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Der Israelit · 1890-08-04 · Heft 61 (4.8.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 61 (4.8.1890)
Date
1890-08-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1123 „Mein Name ist Adolf Meseritzer. Ich bin so frei, von Ihrer gütigen, mir durch Herrn Meixner übermittelten Erlaubniß, mich Ihnen vorstellen Zu dürfen, Gebrauch zu machen." Herr Earlisle, ein etwas schmächtiger, klug und vornehm aussehender Mann, ließ seinen Blick einige Sekunden prüfend über die Gestalt und das Gesicht Meseriher's schweifen, und ein unverkennbarer Zug der Befriedigung huschte über sein ernstes Gesicht. Dann trat er auf Meseritzer zu und sagte, indem er ihm Zugleich freundlich die Hand reichte: „Es ist mir lieb, daß Sie gekommen sind, Herr Meixner hat Sie mir recht angelegentlich empfohlen und Ihre schönen Zeugnisse, die ich so frei war, Zu mir zu nehmen, haben das Gleiche gethan. Bitte, nehmen Sie Ihren Platz wieder ein!" Nachdem Meseritzer dieser Aufforderung nachgekommen war, setzte sich Earlisle ihm gegenüber. „Meine Tochter," sagte er, „die 14' /2 Jahre zählt, hat bis jetzt noch keinen Religionsunterricht genossen, auch kann sie noch nicht hebräisch lesen: ich wünsche ihr diesen Unterricht nachträglich noch ertheilen zu lassen. Clavkerunterricht hat sie bereits sechs Jahre genossen und würde ihn jetzt noch genießen, wenn ihr bisheriger Clavierlehrer nicht schon seit zwei Monaten an einem unheilbaren Halsleiden daruiederläge, das ihn mit raschen Schritten seiner Auflösung entgegenführt. Wenn Sie im Elavierspiel so tüchtig sind, daß meine Tochter bei Ihnen den Musikunterricht fortsetzen kann, so wäre mir das sehr erwünscht. Im Gesänge hat sie eigentlich noch gar keinen befondern Unterricht gehabt und wäre es mir lieb, wenn sie sich auch hierin vervollkommnen könnte, da sie eine schöne Altstimme hat. Glauben Sie in diesen beiden letzten Fächern auch etwas Tüchtiges leisten zu können?" „Ich bin bis jetzt in allen den Fächern, über welche ich Zeugnisse vorzulegcn die Ehre hatte, nur Schüler, noch niemals Lehrer gewesen, doch stimmen meine Lehrer in ihren Zeugnissen auch hinsichtlich des Clavierspiels und des Gesanges, sowohl in Betreff des theoretischen Wissens, als des praktischen Könnens darin überein, daß ich die zur Unterrichtcrtheilung nöthigen Fähigkeiten erlangt habe. Es würde also auf eine Probe ankommen, ob ich Ihren Ansprüchen zu genügen im Stande bin." „Das muß allerdings in diesem Falle den Ausschlag geben. Wollten Sie so freundlich sein, sich mit mir in das Familienzimmer zu begeben, damit ich Sie meiner Frau und meiner Tochter vorstelle?" „Ich werde mir das zur Ehre anrechnen", antwortete Meseritzer. Beide erhoben sich von ihren Sitzen. „Entschuldigen Sie, daß ich voranschreite, da ich den Führer machen muß", sagte Earlisle. Er führte ihn durch mehrere Zimmer, bis sie an die Thür des Familienzimmers kamen, die er öffnete und Meseritzer vor sich eintreten ließ. Der Thüre gegenüber saßen die Frau und die Tochter Carlisle's auf dem Sopha, beide mit Lesen beschäftigt. Sie erhoben sich bei dem Eintritte des fremden Herrn von ihren Sitzen. Nach stattgefundener Vorstellung lud Earlisle Meseritzer zum Sitzen ein, und nachdem dieser Platz genommen hatte, nahmen auch die Damen ihre früheren Plätze wieder ein, Earlisle aber trat an das Clavier, öffnete dasselbe, durchsuchte einige Zeit die auf demselben befindlichen Notenhefte, schlug endlich in einem Hefte eine Chopin'sche Composition auf, reichte es Meseritzer und bat ihn, diese Composition auf dem Clavier vorzutragen." Meseritzer setzte sich sofort an das Instrument und spielte das Stück mit künstlerischer Fertigkeit und Leichtigkeit und mit aefühlsinnigem Verständnis;, so daß die drei Zuhörer sich überrascht ansahen und nach beendigtem Spiele ihren ungeheuchelten Beifall zu erkennen gaben. „Wären Sie wohl so gütig, uns auch einmal Ihren Gesang hören zu lassen?" sagte jetzt Earlisle. „Sehr gern," antwortete Meseritzer. „Seien Sie so gütig, irgend etwas zu bezeichnen, was ich singen soll." Earlisle trat an das Clavier und blätterte in einem neuen englischen Liederbuche, in welchem sich eine neue schwierige Composition eines englischen Liedes befand, von welcher er mit Sicherheit voraussctzen durfte, daß dieselbe Meseritzer noch nicht bekannt sei. Nachdem er dieselbe gefunden, reichte er das aufgeschlagene Buch Meseritzer hin. Dieser überblickte einen Augenblick die Composition und trug dieselbe dann mit seiner bezaubernden Stimme so kunstgerecht und so hinreißend schön vor, daß Alle sich erstaunt von ihren Sitzen erhoben und ihm, als er vollendet hatte, tief ergriffen die Hand drückten. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 8. August, 22. Ab. Samstag, 9. August, 23. Ab. rv'nD npy. Sabbat-Ausgang 8 Uhr 20 Min. (Mainzer Uhr). Berichtigung. In der zweiten Beilage zu Nr. 58 im Artikel „Loslan" ist statt Lewin zu lesen L e w i n s k i.

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