Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 62 (7.8.1890)
- Date
- 1890-08-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1134 Himmels herabflehen, da er ihnen ein Mittel an die Hand gegeben, um -ihr Leben und ihre Habe besser in Sicherheit bringen zu können, als wie es bis jetzt der Fall war. Baron Abdallah Sassoon hat bekanntlich im vergangenen Jahre vom Schah, während dessen Anwesenheit in Europa, die Concession erhalten, in Persien eine Notenbank mit einem Kapitale von zwei Millionen Tomans (20 Millionen Mark) zu gründen. Die Bank hat nun vor einigen Wochen ihre Büreaux hier eröffnet und schon heute manisestiren sich allerorten die Segnungen ihrer Wirksamkeit. Dieselbe gibt nämlich gemäß ihrer Concession Noten von einem Toman (10 Mark) bis zu tausend Tomans (10,000 Mark) aus, so daß man nun die größten Summen leicht mit sich sühren und auch leicht vor Räuber und Banditen und ebenso auch vor habgierigen Beamten, deren Geschlecht in Persien noch immer nicht ausgestorben ist, verbergen und verstecken kann. Früher mußte jeder persische Kaufmann, wenn er von einer Stadt in die andere zog, einen Sack oder wenigstens ein Säckchen mit Gold und Silber mit sich sühren. Zuhause wieder mußte er sein Baargeld, wollte er es in Sicherheit bringen, im Garten oder Zimmer vergraben oder gar einmaucrn. Die Straßenräuber hatten daher goldene Tage in Persien, da sie nur über den Reisenden herzufallen brauchten, um seinen Geldsack zu erwischen. Dagegen kann man die Banknoten sehr leicht verstecken und auch sehr leicht versenden. Die persischen Juden pflegen, wenn sie auf Reisen gehen, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen, sich eine Tefilah (Gebetbuch) oder ein Chumesch (Bibel) mitzunehmen und legen dann zwischen die Blätter derselben ihre Noten oder sie nähen sie sogar in ihre Kleider ein. So ist ein Jude zum Förderer der Eivilisation in Persien geworden und hat er daselbst eine große Umwälzung im Handel und Berkehr hervorgerufen. Haman würde, wenn er cs erführe, sich gewiß vor Aerger und Wuth im Grabe nmdrehen, erstens, weil ein Sohn jener Nation, die er gerne, gleich unseren modernen Antisemiten, gänzlich ausgerottet hätte, heute in Persien eine Notenbank gründet, und zweitens auch, weil eine solche Bank nicht schon zu seinen Zeiten existirt hat, denn er hätte dann erspart, zehntausend Centner Silber in seinen Kellern aufzuspeichern, er hätte dem Könige Ahasverus nur einen Eheque auf die persische Bank im Betrage von so und soviel Millionen gegeben, und die Köpfe der persischen Juden, ebenso auch deren Geldschränke, hätten ihm gehört. Baron Sassoon ist daher heute ein allgemeiner Wohlthäter der Perser und selbst den Schlechtesten unter ihnen kommt die Wirksamkeit dieses jüdischen Banquiers zugute. Heuilleton. Wallungen. Erzählung von Friedrich R o t t. (Schluß.) Als Hugo das Familienzimmer Meierhos's verlassen hatte, war er hinaufgeeilt in seine Wohnung und war in höchster Erregung in dem Zimmer umhergerannt. Plötzlich ergriff er die Lampe, die auf dem Tische brannte und trat damit zum Spiegel, das eigene Gesicht aufmerksam betrachtend. „Das Kind hat recht," murmelte er in sich hinein, „das Kind hat recht — der obere Theil meines Gesichtes gleicht vollständig ihrem Gesicht — und sie haben ein Kind bei dem Hochwasser verloren — lange muß cs her sein — Frau Bärwald schien sich im ersten Moment an den Namen der Amme nicht zu erinnern — mein Gott! — mein Gott! — wenn sie meine Eltern wären!" Er preßte beide Hände bald gegen die pochenden Schläfen, bald gegen das übermäßig klopfende Herz und raunte dann wiederum planlos auf und nieder. Wie sie so lange ausbleiben — freilich bis zu den Wieden, es war ein weiter Weg. — Aber jetzt hätten sie doch schon zu Hause sein können. — Lauschend stand er am Fenster und horchte auf die heranrollenden Wagen, ob denn keiner vor dem Harrse halten wollte — aber sie rollten alle vorüber — es waren allerdings erst anderthalb Stunden verflossen, seitdem sie vom Hause fortgefahren waren, aber er hatte das Maß für die Zeit verloren, bleiern flössen ihm die Minuten dahin, eine jede schien sich ihm zur Stunde anszudehneu — ächzend, als hätte er eine Eentnerlast zu tragen, rannte er abermals im Zimmer auf und nieder, und dann stand er wieder am Fenster nnd seufzte, daß die Wagen alle vorüberrollten. Doch endlich, endlich hielt ein Wagen vor dem Hanse. „Gott sei Dank!" flüsterte er. Er wäre am liebsten sofort hi'nniitergeeilt, cS war allerdings nicht weit von zehn, aber er hatte sein nochmaliges Kommen doch bereits angekündigt und konnte annchmen, daß Meierhof ihn erwarte. Aber er wollte warten, bis Bärwald sich in seine Wohnung begeben haben werde, darum stand er jetzt lauschend an der Thür. Und richtig, jetzt vernahm er Schritte auf der Stiege, die von der ersten bis zur zweiten Etage führten — er konnte sic unterscheiden, cs war Bärwald's ziemlich schwerer Schritt und der leichte Schritt seiner Frau — und noch ein Schritt — das mußte Meierhos's sein — der Pflegte sonst die