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Der Israelit · 1890-08-07 · Heft 62 (7.8.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 62 (7.8.1890)
Date
1890-08-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1130 Jahrtausenden verkündete. Die welthistorische Bedeutung des Judenthums ist kein Axiom des Glaubensdogma, sie ist vielmehr eine nicht hinwegzuleugnende Thatsache der Erfahrung. Wahrlich, wären unsere Gegner nicht mit Blindheit geschlagen, hätten sie Augen, wenn auch nicht für die tiefen Wahrheiten des Judenthums, so doch wenigstens für in's Auge fallende Erscheinungen des Lebens, sie müßten ihre rückhaltlose Zustimmung geben zu dem begeisterten Ausrufe Moschch's: mn o'dö 'n *)N mtrx ire'B anp mnma nnw ]"ine t.d jrsin i»1? .-pm-m» Nttr> ^ih ipn Dm vtrnp b'D D'dj? ürnn „Erst nachdem Gott ans Sinai sich offenbarte, da begann es auch bei iw, dem Ursitz der heutigen Völker Europa's, zu dämmern, erst dann zn strahlen auf pNv, dem Ursitze der Mohamedailer, erst dann kam von miriadcn Seiten das Heilige, erst dann durchwallte der Fenerstrom erleuchteter Gotteserkenntniß die Herzen von Millionen Menschen, von Seiner Rechten kam das Feuergesctz zn ihnen. Wohl liebt Gott auch die anderen Völker, läßt sie durch die ihnen eingcprägten ethischen Keime, durch ihre eigene Kraft sich entwickeln und entfalten, die Heiligen jedoch, jene Männer, die die göttlichen Lehren der Menschheit verkünden, sie sind in Deiner Hand, Israel; die anderen Völker saßen und sitzen noch zu Deinen Füßen, sind Deine Schüler, nahmen Einiges von Deinen Lehren, trugen es hin, und von diesem Wenigen stehen sic in Flammen erleuchtet da." Und forschen wir nach der intcllcctucllen Kraft dieser Thatsache, die uns die Erfahrung lehrt, so finden wir sic in der Göttlichkeit des Judenthums. Würde die Thora auch mit keiner einzigen Silbe ihren göttlichen Ursprung andenten, wir Zeugen ihrer glorreichen Errungenschaften müßten von selbst auf die Idee kommen, daß Lehren, von solchen Erfolgen gekrönt, solche Umwälzungen in der Denkweise der Menschheit hervorbringend, nur von einem Gotte gegeben sein können. Die Göttlichkeit des Jndenthums bietet den Schlüssel zur Lösung jenes Problems, welches den Bestand des jüdisches Volkes für so Viele bildetwoher hat dieses Volk seine unverwüstliche Lebenskraft, seine Ausdauer und Unvergänglichkeit? Die Ideale eines Volkes bestimmen dessen Dauer und Bestand, sind diese göttlicher Natur , dann werden Diejenigen, die deren Verwirklichung zum Ziele ihres Lebens sich gestellt, ihnen gleich, ewig dauern; sie mögen in ihrer kraftvollen Entwickelung für kurze Zeit gehemmt, völlig unterdrückt können sie nicht werden. Das vom göttlichen Geiste Durchglühte kann so wenig vernichtet werden, wie das Göttliche selbst. Sind jedoch die Ideale irdischer Natur, sie mögen das Volk zur schönsten geistigen Blüthe bringen, es wird trotzdem untergehen, weil die Ideale selbst, Kraft des Naturgesetzes, daß Alles Irdische der Vergänglichkeit anheimfüllt, schwinden müssen. Auch das Volk des Idealismus, dessen Leistungen auf dem Gebiete der Poesie und Philosophie noch heute unerreicht dastchen, noch heute unsere vollste Verwunderung erregen, mußte, Kraft desselben Naturgesetzes, untergehen, da seine Ideale, näher betrachtet, wohl von dessen vollendeter Menschlichkeit und erhabendsten künstlerischem Geiste zeugen, nicht aber von dessen' Empfänglichkeit für das Göttliche. Die Ideale der. Griechen sind den Ideen Plato's gleich, nur „verewigte Sinnendiuge, potcnzirte Naturdinge." Das Ideal des jüdischen Volkes hingegen ist die Göttlichkeit selbst, die allgemeine Anerkennung seines Gottes das Ziel seines Lebens, das Ewige seines Ideals sichert ihm ewige Existenz, o'pznn dpw ovn Dvn.' „Nur weil Ihr Einem Gotte anhanget, lebet Ihr noch heute." Daß die Idealität des Indcnthums Israel ewige Dauer sichere, ist nicht ein Glaubens-, sondern ein Erfahrungssatz, weil Naturgesetz. Wie in der Natur nur das Brauchbare besteht, das Nutzlose hingegen untergeht,, so ist cs im Leben der Völker, vn-oj xd.’ D'BHD idmk/ op'tjai nmtr v-jdni mn injo mm mxW „Mit jedem Tage entstehe» neue Engelschaaren! zum Dienste Gottes aus dem Feuerstrome der von Gott ausgehend sich ergießt, sie tauchen auf, singen ihr Weltenlied und gehen unter, denn so heißt es: „Nene Schöpfungen entstehen mit jedem Morgen, groß ist Deine Treue." Der von Gott ausgehende Strom ist der Fenerstrom der geistigen Entwickelung der Menschheit, an denselben haben die ungcbitdetenj ebenso Antheil wie die bereits ans hoher Eulturstufe stehenden Völker. Ein jedes Volk bildet eineul nothwcndigcn Ring in dieser Entwi'ckelungskettc.1 Ein jedes Volk dient einer bestimmten Entwicke lungsphasc. Die hervorragenden Leistungen der! Griechen hatten die untcrgeordncteu Produktc! der ihnen vorangegaugencu Völker so zur Vor-I aussetzung wie das Kaut'sche System, dic! durch seine Kritik zerstörten Philosophemc. Mit! jedem Tage entstehen in diesem Fenerstrom der Ent-! Wickelung des Menschengeistes neue Engelschaaren! zum Dienste des Herrn, jeder Tag bringt die Mensch! heit einen Schritt weiter, dient dem göttlichen Zweckes die Menschheit allmählich zur vollendeten Reife zm bringen, diese täglichen Fortschritte singen ihr Lied! dienen zur Verherrlichung des den Menschen voll Gott verliehenen Geistes, sobald sie abe» ihre Bestimmung erfüllt, tauchen sie unter, w>s als Grundlage der folgenden höheren Culturstntj zu dienen. Das Lied, welches sie singen, ist tmj ein schwacher Ton im Vergleiche zur großen Hall monie der Endentwickelung der Menschheit, zn jeneis

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