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Der Israelit · 1890-08-04 · Heft 61 (4.8.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 61 (4.8.1890)
Date
1890-08-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1122 Kenten- und Heirathsausstattungs - Stiftungen unvergeßlichen kais. Rathes Ueä. vr. Jsak Jeiteles, alle diese Grabdenkmäler, sowie die der berühmten Geiftesheroen R. E. Eleazar Fleckles, K. Baruch Lewi Brandeis, R. Samuel L. Kauders und vieler anderer berühmter Männer concentriren sich nicht auf einem Punkte, die Wege von einem dieser Grabmäler zum andern gleichen den Gängen eines Labyrinths. Wovon diese unsystematische Anweisung der Grabstätten wohl hergerührt haben mochte? Damals florirte eben noch nicht das Streberthum, damals stand die Eitelkeit der Menschen noch nicht im Zenith, damals galten vor allem Menschenwürde und Herzensadel, Gelehrsamkeit und Humanität mehr als aller Neichthum, mehr als Ehrenstellen und alle Auszeichnungen. Wie ganz anders gestaltete es sich seit dem Anbruche der freiheitlichen Aera! Mit ihr ist eine ganz andere Erscheinung, grundverschieden von der bereits geschilderten, zu Tage getreten, ein förmlicher Umschwung hat sich in der Lebensanschauung der Juden vollzogen, der demokratische Zug, der an dem Volke Israel gerade in Tagen seiner Knechtschaft und Zurücksetzung charakteristisch gewesen, ist mit dem Aufgange der Freiheit verkündenden Morgenröthe gewichen, die vielgcrühmte Zusammengehörigkeit der Juden ist nach und nach geschwunden und hat nur noch Spuren zurückgelasscn, ja selbst der Kastengeist hält Wache an den Gräbern Jener, welche durch Reichthum, Rang und Stellung im öffentlichen Leben sich von ihren Glaubensgenossen unterschieden glaubten. Diesen Kastengeist hat der frühere Vorstand der israel. Beerdigungs-Brüderschaft, der meistentheils aus alten, wenn auch ehrwürdigen, aber immerhin nicht der idealen Lebensauffassung huldigenden Männern bestand, heraufbeschworen; er hat nach Muster der Heldengruft in Hainsdorf eine Art Ruhmes-Abtheilung angelegt, gleichzeitig war er auch auf die Ehrenplätze seiner eignen Mitglieder bedacht. Der gegenwärtige Vorstand brach nicht mit diesem Separatisnkus, er suchte nicht den Kastengeist an den Gräbern zu bannen, hoffentlich wird er nunmehr den Grund, daß der Tod Alles ansgleicht, nicht aus dem Auge verlieren. Am 30. v. M. ist bekanntlich auf dem zweiten Friedhofe, 103 Jahre nach dessen Eröffnung, die Beerdigung eingestellt und bereits am 4. d. in dem neuen isr. Friedhofe, nunmehr dem dritten der Prager Jsraeltten-Gemeinde, wieder ausgenommen worden. Den Reigen derer, denen es einst bestimmt sein wird, ihre letzte Wanderung nach jenem Ruhepunkt anzutreten, eröffnete die irdische Hülle eines kleinen, vermöge seines zarten Alters gewiß noch sündenfreien und unschuldigen Kindes, in der That ein gutes Vorzeichen, den Frieden und die Einkehr in's menschliche Leben so recht symbolisirend. Nennt doch der Jude schon von Alters her die Begräbnißstätte ein Haus des Friedens, ein Haus des Lebens, nur im Hause des Friedens kann ungetrübtes Leben und darum soll im Hause des Lebens Friede walten. Wo Friede da Brüderlichkeit, wo Brüderlichkeit da Gleichheit. Diese sollte aber auch in erster Reihe von der vor mehr denn 3OO Jahren begründeten Prager israelitischen Beerdigungs-Brüderschaft hoch gehalten werden, der Vorstand derselben sollte es niemals dulden, daß der Kastengeist Eingang finde in das neue Haus des Lebens, er sollte bedenken, daß die Verschiedenen nicht verschieden sind, daß der ehrenhafte und pflichttreue Mensch, der nach den Mühen des Lebens im Hause des ewigen Friedens seine letzte Ruhestätte gefunden, sich dann von seinem im Leben vom Glücke begüustigteren Menschen in nichts unterscheidet, daß sie Alle der Vergänglichkeit unterworfen, bestimmt sind, jene weite Reise in unsichtbare Welten anzutreten, von wo kein Wanderer wiederkehrt. Feuilleton. Eine Eine Erzählung von B. Hause. (Fortsetzung.) Am folgenden Tage, einige Minuten vor zehn Uhr Vormittags, stand Meseritzer vor der Wohnung des Herrn Earlisle. Er blickte erstaunt an bem prächtigen, massiven, stilvollen Gebäude empor. Das schien ihm eher ein fürstliches Schloß, die Wohnung eines gekrönten Herrschers, als die eines Banquiers zu sein. Er setzte den Schellenzug in Bewegung, worauf ein Livreediener ihm die Thür öffnete. Als er diesem seine Karte überreicht hatte, wurde er von demselben alsbald in das mit fürstlicher Pracht ausgeftattete Empfangszimmer geführt und mit dem Bemerken zum Sitzen eingeladen, daß er dem gnädigen Herrn sogleich Meldung machen werde. Die ängstliche Befangenheit von gestern war heute bei Meseritzer nicht wiedergekehrt. Die glücklichen Erfolge von gestern hatten ihm Muth gemacht und ihm sein früheres Selbstbewußtsein und sicheres Auftreten wiedergegeben, was ihm sehr zum Vortheile gereichte. Nach einigen Minuten trat Earlisle ein. Meseritzer hatte sich bei dem Eintritte desselben von seinem Sitze erhoben und ergriff nach einer regelrechten Verbeugung das Wort, indem er sagte:

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