Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 62 (7.8.1890)
- Date
- 1890-08-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. Erste Beilage ya.M 62 des „Israelit"5- „Ieschurnn" Leitender Artikel. Sprüche der Wüter. Viertes Buch. XXXII. Fortgesetzt von Liepman Philip Pr ins. Frankfurt a. M. 4. August. Eine andere Sekte waren die Essäer. Seinen Namen will das Essäerthum von dem chaldäischen Worte n»dn (Arzt,hebr. ^vi) ableiten. Ihr Streben, der leidenden Menschheit Hilfe und Heilung zu bringen, war wohl edel, aber dieses Streben blieb hinter dem Erfolg zurück, denn das Urtheil der Patienten war keineswegs günstig für sie. -rnLper? («Dp Nm 85a) Der Arzt, der keine Vergütung für seine Mühe erhält, dessen Hilfe ist nicht viel werth. In einem, dem babylonischen Talmud zugefügten Mischnatheil (Kidduschin Perek IV, 14) theilt uns ein Satz die Werthlosigkeit jener Aerzte mit mts mmb D'KDnatf. Der beste dieser Aerzte (Essäer) gehört in die Hölle. (Siche *sns c\ry nne.) mm mwei ibd tm ^prn. Der König Chiskia verschloß die medizinischen Bücher, und unsere Weisen wußten ihm Dank dafür. Er sah ein, daß die Religion nicht der Wissenschaft zum Opfer gebracht werden dürfe. Ist man doch auch heute gewöhnt, Religion und Wissenschaft als Gegensätze zu betrachten, die sich gegenseitig ausschließen. Meint man doch, der wissenschaftlich gebildete, gelehrte Mensch hätte die Religion nicht nöthig, ihm genüge die Wissenschaft und diese erhebe ihn über die Religion. Die Religion, so lehrt man, könne den kritischen Forschungen der modernen Wissenschaft nicht Stand halten und die einfachen heiligen Lehren der Bibel seien durch die Resultate dieser Forschungen längst widerlegt. Thoren, die Ihr dieses lehrt. Betreibet die Wissenschaften mit der Ueberzeugung eines festen Glaubens und Ihr werdet in derselben die Beweise für die Religion, für die Wahrheit des Bibelwortes finden. Von jeher hat das Studium ohne Glauben auf Abwege geführt, und eine gründliche Gelehrsamkeit im Verein mit dem unerschütterlichen Glauben wird in Religion und Wissenschaft zwei einander ergänzende Gebiete finden. Gerade jene wissenschaftlich gefärbte Anschauungsweise der Essäer war es, welche einen so nachtheiligen Einfluß auf das in festem Gottvertrauen aufgewachsene Volk ausübte, wir dürfen uns nicht wundern, wenn die Essäer, welche nach der Ueberlieferung auch Geheimmittel anwandten, eine mächtige Einwirkung auf die große Masse ausübten. Der Mensch glaubt ja so gerne an das Mystische, Wunderbare und zahlt für werthlose Dinge oft hohen Preis, wenn diese Dinge ihm geheimnißvoll wirkend erscheinen. Welche Mühe kostet es, das Volk von der Werthlosigkeit all' dieser Geheimmittel zu überzeugen! Und trotz aller Mühe, welche die Gelehrten sich geben, ist es noch nicht gelungen, diese Mittel zum Verschwinden zu bringen. In dieser Hinsicht gleicht die medizinische Wissenschaft der theologischen; auch hier maßt sich der Laie oft ein Urtheil an, welches, obschon es falsch ist, den Beifall der Menge findet, und auf welches die Menge schwört, trotzdem die Gelehrten die Unrichtigkeit desselben nachgewiesen haben. Eine dritte Sekte bildete der Verein der Bescheidenen : tryus. Die Bescheidenheit ist eine der schönsten Tugenden. Der Bescheidene erwirbt sich leicht die Liebe seiner Mitmenschen und wenn die Bescheidenheit mit wahrer Frömmigkeit gepaart ist, führt sie den Menschen sicher den richtigen Weg, seine Bestimmung zu erreichen. Ein unerreichbares Muster der Bescheidenheit ist unser Lehrer Moses, von dem es heißt: Der Mann Moses war sehr bescheiden. Aber jede Tugend, auch die Bescheidenheit, wird werthlos, sobald sie zur Schau getragen wird. Deshalb sagte auch der König Alexander Janai hinsichtlich dieses Vereins zu seiner Gemahlin : Hüte Dich vor den crjna» (öid Fol. 22 b) Gefärbten, vor den Heuchlern. Diese mjms sind zum größten Theile B'yias, — das bewußte Znrschautragen einer Tugend ist Heuchelei. Ein vierter Verein war der der mm. Die Mitglieder dieses Vereins legten das Hauptgewicht ihres religiösen Lebens auf Aeußerlichkeiten. Sie trugen weiße Gewänder, und wo sie gingen, führten sie als Bild der Reinheit einen Spaten bei sich; das Gehäuse der Tefillin vergoldeten sie und trugen dieselben auf den Kleidern. Den Spaten führten sie mit sich, weil es in der Thora (Deuteron. XXIII 14) heißt: msm by 'nn Tmi, die Krieger müssen, wenn sie zum Krieg ausziehen, einen Spaten mit sich führen, den sie zum Ausgraben benutzen sollten u. s. w. (siehe dort.) (Rambam VI 15) ivo^n) Den Spaten betrachteten die als heiliges Symbol. (Vgl. die Abhandlung am? ojip Jeruschalmi Nedarim I 2). Dieser Verein entwickelte auch in der Folge eine literarische Thätigkeit, die ihm jedoch keineswegs zum Ruhme gereichte, denn R. Akiba sagt: (Sanhedrin Perek XI)