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Der Israelit · 1890-08-04 · Heft 61 (4.8.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 61 (4.8.1890)
Date
1890-08-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1115 Die Frage, welche sich aber uns vor Allem aufdrängt, ist: was können wir thun, um das Entsetzliche von unseren Brüdern abzuwenden: Wir sehen Millionen in Gefahr, von Haus und Hof vertrieben, um die Frkstung ihres Daseins in einen aussichtslosen Kampf eintretend, in diesem Kampfe unterzugehen und noch Millionen in dieses Verderben mit hineinzuziehen — regt sich da nicht unser Herz zur Hülfe? Aber was vermögen wir zu unternehmen? Wohl verlautet bereits, daß in England und Frankreich von unseren Glaubensgenossen der Versuch unternommen werden soll, durch eine fremde Macht, — etwa Frankreich — bei der russischen Regierung zu Gunsten der Juden zu interveniren. Wir sind der unmaßgeblichen Ansicht, daß eine solche diplomatische Verwendung kaum Aussicht auf Erfolg haben dürfte. Wir sind weit entfernt, niit dieser Bemerkung die etwa bereits eingeleiteten Schritte widcrrathcn zu wollen. Wir möchten aber mit unserer Meinung nicht zurückhalten und dieselbe weitesten und einflußreichsten Kreisen zur Erwägung dringendst anheimgeben. Wir glauben nämlich, daß eine direkte Vorstellung bei dem Kaiser von Rußland hier angezeigt wäre. Es sollte im Namen der gesammten Judenheit eine Deputation nach Petersburg entsendet werden, welche in persönlicher Audienz dem Kaiser die Bitte vorträgt, diese Erlasse zurückzunehmen. Wir halten es nicht für unmöglich, bei dem russischen Monarchen Gehör zu erlangen. Wir leben der zuversichtlichen Hoffnung, daß das Herz des Kaisers sich der wahrheitsgetreuen Schilderung von dem Jammer und der Roth Millionen seiner Unterthanen nicht verschließen wird, wie auch die Darstellung des Unheils, welches durch die Unterdrückung der Juden über das Reich gebracht würde, wesentlich dazu beitragen möchte, das Schreckliche abzuwenden, 'n T3 d»3^d ib. Möge Gott das Herz des Kaisers zum Heile lenken! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 31. Juli. Das Pflegamt des Israelitischen Gemeindehospitals veröffentlicht einen Bericht über seine Thätigkeit während des Zeitraumes vom l. April 1887 bis 1. April 1890. In dieser Zeit wurden von Frau B. W. Schlesinger Mk. 5000 für' ein Freibett gestiftet, und für gleichen Zweck von Herrn Seligmann Goldschmidt Mk. 10,000, von Herrn Ludwig Oplin Mk. 500 testirt. Der Fonds für Freibetten beträgt jetzt Mk. 163,171. An baaren Geschenken gingen in den drei Jahren ein Mk. 10,164, darunter ein Legat von Mk. 2000 von Frau Recha Schuster, je Mk. 500 Legat von Frau Johanna Speyer, geb. Schlesinger, und zum Gedächtniß des Herrn Ignatz Schuster. Die Zahl der Verpflegten hat von Jahr zu Jahr zugenommen; ambulatorisch behandelt wurden in dieser Zeit 3181, in ihrer Behausung 760, in der Anstalt 1108 Kranke mir 25,991 Verpflegungstagen. Die israelitische Gemeinde leistete Zuschüsse in Höhe von Mk. 64,806. Vielseitig geäußerten Wünschen zufolge übernimmt das Pflegamt gegen entsprechende Vergütung die dauernde Unterhaltung von Grabstätten. z. Kofchmin (Posen), 23. Juli. Am letzten Sonnabend, den 14. d. M. hielt in unserer Synagoge als erster Kandidat Herr Rabbiner Dr. Aron Heppner aus Pleschen vor einem zahlreichen Auditorium die Probepredigt. Diese fand allgemein solch' großen Beifall, daß der Vorstand mit Zustimmung der Gemeinde von der Berufung weiterer Kandidaten Abstand nahm. In der heutigen gemeinschaftlichen Sitzung des Vorstandes und der Repräsentanten wurde Herr Dr. Heppner einstimmig zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. Da unferm nengewühlten Sftabbiner, der ein Zögling des Hildesheimer'schen Rabbinerseminars zu Berlin ist, auch der Ruf großer talmudischer und allgemein wissenschaftlicher Gelehrsamkeit vorangeht, so herrscht in unserer Gemeinde allgemeine Freude über diese glückliche Acquisition. Der Antritt des Herrn Dr. H. erfolgt zum 1. September. München, 1. August. Als wir am verg. Samstag Abend die Worte in den Klageliedern lasen uNori ’d vb nj »in utwn muy rfcw, dachten wir nicht, daß wir in dieser Woche noch ein pnn, eine pn'i nn’D mit diesen Worten zu beklagen hätten. Am vergangenen Dienstag Mittag gegen 1 Uhr hauchte der pN2 Rabbi Jakob Löb Feuchtwanger seine min» now nach einem ganz kurzen Krankenlager aus. Nicht nur seine engere und weitere Familie beklagt mit seinem Heimgange die moy □iwn, sondern auch unsere ganze Gemeinde, speziell aber die orthodoxe Vereinigung die ihn mit vollem Rechte, im wahrhaften Sinne des Wortes, ihren Vater nennen konnte. R. I. L. F. wurde in Fürth als der Sohn des in weitesten Kreisen hochgeschätzten Kaufmannes Neb Seligmann F. im Jahre 1821 geboren. Als ältester von zahlreichen Geschwistern, verließ er frühzeitig das elterliche Haus und obgleich sehr jung, bewies er schon damals ein reges Streben. Rastlos war er be-

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