen und dem Leichenznge folgen ließ. Die Polizei hatte vorsorglich angeordnet. daß kein Jude sich auf den Straßen sehen ließe. Der kommapdirende General Strukow hatte durch Anschlao-^tel bekannt gemacht, daß er bei der .^imbgebmig von Unruhen Militär vorlUm'.'. lassen würde. Dennoch wurde ein jüdischer Waffersührer, der mit seiner schweren Waffertonne nicht so schnell das Haus aufsuchen konnte, ergriffen, jämmerlich geschlagen und sein Wagen umgekehrt. Die Zeitungen Rußlands sind voll von Schmähungen gegen den Arzt und wird es wohl mit seiner Praxis aus sein. Bei dem Knaben wurden Mittel zur Vertilgung der Aetzung angewandt, doch ohne Erfolg. Für die beim Begräbnisse anwesenden Arbeiter wird es wohl ein Nachspiel abgeben, indem dieselben Bahnarbciter waren und sie bei der Direction in Kiew wegen Versäumung eines Tages denunzirt wurden. Die Direction verlangt jetzt von dem Depotverwalter (dem Vorgesetzten dieser Arbeiter) 2300 Rubel Entschädigung.

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