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Der Israelit · 1890-08-07 · Heft 62 (7.8.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 62 (7.8.1890)
Date
1890-08-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1135 Schwiegereltern nicht hinoufzubegleiten — aber er begleitete sie auch jetzt nur bis zur Thür ihrer Wohnung — dann hörte er sie einige Worte wechseln und dann vernahm er Meierhof's Tritt die Stiege hinunterschreitcn. Hastig verließ er sein Zimmer und war in der nächsten Minute au des Hinunterschreitenden Seite. „Guten Abend, Herr Meicrhof!" „Gegebener Diener, Herr Doctor! — In dieser Minute sind wir nach Hause gekommen." „Ich weiß es, ich habe Ihren Wagen hcranrollcn und vor dem Hause halten gehört, und ich weiß auch, daß Sie es sehr unbescheiden meinerseits finden müssen, daß ich Sic trotzdem so spät noch belästige." „Aber ich bitte sehr, Herr Doctor, von Belästigen kann Ihrerseits keine Rede sein, Sic werden mir nur gestatten, daß ich meinen Pelz mit meinem Schlasrock vertausche, da plaudert cs sich gcmüthlicher. Kommen Sie hier herein," sagte er, indem er die Thür seines Zimmers öffnete, „hier können wir auch rauchen. Bitte, setzen Sie sich und bedienen Sie sich." Gr deutete mit der Hand auf das Kanapee und stellte ein Kistchen Cigarren auf den Tisch. „Ich bin sofort wieder hier." Hugo hatte mechanisch den ihm angewiesenen Sitz eingenommen, nach der Cigarre griff er jedoch nicht, sonderu hatte jetzt wiederum die rechte Hand fest auf das pochende Hem gepreßt. Nach einigen Minuten kam Meierhof im Schlafrock zurück und ließ sich au Hngo's Seite nieder. „Aber warum rauchen Sie nicht? ich kann die Cigarren empfehlen, es sind echte Havanna." Cr hatte bei diesen Worten eine Cigarre genommen, die Spitze abgeschnitten und sie in Brand gesetzt, mib forderte durch eine Handbewegung seinen Gast noch in als auf, dasselbe zu thun. „Ich danke Ihnen," entgegnete Hugo gepreßt, „ich kann gegenwärtig nicht rauchen. — Die $ragen, die ich an Sie zu richten mir erlauben möchte — so seltsam sie Ihnen erscheinen mögen — sind für mich von solch' weitreichender Tragweite — daß ich — daß ich —" „Fragen Sic," sagte Meierhof, den Stockenden voll warmen Interesse betrachtend, „ich bin gern bereit, Ihnen über Alles Auskunft zu geben." „So bitte ich Sie — mir zu sagen — ob — wo — ich meine, wo Ihre Schwiegereltern — das heißt — ach, entschuldigen Sie," rief er aufspringend, „ich rede confus, Sie werden wicht nicht verstehen." „Freilich nicht," versetzte Meierhof lächelnd, „Sie scheinen sehr erregt. Sammeln Sie sich, ich habe Zeit. — Nehmen Sie eine Cigarre, ein paar Züge, das ist das beste Beruhtgungsmittel." Hugo schüttelte abwchrend den Kopf. „Jetzt nicht — ich bin schon ruhig. — Also bitte. — Frau Bärwald erwähnte heute Abend, daß sie eines ihrer Kinder beim Hochwasser verloren habe — wo war das? — und wann?" Meierhof warf einen überraschten Blick auf den Erregten. „Wenn Sie das genau zu wissen wünschen, so werde ich meine Frau rufe», die weiß es jedenfalls besser als ich." Cr ging in das anstoßende Zimmer und kam gleich darauf mit Bella zurück; er schob ihr einen Fauteuil zum Tische und ersuchte sic, Hugo's Fragen beantworten zu wollen. Bella war gern bereit, obgleich sie innerlich über die cigcnthümlichen Fragen staunte. „Wir wohnten früher in P..sagte sie, „damols jedoch, als mein kleiner Bruder verunglückt ist, befand sich meine Mutter mit ihm in A... Cs dürfte das ungefähr dreiundzwanzig Jahre her sein." Ein schriller Laut entfuhr den Lippen des jungen Mannes, die ihm gegenüber Sitzenden sahen ihn betroffen an; er schien einen Moment nach Rthcm zn ringen, unfähig, ein Wort hervorznbringen, dann fragte er flüsternd. „Ist dieLeiche Ihres Bruders gefunden worden?" . Höchst wahrscheinlich", erwiederte Bella. „Nein", fiel Meierbof ein, und berichtete nun in wenigen Worten, was die Sterbende im Hospital Bärwald gestanden hatte. Mit angehalt'.nem Athem hatte Hugo seinen Worten gelauscht, dann stieß er abermals einen schrillen, doch wie Jubel klingenden Schrei aus, stürzte ans Bella zu, ergriff ihre beiden Hände und drückte sie mit stiirmischer Heftigkeit an seine Brust. Im nächsten Monieut hatte er das Zimmer verlassen. „Was war das?" stammelte Bella, leichenblaß und zitternd zu ihrem Manne anfsehend. Dieser schlang seinen Arm um sie, aber er erwiederte nichts, obgleich er den Zusammenhang bereits crrathen. Gleich darauf trat Hugo wieder in das Zimmer, er trug ein mäßig großes Paket, das er auf den Tisch legte und mit zitternden Händen auscinanderschlug. Es enthielt Wäsche eines kleinen Kindes, er nahm sie und legte sic vor Bella und deutete zitternd auf das gestickte Monogramm J. L. R Mit weitanfgeriffenen Augen starrte sie hin. „Das Monogramm meiner Eltern", stammelte sie. Er stützte sich ans den Tisch, sonst hätte er sich schwerlich aufrecht halten können. „In dieser Wäsche," flüsterte er, „haben meine Pflegeellern mich gefunden — in einer Wiege treibend auf dem Wasser bei B. vor dreiundzwanzig Jahren." Bella stieß einen Schrei aus und wollte auf-

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