Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 62 (7.8.1890)
- Date
- 1890-08-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1131 lieblichen Musik voll Einklanges, voll schmelzender Töne, die der Sangmeister auf dem höchsten Weltenstuhl zu einem ungestörten Ganzen zusammenfließen läßt. Während aber die Bestimmung der Völker keine andere ist, als die Ringe innerhalb der Entwickelungskette zu bilden, deren letzter Ring sie erst zur höchsten Vollkommenheit bringt, ist der Zweck Israel eben diese höchste Stufe, die Endentwickelung stets vor die Augen der Welt zu halten und ihrer Entwickelung dadurch die Richtung vorzuzeichncn. Das Schwinden der alten Völker war so natürlich, wie das Abfallen der Blüthe, nachdem sie ihren Zweck erfüllt, die Existenz des jüdischen Volkes ist so lange Naturgesetz, bis es seine Bestimmung, die ganze Menschheit zur wahren Gotteserkenntniß hinzuführen, nicht erfüllt hat. Wären unsere Feinde fähig, nüchtern und unbefangen zu denken, sie müßten nicht allein die Verwerflichkeit, sondern auch das Thörichte ihres judenfeindlichen Gebahrens einsehen. Durch die Bekämpfung des Judenthums befestigen sie erst recht seine Existenz. Durch Verunglimpfung desselben erbringen sie den Beweis für seine Existenzberechtigung, da es sich dadurch offenbart, daß Israel feinen Zweck noch lange nicht erfüllt hat und dessen Dasein eine gebieterische Nothwendigkeit, ein Naturgesetz ist. oy □an uh'1 ruft der götiliche Prophet halb zürnend, halb erstaunt aus: Deiu Abfall Israel zeugt von Deiner Undankbarkeit gegen Gott, den Quell Deines Lebens, ist aber zugleich ein Akt der Thorheit. Durch Abstreifung Deiner israelitischen Eigenthümlichkeit glaubst Du gleichberechtigt an der Seite der andern Völker dazustehen und siehst nicht ein, daß Du eben dadurch Deiner eigenen Existenz den heftigsten Stoß versetzest. Auf Kosten Deiner Religion strebst Du das Wellbürgerthum an und büßest dadurch das Recht zu exiftircn ein. „Dan Deine Empörung gegen Gott ist eine Empörung gegen Deiu eigenes Wohl und Leben. „Dan Die treue, völlige Hingabe an Gott ist die einzige Schutzwehr Deines Lebens, an welcher alle Stürme und Angriffe DeinerFeinde machtlos abprallen müssen, denn, □’□ rv&pD d’3*i nnru in»’ ot>ip nnnj 'n cnoa ihn er na»D d’tik D’an „Es mögen sich die Wogen der feindlichen Strömungen noch so hoch erheben, indem sie gegen Dich als Gottesvolk ankämpfen, sie tragen in sich den Keim ihres Sturzes, denn gewaltiger als das Toben der aufgepeitschten feindlichen Fluthen ist Gott im Himmel, der: pa» mawo das Gestüm der Wogen besänftigt. Und auch das heutige Israel, welches das „Gleichsein" mit den anderen Völkern als das höchste Ziel seines Strebens betrachtet und schon aus politischer „Klugheit" das Weltbügerrecht selbst auf den Trümmern seiner Religion sich erwerben möchte, sollte in seinem eigenen Interesse die Worte in unserem dieswöcheutlichen Abschnitte beherzigen: m D’pn b'n rwy^ na pun nih ’d man .ron dvd "j’mDN'b ya»j i»n inna „Gedenke, daß Er es ist, der Dir Kraft gibt. Großes zu vollführen, jedoch zu dem alleinigen Zwecke, bannt Du, wie Er es Deinen Vätern zugeschworen, unter den Völkern daftehft als Gottesvolk." Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 2. August. In der gestrigen Sitzung des amerikanischen Repräsentantenhauses stellte, wie der „Vossischen Zeitung" aus New-Jork gemeldet wird, Baker, Mitglied für New-Iork, den Antrag, der Kongreß der Vereinigten Staaten wolle erklären, er protestire im Namen der Menschlichkeit gegen Inkraftsetzung der Erlasse von 1882 gegen die Juden in Rußland, und er ersuchte den Präsidenten, au die russische Regierung eine Botschaft zu richten des Inhalts, die Vereinigten Staaten legten achtungsvollen, aber ernsten Protest gegen die geplante Maßregel ein. Berlin. Die nachfolgende Mähr macht jetzt die Runde durch alle Antisemiteublättter: j Jüdische Erziehung: In der Sexta einer! höheren Knabenschule in der Provinz (in welcher?) j revidirte vor Kurzem der Ordinarius die Schulari beiten seiner zehn Zöglinge und fand dabei, daß! der Sohn des jüdischen Stadtverordnetcn-Vorstehers eine Arbeit nicht vorzuweisen vermochte. Da der Knabe auf Befragen ausdrücklich versicherte, die betreffenden Aufgaben wären gefertigt, das Heft jedoch zu Hanse vergessen zu haben, ließ ihn der Lehrer dasselbe holen, jedoch nicht ohne ihn sowohl auf dem Hinals auf dem Rückwege durch einen anderen jüdischen Schüler begleiten zu lassen. Als beide sich wieder meldeten, erfuhr der Ordinarius aus der noch feuchten Schrift der vorgezeigten Arbeit, daß dieselbe erst kurz vorher gefertigt sein konnte. Er wiederholte deßhalb .seine erste Frage, doch blieb der Kuabc dabei, die Arbeit schon am vorhergehenden Tage gemacht zu 'haben und änderte seine Aussage erst, als er auf deren Unhaltbarkeit aufmerksam gemacht worden war. Nun aber trat der zweite Schüler vor: „Dann hat H. falsch geschworen; denn als er vorhin aus seinem Hause kam, sagte ich zu ihm: „Du hast wohl jetzt erst die Arbeit gemacht!" Da er es verneinte, forderte er ihn auf, seine Hand auf sein Herz zu legen und diese Aussage zu beschwören; er hat es gethan und dadurch doch einen falschen Eid geleistet". Rasch hierauf entgegnete der Andere: „Herr Doktor, mein