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Der Israelit · 1890-08-07 · Heft 62 (7.8.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 62 (7.8.1890)
Date
1890-08-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1138 Derjenige, welcher in den Schriften der D'mn liest, hat keine große Zukunft zu erwarten. Die Mitglieder dieser Vereine waren Männer aus den untersten Schichten des Volkes. Die besseren Kreise hielten sich fern; aber es wurde anders. Cassius Florus aus Klazomänä in Kleinasien war Procurator über Judäa geworden. Habgier und Grausamkeit, maßlose Strenge und unbegründete Härte kennzeichnen seine Wirksamkeit, die dem Judenthum zum Unglück gereichen sollte. Er legte den Juden Steuern auf, welche sie kaum aufzubringen vermochten und bemächtigte sich scheinbar nach dem Recht, welches ihm das Gesetz gab, des Besitzthums der Einwohner. Die Juden vermochten diesen Druck nicht länger zu ertragen, und sie beschlossen. den Procurator bei dem syrischen Statthalter Ceftius Gallus zu verklagen. Aus Furcht nun, daß eine Untersuchung über seine Verwaltung seinen Untergang herbeiführen könne, wagte er einen Staatsstreich, bei welchem ihm Inda der Galliläer (den wir schon erwähnten) hilfreiche Dienste leistete. In Judäa waren nämlich von jeher die gelehrten und die religiösen Genossenschaften von jeder Steuer befreit. Florus mußte nun beweisen, daß er das Geld aus den Steuern der Juden für die römische Staatskasse nothwendig habe. Diese Steuern waren aber zu gering, da Viele der Begüterten ihre Reichthümer religiösen Genossenschaften übertragen hatten. Juda der Galiläer half ihm nun, den ihm auferlegten Beweis zu liefern. Er berief die Häupter der genannten Vereine, um dieselben zu veranlassen, sich zu einer einzigen großen Secte zu verbinden. Er stellte ihnen vor, daß sie alsdann eine selbständige Macht im Staate bilden und einen großen Einfluß ausüben würden, und er brachte es dahin, daß man auf seine Rathschläge einging. Es wurde also eine neue Sekte gebildet, und deren Anhänger hingen nicht nur an vielen Aeußerlichkeiten, für welche sich das Volk stets leicht begeistert, er wußte es durch sein demagogisches Auftreten auch dahin zu bringen, daß die Vereins- Mitglieder ihr sämmtliches Vermögen znsammenbrachten und einen Verein bildeten, dessen Mitglieder alle gleichen Antheil an dem Vereinsvermögen besaßen. Ein großer Theil des Volkes, — die Geschichte spricht von 40,000 Mitgliedern, — hatte sich der Sekte angeschlossen und war deßhalb von den Staatssteuern befreit. Die Institutionen der einzelnen Vereine waren von dem neuen Verein übernommen, deren Thätigkeit durch die ueue Sekte wahrgenommen und einige neue Gesetze den Statuten beigefügt worden. Kein Gewerbe und kein Geschäft durfte von nun an ausgeübt werden, ohne daß die Genehmigung des Oberhauptes, wozu Juda gewählt wurde, vorher eingeholt worden wäre. Die Mitglieder hatten keine andere Lebensaufgabe mehr, als für die Ausbreitilng ihrer Sekte Sorge zu tragen. Die öffentlichen Thora-Vorträge wurden von dem Volke nicht mehr gehört. In ihren eigenen Sälen, wo sie auch ihre gemeinschaftlichen Mahlzeiten hielten, beschäftigten sie sich mit dem Studium der Thora und der Natur. Diese Studien bekamen allmählich einen mystischen Anstrich. Daß dabei der Handel und die Industrie stockten, ist leicht begreifllich. Um so eifriger wurde aber die Menschenfreundlichkeit und die Kraukeupstege geübt und die Tugend der Gastfreundschaft auf ganz außerordentliche Weise gepflegt. Man reiste im Lande umher, um sich als Gastgeber aufzudrängen; um die Reisenden in den gemeinschaftlichen Wohnungen laben und bewirthen zu dürfen und sie schließlich als Mitglied der Sekte zu gewinnen, legte man weite und beschwerliche Wege zurück. Der Klugheit des Stifters dieser Vereinigung gelang es auch, der Sekte einen gewissen Glanz nach Außen, eine Exclusivität zu verleihen, die Manchen zum Eintritt reizten. Aber nicht sofort war man bereit, Gesuche um Ausnahme in die Sekte zu bewilligen. Die Novizen mußten erst geloben, ihre Güter der Gemeinschaft zu weihen. Durch ein ferneres Gelübde versprachen sie, sich von jedenr unwahren Gespräche fern zu halten, Gottes Namen zu heiligen und der Institution der Sekte stets treu bleiben zu wollen. Eigene Untersuchuugs-Commissionen und Strafgerichte fungirten und richteten mit großer Strenge. Jedes Verbrechen gegen die Statuten der Sekte wurde mit Fasten und Kasteiung bestraft und die Dimension dieser Strafen hatte öfters den Tod des Bestraften zur Folge. — Allmählich traten auch einige Gelehrte der Sekte bei. Es liegt nicht im Rahmen nuferer Untersuchung, die Folgen zu schildern, welche die Gründung dieser Sekte für den jüdischen Staat hatten. Wir beschrieben deren Entstehen und Entwickelung nur, um die Sprüche des R. Zadok richtig erklären zu können. Ehe wir zu dieser Erklärung übergehen, wollen wir einige Episoden aus dem Leben R. Zadok's erzählen, damit uns sein Auftreten gegen diese Sekte erklärlich wird. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten ^rnd Correspondenzen. Deutschland. Darmstadt, 5. August. Bei den hessischen Landlagswahlen ist in Butzbach der Antisemit Köhler gewählt worden. Worms, 4. August. Bei einer kleinen Erdarbeit hinter dem Hause am israelitischen Friedhofe wurde in einer Tiefe von 1 lj2 Meter ein Grabstein mit hebräischer Inschrift aus dem Jahre 1142 ausgefunden.

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