Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-08-07 · Heft 62 (7.8.1890) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 62 (7.8.1890)
Date
1890-08-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448084--30504-2478285
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1136 springen, doch er hatte sie bereits in seine Arme geschlossen. „Schwester!" jauchzte er, „Schwester! meine Schwester!" Thränen entstürzten seinen Augen und laut schluchzend warf er sich in Meierhof's Arme, der ihn gleichfalls innig umschloß. Es währte eine geraume Zeit, bevor die drei mächtig Erschütterten einen ruhigen Gedanken zu fassen vermochten. Mitternacht war bereits seit mehreren Stunden vorüber, sie saßen noch immer beisammen und schienen vollständig daran zu vergessen, daß die Nacht dem Schlafe gewidmet ist. Meierhof drängte endlich zum Aufbruch, die Geschwister sollten ruhen, denn es stand ihnen am folgenden Tage eine vielleicht noch größere Erschütterung bevor. Bella mußte sich niederlegen, Meierhof hatte darauf bestanden, und auch Hugo war mit dem Versprechen, sich niederzulegen, hinauf in seine Wohnung gegangen, aber ruhelos lief er int Zimmer hin und her, bis der Morgen graucte. Es war in den Vormiltagstunden, als Bella mit freundlichem Gruß in das Zimmer ihrer Eltern trat. „Wie geht es Dir, lieber Papa?" fragte sie und bemühte sich, ihrer Stimme die gewohnte Festigkeit zu verleihen, „hast Du Dich von der gestrigen Aufregung schon erholt?" „Gewiß," erwiederte er leichthin, „das war ja nicht der Rede Werth." „Aber es ist doch seltsam," fuhr Bella fort, „daß die Amme nach so langer Zeit Dir das mittheilen mußte." Er warf ihr einen unwilligen Blick zn, zum erstenmal im Leben ärgerte er sich über etwas, was seine Tochter sagte. Diese schien es nicht zu bemerken, mit scheinbarer Unbefangenheit fuhr sie fort: „Hast Du es der Mama schon mitgetheilt?" „Nichts hat mir der Papa mitgetheilt", fiel Frau Bärwald erregt ein, „was ist denn vorgefallen? — was hätte mir der Papa mittheilen sollen?" All' sein abmahnendes Winken half nichts, Bella theilte der Mutter in wenigen Worten mit, was der Vater gestern im Hospital vernommen. Ein heftiges Zittern war die Folge, wie im Ficberfrost schlugen die Zähne der mächtig erregten Mutter aneinander. „Siehst Du," sagte Bärwald vorwurfsvoll, „darum habe ich geschwiegen. Diese Ungewißheit ist das Aergste." „Aber sie braucht nicht lange zu währen, diese Ungewißheit," fuhr Bella mit bebender Stimme fort, „wir haben bereits Anhaltspunkte." „Was?" schrie Bärwald aufspringend, „was habt Ihr?" Sie wollte antworten, aber ihre Erregung übermannte sie, Thränen entstürzten ihren Augen, sie brachte kein Wort hervor. Aber ihr Gatte war gleich nach ihr in das Zimmer getreten, er theilte den Eltern mit, was er gestern von Hugo vernommen, und wenige Minuten darauf hielten sie den todtgeglaubten Sohn in ihren Armen. Die Wonne, das Entzücken der Glücklichen zu schildern, das vermag keine Feder. Weniges bleibt uns daher zu berichten. Unter Leitung des Vaters ist Hugo ein aufrichtiger, frommer Jude geworden. Vor einigen Jahren hat er die älteste Tochter seines Schwagers, die holde Olga heimgeführt, und sind seine Eltern des höchsten Glückes theilhaftig geworden, Zeugen zu sein, daß ihr Sohn, der bis zu seinem dreiundzwanzigsten Jahre nicht geahnt hatte, daß er Jude, seine eigenen Kinder zu bewußtvollen, gesetzestreuen Juden erzieht. »Israelit" und „Jeschnrun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig , halbjährig oder vierteljährig. . Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel ftt bt}Utytn bei C. F. Stein ackrr, Leipzig, Dohplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die Lebenskraft Jsrael's. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: 2mal Berlin. Altona. Posen. Königsberg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Neutra. — England: London. — Rußland: Petersburg. — Persien: Teheran. — Feuilleton: Waltungen. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Darmstadt. Worms. Würzburg. Aus Mergentheim. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Wien. Prag. — Rußland: Von der russischen Grenze. Samarkand. — Türkei: Salonichi. — Marocco: Tetuan. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Fränkisch-Crumbach i. O. — Rußland: Odessa. — Feuilleton: Eine bekannte Melodie. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition de» „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbnchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.